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Gesund mit Diehm

Die Schilddrüse – ein kleines Organ mit großem Einfluss

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Nahezu jeder zweite Deutsche erkrankt in seinem Leben an einem Schilddrüsenleiden. Woran erkennt man das und was kann man dagegen tun? Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit – erklärt von Prof. Dr. Curt Diehm.
Früher hieß es immer: etwa jeder dritte Deutsche leidet an einer Erkrankung der Schilddrüse, häufig hervorgerufen durch Jodmangel. Laut aktueller Untersuchungen des Deutschen Zentrums für Schilddrüsenerkrankungen in Bornheim muss man diese Zahl inzwischen nach oben korrigieren. Durch eine sprunghafte Zunahme von Schilddrüsenentzündungen in den letzten Jahren sind inzwischen nahezu 50 Prozent aller Deutschen betroffen. Als Ursache gilt oftmals ein fehlgeleitetes Immunsystem, das wir auch in anderen Bereichen der Medizin zunehmend häufig antreffen.

Hashimoto-Thyreoiditis

Hervorgerufen wird eine Entzündung der Schilddrüse häufig durch eine sogenannte Hashimoto-Thyreoiditis, benannt nach ihrem Entdecker, dem japanischen Arzt Hakaru Hashimoto, der 1912 die Symptome erstmals beschrieb. Heute ist sie für fast vier Fünftel aller Schilddrüsenentzündungen verantwortlich. Dabei sind in erster Linie Frauen im Alter zwischen 40 und 50 Jahren betroffen.

Über die Ursachen herrscht derzeit noch Ungewissheit. Fest steht jedoch, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der der Körper Antikörper gegen die Eiweiße der Schilddrüse bildet. Das verursacht eine Entzündung des Schilddrüsengewebes, welches sich zurückbildet und zerstört werden kann. Das wiederum führt zu einer Schilddrüsenunterfunktion.

Über- und Unterfunktion

Auch die deutlich seltener vorkommende Schilddrüsenüberfunktion wird durch ein fehlgeleitetes Immunsystem ausgelöst. Hier verursacht eine immunbedingte Überfunktion dazu, dass Autoantikörper die Schilddrüsenzellen anregen, zu viele Hormone zu bilden.

Doch egal, ob Über- oder Unterfunktion: In beiden Fällen drohen schwere Folgeerkrankungen. Denn die von der Schilddrüse produzierten Hormone sind für eine Vielzahl an Funktionen im Körper (mit-)verantwortlich: dem Stoffwechsel, Herz und Kreislauf, Magen und Darm sowie Nerven und Muskeln.

Von Depressionen bis zu Herzkrankheiten

So konnten Wissenschaftler aus Deutschland nach der Analyse mehrerer Studien sogar einen Zusammenhang zwischen Schilddrüsenentzündungen und psychischen Erkrankungen herstellen. Demnach leiden Menschen mit einer Erkrankung der Schilddrüse über zweimal so häufig an Angstzuständen und sogar mehr als dreimal so häufig an Depressionen.

Und eine aktuelle Auswertung aus China bestätigte erst jüngst den Zusammenhang zwischen einer Schilddrüsenunterfunktion und Herzkrankheiten. Die chinesischen Kardiologen hatten dazu 55 Studien mit rund 1,9 Millionen Patienten ausgewertet. Ihr Resultat: selbst eine leichte Unterfunktion kann zu einer Arteriosklerose mit späterem Schlaganfall, Herzinfarkt, Vorhofflimmern oder einer Herzinsuffizienz führen.

Lassen Sie sich untersuchen

Nicht zuletzt darum zählen Untersuchungen der Schilddrüse heute zum Standard-Repertoire Ihres Arztes. Per Ultraschall kann er strukturelle Veränderungen frühzeitig erkennen. Eine Blutuntersuchung gibt Hinweise auf die Menge der wichtigsten Schilddrüsenhormone im Blut. Zusätzlich kann im Blut der sogenannte TSH-Wert ermittelt werden, der die Schilddrüsenaktivität nachweist.

Verlassen Sie sich auf Ihren Arzt. Im Falle einer Erkrankung wird er gemeinsam mit Ihnen die möglichen Ursachen diskutieren und dementsprechend eine medikamentöse Behandlung einleiten.

Zur Person

Prof. Dr. med. Curt Diehm zählt zu den führenden Medizinern im Südwesten Deutschlands, er ist Autor zahlreicher Fach- und Patientenbücher und langjähriger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin. Seit Mitte 2014 leitet er als Ärztlicher Direktor die renommierte Max Grundig Klinik in Bühl. Alle Beiträge dieser Serie zum Nachlesen unter www.max-grundig-klinik.de.

 

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