Junges Blut für ältere Menschen Ewa Urban auf Pixabay
Gesund mit Diehm

Junges Blut für ältere Menschen

Gibt es einen Jungbrunnen? Kann vielleicht sogar Blut von jungen Menschen den Alterungsprozess bei älteren aufhalten? Neue Studien zeigen erstaunliche Ergebnisse. Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit – erklärt von Prof. Dr. Curt Diehm.
Jungbrunnen, die Quelle der ewigen Jugend, der Mythos vom ewigen Leben – die Literatur ist voll von mythischen oder volkstümlichen Beschreibungen, in denen es darum geht, den Alterungsprozess zu stoppen oder gar umzukehren. Illustrationen finden sich bereits im 14. Jahrhundert und Lucas Cranach d. Ä. gab schon 1546 einem seiner Gemälde den Titel „Der Jungbrunnen“.

Verjüngungskur Blut

Aufhorchen lassen da neue Forschungen aus dem Silicon Valley. Dort arbeiten Forscher mit Hochdruck an der Frage, ob und wie man mit Blutbestandteilen junger Menschen das Altern positiv beeinflussen kann. Wissenschaftler der Universität Stanford konnten so beispielsweise erst kürzlich nachweisen, dass bei alten Mäusen (18 Monate alt) Hirnzellen nachwuchsen, wenn sie Blutplasma von jungen Mäusen (3 Monate alt) erhielten. Ihre Gedächtnisleistung verbesserte sich sensationell, in ihrem Gehirn zeigten sich wenige Entzündungsreaktionen und ihr Fell wurde dichter und glänzender als zuvor.

Woher kommt das? Spezielle Proteine regen die Bildung von neuen Synapsen an und verbessern die Signalübertragung. Völlig unabhängig vom Alter des Gehirns ist offenbar junges Blut in der Lage, das gealterte Gehirn zu verjüngen. Die gleichen Effekte konnte man auch mit einem so genannten Parabiosis Modell erreichen. Dabei wird der Blutkreislauf einer alten Maus mit dem einer Jungen verbunden, so dass „junges Blut“ durch den Körper der alten Tiere fließt.

Kann das bei Menschen funktionieren?

Schon 2017 bekamen in einem Pilot-Versuch 18 Patienten mit einer frühen Alzheimer Erkrankung einmal pro Woche Plasma von jungen Freiwilligen. Danach verbesserten sich ihre „daily activities“, ein typisches Alzheimer-Indiz, in bemerkenswerter Weise. Sie waren beispielsweise wieder in der Lage, allein ihr Hemd zuzuknöpfen oder ihre Zähne zu putzen. Im Jahr 2019 startete eine zweite Studie an Menschen. Die Ergebnisse liegen derzeit noch nicht vor.

Auch eine Forschergruppe unter dem Hämatologen Florian Heidel in Jena konnte bereits bestätigen, dass junge Stammzellen transplantiert auf ältere für eine bessere Regenerationsfähigkeit sorgen. Und Sie können besser und länger Blut produzieren. Das wiederum beeinflusst den Heilungsprozess bei vielen Erkrankungen positiv.

Können wir auf ein Wunder hoffen?

Spezielle Proteine im Blutplasma junger Menschen können also Verjüngungsprozesse bewirken. Wissenschaftler der Harvard University in Boston haben festgestellt, dass das Protein Growth Differentiation Factor 11 (GDF 11) dabei eine wichtige Rolle spielt. Es verbesserte die Durchblutung und erhöhte die Fitness – allerdings bisher auch wieder nur bei älteren Mäusen.

Bis darauf basierende Therapien auch für Menschen verfügbar sind, werden sicherlich noch einige Jahre vergehen. Denn die Ergebnisse müssen noch in vielen weiteren Studien untermauert werden. Doch die Vision vom Jungbrunnen wird mehr und mehr zur Realität. Und die darin ruhenden finanziellen Möglichkeiten werden die Forschung sicher weiter beflügeln. Bis dahin: Ernähren Sie sich gesund, leben Sie gesund und treiben Sie regelmäßig Sport. Stand heute ist das der beste „Jungbrunnen“.

Zur Person

Prof. Dr. med. Curt Diehm zählt zu den führenden Medizinern im Südwesten Deutschlands, er ist Autor zahlreicher Fach- und Patientenbücher und langjähriger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin. Seit Mitte 2014 leitet er als Ärztlicher Direktor die renommierte Max Grundig Klinik in Bühl. Alle Beiträge dieser Serie zum Nachlesen unter www.max-grundig-klinik.de.

 

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