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Gesund mit Diehm

Vorsicht im Winter – Das Infarktrisiko steigt

Studien zeigen: Bei Kälte steigt das Herzinfarktrisiko. Aber auch der Klimawandel kann diesbezüglich Folgen haben. Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit – erklärt von Prof. Dr. Curt Diehm.
Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Rauchen und mangelnde Bewegung – die Hauptrisikofaktoren für einen Herzinfarkt sind schon lange hinlänglich bekannt. Dennoch sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach wie vor die Todesursache Nummer Eins in Deutschland – übrigens deutlich vor Krebs. Untersuchungen zeigen nun, dass auch die Temperaturen und der Klimawandel das Herzinfarktrisiko deutlich erhöhen kann.

Infarktrisiko - Aufgepasst bei Minus-Graden

Bereits vor einigen Jahren haben kanadische Wissenschaftler nachgewiesen, dass sich die Gefahr eines Herzinfarktes erhöht, je tiefer die Temperaturen sinken. Dafür untersuchten sie die Infarktzahlen in der kanadischen Stadt Winnipeg, in der es im Winter auch schon mal minus 20 Grad kalt wird. Bereits ab 0 Grad war ein deutlicher Anstieg der Infarktpatienten zu verzeichnen. Bei minus 10 Grad erhöhte sich das Risiko um weitere 7 Prozent, bei noch tieferen Temperaturen stieg es weiter an.

Bestätigt hat das eine weitere Großstudie aus Schweden. Auch dort wurde ein deutlicher Anstieg der Infarktpatienten bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt beobachtet. Weniger Einfluss hatten andere Faktoren wie Luftdruck, Windstärke oder Sonnenscheindauer. Insgesamt werteten die Wissenschaftler die Daten von fast 300.000 Infarktpatienten über einen Zeitraum von 16 Jahren aus und setzten sie in Relation zu den Daten der Wetterstationen in ganz Schweden.

Als Grund sieht man übrigens die Verengung der Herzkranzgefäße durch die Kälte. Ablagerungen, die sich von den Wänden der Arterien ablösen, können dadurch leichter einen Gefäßverschluss verursachen. Der Herzinfarkt ist da.

Sollten Sie also zu den Risikopatienten gehören, verzichten Sie bei Minus-Graden bitte auf extreme Anstrengung – zum Beispiel durch Schneeschippen oder Joggen. Sich daheim einschließen müssen und sollten Sie sich aber trotzdem nicht. Denn leichte Bewegung oder Spazierengehen härten Ihr Immunsystem ab und sorgen dafür, dass sich Ihr Körper an die niedrigen Temperaturen anpassen kann. Auch das kann nämlich das Infarktrisiko vermindern.

Neues Risiko: Der Klimawandel

Sehr interessant fand ich in diesem Zusammenhang eine gemeinsame Untersuchung des Helmholtz-Zentrums, der Universität München, der Augsburger Uni-Klinik und des Krankenhauses Nördlingen. Sie haben nicht nur untersucht, wie sich das Herzinfarktrisiko in den vergangenen Jahren verändert hat, sondern diese Daten auch noch mit den meteorologischen Werten des jeweiligen Tages in Bezug gesetzt.

Die Autoren der Studie fassen zusammen, dass über einen Zeitraum von 28 Jahren in den letzten Jahren ein erhöhtes, hitzeinduziertes Herzinfarktrisiko festgestellt werden konnte. Sie vermuten, dass die Klimaerwärmung ganz wesentlich an dieser Entwicklung beteiligt ist, denn im gleichen Zeitraum sind auch die Durchschnittstemperaturen gestiegen. Ihr Resultat: „Unsere Studie legt nahe, dass hohe Temperaturen als Auslöser für einen Herzinfarkt häufiger mitgedacht werden sollten – insbesondere mit Blick auf den Klimawandel.“

Darum mein dringender Ratschlag: Schalten Sie die Basis-Risikofaktoren für einen Herzinfarkt aus. Verzichten Sie auf das Rauchen, vermeiden Sie Übergewicht und bewegen Sie sich regelmäßig. Dann kann Ihnen – zumindest das Infarktrisiko betreffend – auch Kälte oder Wärme wenig anhaben.

Zur Person

Prof. Dr. med. Curt Diehm zählt zu den führenden Medizinern im Südwesten Deutschlands, er ist Autor zahlreicher Fach- und Patientenbücher und langjähriger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin. Seit Mitte 2014 leitet er als Ärztlicher Direktor die renommierte Max Grundig Klinik in Bühl. Alle Beiträge dieser Serie zum Nachlesen unter www.max-grundig-klinik.de.

 

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