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Sichere Verhütung

Natürliche Verhütung – welche Methoden gibt es?

Weg von der unnatürlichen Hormonzufuhr durch die Anti-Baby-Pille und den nervigen Kondomen: Immer mehr Menschen wollen auf eine natürliche Verhütung umsteigen, um ihren Körper nicht unnötig zu belasten. Doch wie sicher sind natürliche Verhütungsmethoden?

Die meisten natürlichen Verhütungsmethoden basieren auf einer genauen Beobachtung des eigenen Körpers und erfordern nur wenige Hilfsmittel. Dennoch bleiben oft Zweifel an ihrer Sicherheit.

Basaltemperatur-Methode

Bei der Basaltemperatur-Methode wird jeden Morgen, etwa zur gleichen Zeit und immer an der gleichen Stelle, die Körpertemperatur gemessen und in einer Tabelle notiert. Während der ersten Zyklushälfte liegt die Temperatur relativ niedrig, etwa um 36,5 - 36,8° C. Ein bis zwei Tage nach dem Eisprung steigt die Temperatur um 0,2 - 0,5° C an. Drei Tage nach dem Temperaturanstieg bis zum Ende des Zyklus liegen die mit Sicherheit unfruchtbaren Tage.

Die Basaltemperatur-Methode erzielt einen guten Wert in puncto Sicherheit: Etwa 0,8 von 100 Frauen werden innerhalb eines Jahres bei korrekter Durchführung trotzdem schwanger. Mediziner sprechen von einem Pearl Index von 0,8. (Zum Vergleich: Die Pille, die als sehr sicher gilt, weist einen Pearl Index von 0,1 bis 0,9 auf.) In Kombination mit anderen Methoden ist die Basaltemperatur-Methode als natürliche Verhütung gut geeignet.

Sinnvoll ist die Methode aber nur für disziplinierte Frauen, die einen geregelten Tagesablauf haben: Die Körpertemperatur wird von Faktoren wie Stress, bestimmten Medikamenten, zu wenig Schlaf oder Alkoholkonsum beeinflusst.

Zervixschleim-Methode

Die Zervixschleim-Methode besteht darin, jeden Morgen den Zervixschleim zu untersuchen, der vom Gebärmutterhals abgesondert wird. Im Laufe des weiblichen Zyklus schwanken die ausgeschütteten Hormonmengen, wodurch sich das Scheidensekret verändert. Drei bis vier Tage vor dem Eisprung wird der Schleim klar, dünnflüssig und spinnbar: Man kann ihn mit den Fingern über mehrere Zentimeter Länge ziehen. Sind die fruchtbaren Tage vorbei, wird der Zervixschleim fest und milchig.

Als alleinige Anwendung ist die Zervixschleim-Methode nicht zur natürlichen Verhütung geeignet: Mit einem Pearl Index von 5 ist die Methode zu unsicher. Sinnvoll ist deshalb die Kombination mit der Basaltemperatur-Methode.

Muttermunduntersuchung (Rötzer-Methode)

Die Untersuchung des Muttermunds kann die Basaltemperatur- und die Zervixschleim-Methode ergänzen und ihre Sicherheit erhöhen, alleine angewendet gibt sie allerdings keine Sicherheit. Die Kombination der drei Methoden, die als die symptothermale Verhütung bezeichnet wird, kommt auf einen Pearl Index von 0,3 und gilt als sehr sicher.

Zu Beginn des Zyklus fühlt sich der Muttermund fest an und steht relativ weit vorn in der Scheide. In dieser Zeit lässt er sich gut ertasten. In den Tagen vor dem Eisprung zieht sich der Muttermund weiter zurück. Je näher der Eisprung rückt, desto weiter öffnet sich der Muttermund und wird weich. Die unfruchtbare Phase beginnt, wenn der Muttermund mindestens seit drei Tagen wieder fest und geschlossen ist.

Natürliche Verhütung per Kalender

Über mehrere Monate hinweg werden die Monatszyklen dokumentiert, um den genauen Zyklus zu ermitteln. Die Methode eignet sich nur bei einem sehr regelmäßigen Rhythmus und ist auch dann mit einem Pearl Index von 9 unsicher: Die fruchtbaren Tage liegen bei einem durchschnittlichen Zyklus von 28 Tagen zwischen dem 12. und dem 18. Tag ab dem Tag des letzten Menstruationsbeginns.

Natürliche Verhütung mit Hormonmessung

Die Änderung vom Hormongehalt im Körper ist ein deutliches Zeichen für eine beginnende fruchtbare Phase. Mithilfe eines Mini-Computers werden die Hormone im Urin gemessen, die auf einem Teststäbchen in das Gerät eingelegt werden. Der Computer bestimmt die LH- und die Östrogenwerte. Der Mini-Computer zeigt daraufhin ein rotes Licht an, welches für eine „gefährliche“ Zeit für ungeschützten Geschlechtsverkehr steht, grünes Licht hingegen bedeutet „sicher“, also geringer Wahrscheinlichkeit für eine Befruchtung.

Mit einem Pearl Index von ungefähr 5 ist die Sicherheit durch die Hormonmessung nicht so hoch wie gedacht: Der Risikofaktor ist aber nicht die Methode an sich, sondern der Mensch selbst: Stark schwankende Zyklen oder Zyklen ohne Eisprung können die Messung beeinflussen. Auch Zeitumstellungen wie bei Reisen oder eine unregelmäßige Tagesstruktur können Faktoren sein.

Coitus Interruptus

Der Coitus Interruptus, der unterbrochene Geschlechtsverkehr, ist die unsicherste Methode der natürlichen Verhütung. Hierbei zieht der Mann seinen Penis kurz vor dem Samenerguss aus der Scheide. Allerdings kann schon vor dem Orgasmus beim sogenannten „Sehnsuchtstropfen“ Sperma austreten und für eine Befruchtung sorgen.

Mit einem Pearl Index von 15 ist die Methode des „Aufpassens“ sehr unsicher und nicht zweckerfüllend.

Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team

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