Impfungen und die häufigsten Nebenwirkungen bei Kindern gettyimages.de
  • 17. Dezember 2018
  • Jessica Kilonzo, Kinder und Jugendärztin und Mario Förster
Expertentipps

Impfungen und die häufigsten Nebenwirkungen bei Kindern

Rate this item
(0 votes)
Die Gesundheit Deiner Kinder ist Dir sehr wichtig. Du gehst mit ihnen zu den Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt und lässt Deine Tochter oder Deinen Sohn nach Empfehlung der STIKO impfen. Trotzdem ist Dir bei den Impfungen immer etwas mulmig und Du fragst Dich jedes Mal, welche Nebenwirkungen eine Impfung bei deinem Kind auslösen kann.
Hier ist es wichtig, zwischen unkomplizierten Impfreaktionen und ernsthaften Nebenwirkungen zu unterscheiden. Mit unserem Ratgeber bist Du gut auf den Besuch beim Kinderarzt vorbereitet.

Kann eine Impfung bei meinem Kind Nebenwirkungen auslösen?

Leichte Impfreaktionen wie Fieber oder Gliederschmerzen lösen Impfungen bei Kindern häufig aus. Sie gehen aber rasch und ohne Folgen vorbei. Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen oder ähnliche Komplikationen sind sehr selten.

Impfstoffe sind heute gut verträglich und streng kontrolliert

Jeder Impfstoff, der in Eurer Kinderarztpraxis landet, wurde vorher umfassend kontrolliert. Das Paul-Ehrlich-Institut ist in Deutschland für die Sicherheit der Impfstoffe zuständig und nimmt seine Verantwortung sehr ernst. Und nicht nur die Sicherheit wird geprüft, sondern auch die Wirksamkeit.

Es ist ein langer Weg, bis die STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch Institut) eine Impfung offiziell für Deine Kinder empfiehlt. Impfstoffe, die Kinderärzte heute nutzen, sind zum Beispiel mit deutlich weniger Konservierungsstoffen versetzt, als vor 20 Jahren.

Es ist mittlerweile auch eine niedrigere Konzentration an Krankheitserregern notwendig, um einen sicheren Schutz vor der jeweiligen Infektionskrankheit zu erreichen. Kombinationsimpfstoffe machen es möglich, die Zusatzstoffe zusätzlich zu minimieren. Stell Dir vor, die Sechsfachimpfung müsste mit sechs verschiedenen Spritzen verabreicht werden. Wer möchte das seinem Nachwuchs zumuten? Kombinationsimpfungen ersparen Deinen Kindern zusätzlich Nebenwirkungen und mögliche Impfreaktionen.

Fünf Fakten zum Thema "Impfungen und ihre Nebenwirkungen bei Kindern"

- In unserem Land werden Impfstoffe umfassend auf ihre Sicherheit und ihre Wirksamkeit überprüft.

- Kombinationsimpfstoffe machen es möglich, deutlich weniger Trägerstoffe und Konservierungsstoffe zu verwenden als bei einzelnen Impfungen.

- Leichte Impfreaktionen sind kein Anlass zur Sorge. Das Immunsystem arbeitet mit dem abgeschwächten oder inaktivierten Erreger. Echte Impfkomplikationen treten nur sehr selten auf.

- Circa zwei bis 20 Prozent der geimpften Kinder zeigen im Anschluss an die Injektion eine leichte Rötung und Schwellung an der betreffenden Stelle ihres Körpers.

- Ein bis zehn Prozent der Eltern bemerken nach einer Impfung Fieber, Schmerzen, Schlafstörungen oder Magen-Darm-Beschwerden bei ihren Kindern.

Die Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) als Beispiel für typische Impfreaktionen

In einem Alter von 11 bis 14 Monaten sowie 15 bis 23 Monaten erhält Dein Nachwuchs je eine Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln, falls Du den Impfempfehlungen der STIKO folgst.

Eine weitere mögliche Komponente in dieser Kombinationsimpfung sind die Windpocken oder Varizellen. Es handelt sich bei MMR um Lebendimpfstoffe, daher tritt eine mögliche Impfreaktion meist verzögert in einem Zeitraum von fünf bis 12 Tagen nach der eigentlichen Impfung auf. Viele Kinder reagieren aber nicht sichtlich auf die Impfung und fühlen sich wohl. Warte einfach ab, was passiert und unterstütze Dein Kind, falls folgende Beschwerden auftreten:

- Schmerzen an der Injektionsstelle
- Schwellung und Rötung der Einstichstelle
- Ausschlag der Haut (Impfmasern oder Impfwindpocken)
- Fieber
- Kopfschmerzen
- Gliederschmerzen
- Schlafprobleme
- Übelkeit und Erbrechen
- Durchfall

All diese unkomplizierten Symptome verschwinden in der Regel nach spätestens drei Tagen von alleine wieder. Sprich Euren Kinderarzt an, wenn Du Dir Sorgen machst. Ein Kühlen der Impfstelle, viel Trinken, bei Bedarf Paracetamol oder Ibuprofen helfen dem kleinen Patienten, sich schnell wieder besser zu fühlen.

Impfungen und ihre Nebenwirkungen

Wie fast alles im Leben kann auch eine Impfung in sehr seltenen Fällen unerwünschte Wirkungen mit sich bringen. Leider beeindrucken uns Eltern vereinzelte Berichte von Impfschäden oder ernsthaften Nebenwirkungen in den Medien viel mehr, als die Millionen unkompliziert geimpfter Kinder, die jetzt sicher vor zahlreichen Infektionskrankheiten geschützt sind. Aus diesem Grund gehen viele Eltern mit einem mulmigen Gefühl zum Impfen in die Kinderarztpraxis. Sprich in Ruhe mit Eurem Kinderarzt. Er wird all Deine Fragen kompetent beantworten und Dich beruhigen können.

Mögliche ernsthafte Nebenwirkungen

- Weniger als eines von 10.000 Kindern entwickelt im Zusammenhang mit einer Impfung einen Krampfanfall mit oder ohne Fieber. In der Regel verursacht der Krampfanfall keine bleibenden Schäden und ist auch kein Anzeichen für eine Epilepsie.

- Kinderärzte haben in vereinzelten Fällen nach einer Impfung eine sogenannte hypoton-hyporesponsive Episode beobachtet. Die betroffenen Kinder sind für kurze Zeit nicht ansprechbar und haben einen sehr niedrigen Muskeltonus. Bleibende Folgeschäden sind von einer solchen Episode nicht zu erwarten.

- In seltenen Fällen treten allergische Reaktionen auf den Impfstoff auf.

Euer Kinderarzt hat eine Aufklärungspflicht

Das Gesetz verpflichtet Ärzte in Deutschland dazu, Patienten und bei Minderjährigen auch deren Eltern vor einer Impfung umfassend über Nutzen und Risiken der Behandlung aufzuklären.

Das persönliche Gespräch mit dem Kinderarzt umfasst auch mögliche Impfreaktionen und Nebenwirkungen. Du kannst alle Fragen stellen, die Du zu der Impfung hast und Dich zum Beispiel zu einem alternativen Impfplan beraten lassen, wenn Euer Kinderarzt offen dafür ist.

Ohne Dein Einverständnis (mündlich oder schriftlich) darf der Kinderarzt Dein Kind nicht impfen. In Deutschland liegt nur eine Impfempfehlung vom Staat vor, keine Impfpflicht.

Zum Thema:

- https://www.netpapa.de/magazin/nebenwirkungen-impfungen-beim-baby.html
- https://praxiskind.de/kinderimpfungen
- https://praxiskind.de/impfungen/impfkalender-fuer-babys.html

Quellenangaben:

- Stephan Illing, Martin Claßen; Klinikleitfaden Pädiatrie; Urban & Fischer, München 2009
- Thomas Baumann, Atlas der Entwicklungsgeschichte: Vorsorgeuntersuchung von U1 bis U10/J1, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2015
- Impfseiten der STIKO des Robert Koch Instituts (www.rki.de)