Brainjogging-Special Teil 5: Bewegung und Koordination/ Schlusswort thinkstockphoto.de

Brainjogging-Special Teil 5: Bewegung und Koordination/ Schlusswort

In den vergangen Ausgaben unseres Brainjogging-Specials habt Ihr gesehen, mit welcher Art von Übungen das Gehirn gezielt gefördert werden kann. Es gibt aber noch eine andere, simple Möglichkeit, die ebenfalls hilft den Kopf fit zu halten. Sport trägt dazu bei, dass unser Gehirn besser arbeiten kann. Bettina M. Jasper, Diplom-Sozialpädagogin und Sportübungsleiterin, wird uns als Expertin zur Seite stehen und Euch die Verbindung zwischen Bewegung und Gehirnleistung erklären.

Zahlreiche Studien belegen den Zusammenhang zwischen Bewegung und geistiger Leistungsfähigkeit. Beispielsweise ist die Kapazität unseres Kurzzeitgedächtnisses um 20 Prozent höher, wenn wir uns bewegen. Ebenso bekannt ist, dass Sport Körper und Gehirn gleichermaßen jung hält. Sportliche Aktivität scheint also eine Art stimulierender Faktor zu sein, aber woran liegt das?

Was verbindet Bewegung und Gehirn?

„Alle Bewegungen werden von unserem Gehirn gesteuert“, berichtet Bettina M. Jasper. Es ist verantwortlich für die Genauigkeit und die Schnelligkeit unserer Handlungen. Für die richtige Umsetzung sorgt ein komplexes System bestehend aus Reizaufnahme, Verarbeitung, Speichern, Abrufen und der letztendlichen Bewegungsausführung.

„Umgekehrt wirkt sich Bewegung auch auf das Gehirn, seine Struktur und seine Funktionsfähigkeit aus“, fährt Jasper fort. Sport sorgt dabei für eine bessere Verschaltung der aktiven Hirnareale. Grund dafür ist, dass die Durchblutung unseres Gehirns bei Bewegung steigt. Somit verbessert sich die Versorgung unseres Gehirns mit Sauerstoff und anderen wichtigen Nährstoffen.

Zusammenspiel Auge, Gehirn und Muskel

Zentral für die korrekte Ausführung und Koordinierung unserer Bewegungen ist unsere Wahrnehmung. Bewegung und Koordination sind stark davon abhängig, was das Auge erfasst und wie das Gehirn die aufgenommenen Reize umsetzt. Das Zusammenspiel zwischen Auge, Gehirn und Muskeln wird durch Bewegung automatisch geschult. Bei diesem Vorgang werden hunderte Muskel und Millionen von Nervenzellen aktiv. Durch diese Verknüpfung fördert das Wahrnehmungs- und Bewegungsverhalten auch das Planen und Denken.

Sport macht müde Zellen munter

 „Wer sich viel bewegt, betreibt quasi automatisch schon Gehirntraining, ohne dabei Denkaufgaben zu lösen“, erklärt Jasper. Der Grund: Bewegung verbessert damit automatisch die Aufmerksamkeit, das Denkvermögen und die Gedächtnisleistung.

Ausdauertraining beispielsweise sorgt für Schnelligkeit beim Denken. Es fällt uns leichter zwischen wichtig und unwichtig zu unterscheiden. Die Zeit, welche wir zum Bearbeiten und Umsetzen der Informationen benötigen, wird dadurch verringert. Koordinationsübungen beeinflussen die nötige Genauigkeit. So werden Einzelheiten exakter aufgenommen. Auch die visuelle Wahrnehmung und die Orientierung verbessern sich hierdurch. Der Mensch bleibt dadurch körperlich und geistig auf der Höhe, auch im Alter.

Gleichzeitig sollte man darauf achten, dass man sich dabei nicht übernimmt. Es gibt nämlich auch Studien, die belegen, dass zu viel Sport die Leistung des Gehirns wieder senkt.

Frühzeitig vorsorgen

Des Weiteren betont unsere Expertin den positiven Einfluss von Bewegung auf die Gehirnstruktur. Durch die Verschaltung der Gehirnbereiche wirkt man dem altersbedingten Rückgang der Gewebsdichte entgegen und senkt das Risiko vor Demenz.

„Wichtig ist“, ergänzt Jasper, „dass wir nicht erst im hohen Alter damit beginnen uns sportlich zu betätigen.“ Man sollte also möglichst frühzeitig damit beginnen, um dem Alterungsprozess des Gehirns  entgegenzuwirken.

Dual Tasks in Zeiten des Multitaskings

In Zeiten des Multitaskings ist es sinnvoll jeweils eine Denk- sowie eine Bewegungsaufgabe zu kombinieren, berichtet die Expertin, denn so wird das Gehirn geschult,  geistige und körperlichen Abläufen zu koordinieren.

„Zwei Dinge gleichzeitig zu erledigen, stellt für unser Gehirn eine große Herausforderung dar“, erklärt Jasper die Idee hinter den Übungen.

Beispielweise könnte man beim Zähneputzen versuchen nur auf einem Bein zu stehen und das Gleichgewicht zu halten. Oder man versucht beim Joggen Wörter rückwärts zu buchstabieren ohne das Tempo zu verlangsamen. Diese Art von Herausforderung schult das Gehirn  Hier findet Ihr noch mehr Multitasking-Übungen:

Übung 1: Koordination der Finger

Auch diese Übung könnt Ihr prinzipiell überall machen. Ihr braucht dafür lediglich eine Unterlage auf der Ihr eure Hand ablegen könnt. Die Aufgabe selbst besteht darin, das Alphabet aufzusagen und dabei für jeden Buchstaben mit einem Finger auf den Tisch zu klopfen. Dabei ist Euch folgende Reihenfolge der Finger vorgegeben:

  • Daumen
  • Zeigefinger
  • Mittelfinger
  • Ringfinger
  • kleiner Finger
  • anschließend wieder zurück zum Daumen und so weiter

Unterläuft Euch dabei ein Fehler, beginnt Ihr von vorne. Wenn Ihr es geschafft habt und Euch die Übung zu einfach vorkommt, versucht das nächste Mal das Alphabet rückwärts aufzusagen und das so schnell, wie möglich mit den Bewegungen zu verbinden.

Übung 2: Spiele mit Freunden

Auch für Geburtstage und ähnliche private Veranstaltungen eignet sich diese Kombination aus körperlicher und geistiger Leistung zum Zeitvertreib. Für solche Spiele bietet es sich beispielsweise an kleine Gegenstände  (Korken, Würfel, Schwamm oder Ähnliches) unter einem Tuch oder in einen Beutel zu geben und anschließend durch ertasten diese zu erraten.

Dazu werden die anwesenden Personen in zwei Gruppen eingeteilt. Die Materialien werden, der Anzahl der Spieler entsprechend aufgeteilt, sodass jeder einmal raten darf. Jeder Kandidat erhält einen Zettel auf dem er die Gegenstände notieren kann, die er in dem Beutel oder unter dem Tuch vermutet. Sein Gegner erhält den gleichen Beutel und ebenfalls einen Zettel.

Pro Durchgang haben die Spieler jeweils eine Minute Zeit. Nach jeder Runde wird ausgewertet, welches Team mehr Gegenstände richtig bestimmt hat. Wenn alle Spieler einmal an der Reihe waren ergibt sich ein Endergebnis.

Unsere Expertin: Bettina M. Jasper
Experte Brigitte Jasper
Diplom-Sozialpädagogin, Sportübungsleiterin und Gedächtnistrainerin

Schlusswort zum Brainjogging-Special:

Liebe Leser,

in den letzten Wochen konntet Ihr lesen mit welcher Art von Übungen Ihr Euch und Eurem Gehirn etwas Gutes tuen könnt. Die von uns präsentierten Aufgabentypen stellen allerdings nur einen Bruchteil des Facettenreichtums moderner Gehirntrainingsmethoden dar. Es gibt noch zahlreiche andere Trainingsmethoden, die Ihr für Euch entdecken könnt. Klar ist jedoch: Brainjogging ist Einstellungssache und es sollte Euch Spaß machen. Andererseits steht auch fest, dass es Euch nichts helfen wird, wenn Ihr das Training wieder aufgebt. Grips ist keine feste Größe oder eine Gabe, die Euch mit der Geburt in den Schoß gelegt wird, sondern Ihr müsst beharrlich daran arbeiten. Deshalb seht die vergangen Wochen als Auftakt zu einer kontinuierlichen Verbesserung Eurer geistigen Fähigkeiten, damit Ihr ein Leben lang geistig aktiv und leistungsfähig bleibt. Es geht schließlich auch um Eure Gesundheit. Ihr habt es selbst in der Hand!

Literatur

Bettina M. Jasper, Brainfitness, 3. überarbeitete Auflage, Meyer & Meyer Verlag, 2012, S. 11-40; 79; 104

Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team
 

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