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Gesund mit Diehm

Trinken: Zu wenig, zu viel – wieviel ist gesund?

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Trinken Sie so viel wie möglich, hieß es früher. Heute warnen Studien vor zu großer Flüssigkeitsaufnahme. Doch wieviel ist richtig? Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit – erklärt von Prof. Dr. Curt Diehm.
Um das Thema Trinken ranken sich viele Mythen. Trinken, so heißt es, ist gut für die Gesundheit, macht schlank und intelligent. Manchen Mineralwassern wird geradezu eine Wunderwirkung zugeschrieben. Befreien sie angeblich doch sogar unseren Körper von Giften, sorgen für mehr Lebensfreude oder verbessern das Hautbild. Viele Jahre behaupteten Ernährungswissenschaftler zudem, man solle so viel trinken, wie nur möglich. Am besten mehr als drei Liter pro Tag.

Wasser ist lebens- und überlebenswichtig

Fakt ist: Der menschliche Körper besteht zu mehr als 50 Prozent aus Wasser. In allen Körperflüssigkeiten – von den Tränen bis zum Blut – ist es enthalten und hält lebenswichtige Funktionen aufrecht.

Laut Berechnungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) verliert ein durchschnittlicher Erwachsener pro Tag beim Atmen, Wasserlassen, Schwitzen und über den Darm rund 2,65 Liter Wasser. Knapp 0,9 Liter nehmen wir über die Nahrung auf, 0,3 Milliliter werden durch Prozesse im Körper erzeugt. Den Rest müssen wir trinken.

Dabei spielen natürlich zahlreiche weitere Faktoren eine Rolle. Größe und Gewicht genauso wie sportliche Betätigungen oder das Temperatur-Umfeld. Denn, wer mehr schwitzt, muss natürlich auch mehr trinken.

Die richtige Menge

Laut DGE empfiehlt es sich für Erwachsene im Alter zwischen 19 und 50 Jahren, 35 ml pro Kilogramm Körpergewicht zu trinken. Bei einem 85 Kilogramm schweren Mann wäre das 3 Liter, bei einer 65 Kilogramm schweren Frau rund 2,3 Liter – jeweils abzüglich der Menge an Flüssigkeit, die bereits in der Nahrung enthalten ist. Erwachsene, die keine Herz- beziehungsweise Nierenkrankheit haben, vertragen also eien Trinkmenge zwischen 2-3 Litern pro Tag. Die Mindestmenge ist 500ml.

Dass mehr nicht besser, sondern sogar schädlich sein kann, belegte erst jüngst eine Studie der Monash University in Australien. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass durch übermäßiges Trinken wichtige Mineralstoffe aus dem Körper gespült werden und damit deren Spiegel im Blut sinken. Vor allem, wenn der Natriumspiegel fällt, drohen Übelkeit, Krämpfe und sogar Ohnmacht.
Auch Menschen mit einer Nierenschwäche wurde bisher immer geraten, sie sollten viel trinken, um ihre Nieren gut durchzuspülen. Wie eine Langzeituntersuchung mit über 600 nierenkranken Patienten aus Kanada zeigt, stimmt auch das nicht. Zwischen den Vieltrinkern mit mehr als drei Litern am Tag und den Normaltrinkern konnte keine relevanten Unterschiede festgestellt werden.

Ist Wasser gleich Wasser?

Neben der richtigen Menge kommt es natürlich auch ganz entscheidend darauf an, was Sie trinken. Obstsäfte zum Beispiel enthalten oft viel Zucker und können darum echte Dickmacher sein. Ganz abgesehen von den zahlreichen Limonaden. Darum rate ich zu ungesüßten Tees oder Wasser. Ob Sie dabei eines der zahlreichen Mineralwässer oder das in Deutschland generell sehr gute Leitungswasser trinken, bleibt Ihrem persönlichen Geschmack überlassen. Wirklich besser im Sinne von gesünder ist keines von ihnen, auch wenn Ihnen die Werbung gerne anderes weismachen möchte.

Und zum Schluss noch ein Tipp: Unsere tägliche Erfahrung in der Klinik zeigt, dass gerade viele ältere Menschen regelmäßig viel zu wenig trinken und nicht nur in der warmen Jahreszeit buchstäblich austrocknen. Man kann den Wassergehalt des Körpers ganz gut am Hautfaltentest beurteilen. Ziehen Sie dazu eine Hautfalte an der Rückseite der Hand mit zwei Fingern nach oben und lassen wieder los. Wenn die Haut geschmeidig ist, nicht in Falten stehen bleibt und sich gleich wieder zurückzieht, spricht das für eine ausreichende Trinkmenge.

Zur Person

Prof. Dr. med. Curt Diehm zählt zu den führenden Medizinern im Südwesten Deutschlands, er ist Autor zahlreicher Fach- und Patientenbücher und langjähriger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin. Seit Mitte 2014 leitet er als Ärztlicher Direktor die renommierte Max Grundig Klinik in Bühl. Alle Beiträge dieser Serie zum Nachlesen unter www.max-grundig-klinik.de.