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Gesund mit Diehm

Elektroautos – keine Gefahr für Herzschrittmacher

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Elektroautos sind gut für die Umwelt. Sie erzeugen aber auch starke elektromagnetische Felder. Können diese für Herzschrittmacher gefährlich werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich jetzt eine aktuelle Untersuchung. Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit – erklärt von Prof. Dr. Curt Diehm.
Weltweit wird seit den 1990er Jahren verstärkt an neuen Akkutechnologien und Elektroantrieben geforscht. Aufgrund der zunehmenden Luftverschmutzung insbesondere in Ballungsräumen gilt die E-Mobilität heute als emissionsfreier Fahrspaß der Zukunft. Laut aktuellen Zahlen sind derzeit weltweit über drei Millionen Elektroautos unterwegs, rund 1,2 Millionen davon wurden allein im vergangenen Jahr zugelassen.

Diese Zahlen lassen für die Umwelt hoffen. Allerdings leben wir schon heute in einer Welt, in der wir ständig von elektromagnetischen Interferenzen (EMI) umgeben sind. Viele davon haben wenig Bedeutung für unser alltägliches Leben und unsere Gesundheit. Die steigende Anzahl von Elektroautos sorgt nun allerdings für eine massive Erhöhung.

Darum haben sich nun Forscher vom Deutschen Herzzentrum München mit der Frage beschäftigt, welche Auswirkungen elektromagnetische Felder in Elektroautos auf die Herzschrittmacher- und -Defibrillatorenfunktion haben. Dazu bauten sie elektromagnetische Felder bis 32 Ampere auf und untersuchten die Auswirkungen bei Patienten mit Herzschrittmachern und Defibrillatoren. Die Ergebnisse der Studie wurden in den Annals of Internal Medicine publiziert.

Vorab das wohl Wichtigste: Vier der in Deutschland am häufigsten verkauften Elektroautos hatten keine Auswirkungen auf die Schrittmacher- und die Defibrillatorenfunktion. Die Untersucher berichteten, dass diese Autos wirkungsvolle Abschirmungssysteme haben, sodass Interferenzen sehr unwahrscheinlich werden.
Die Auswirkungen auf die Patienten wurden zwischen Mai 2014 und Januar 2015 in reinen Elektroautos untersucht. Als Modelle wählten die Forscher einen BMW i3, einen Nissan Leaf, ein Tesla Model 85S und einen Volkswagen e-up. Hybrid-Fahrzeuge wurden bei der Untersuchung nicht berücksichtigt.

Insgesamt testen die Forscher 42 verschiedene Schrittmachersysteme an 108 Trägern von Herzschrittmachern oder Defibrillatoren. Bei allen untersuchten Patienten wurde ein Langzeit-Elektrokardiogramm erstellt. Selbst bei Ladevorgängen, bei denen die höchste elektromagnetische Feldstärke auftritt, wurden die Systeme nicht beeinflusst. Auch ein Over- oder Undersensing beziehungsweise unerwünschte Schockabgaben traten nicht auf. Dabei konnten die Forscher keine Unterschiede zwischen den Sitzen im Frontraum und im Rückraum feststellen.

Die Autoren vom Deutschen Herzzentrum München kommen darum zu dem Schluss, dass Schrittmacherträger und Träger von Defibrillatoren in Elektroautos nicht gefährdet sind, auch nicht bei einem normalen Ladevorgang. Noch keine endgültigen Aussagen konnten sie zur Supercharching-Technologie machen. Bei diesem Schnellladevorgang werden 200 bis 300 Ampere Leistung aufgebaut und es entstehen extrem starke elektromagnetische Felder. Hier wird es sicher schon bald weitere Tests geben.

Auch für die Fahrer und Beifahrer mit Herzschrittmachern oder Defibrillatoren besteht absolut keine Gefahr durch die elektromagnetischen Felder. Die Geschwindigkeit der Elektroautos zwischen 30 und 120 km/h hatten keinerlei Auswirkungen auf Fehlfunktionen der Schrittmachersysteme. Normalerweise nimmt bei zunehmender Geschwindigkeit im Elektroauto das elektromagnetische Feld zu. Die untersuchten Autos waren aber sehr gut geschützt, sodass hier keine Probleme auftraten.

Für mich ist das eine weitere gute Nachricht für die Mobilität der Zukunft. Ob, wie und wann sie sich durchsetzen wird, wissen wir alle noch nicht. Für die Umwelt und damit auch für die Gesundheit würde sie aber auf jeden Fall einen Gewinn bedeuten.

Zur Person


Prof. Dr. med. Curt Diehm zählt zu den führenden Medizinern im Südwesten Deutschlands, er ist Autor zahlreicher Fach- und Patientenbücher und langjähriger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin. Seit Mitte 2014 leitet er als Ärztlicher Direktor die renommierte Max Grundig Klinik in Bühl. Alle Beiträge dieser Serie zum Nachlesen unter www.max-grundig-klinik.de.

 

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