Zeckenbisse können gefährlich werden Erik Karits auf Pixabay
Gesund mit Diehm

Zeckenbisse können gefährlich werden

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Frühlingszeit ist Zeckenzeit und seit einigen Jahren steigt bei uns die Zahl der durch einer Zeckenbiss verursachten Krankheiten kontinuierlich an. Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit – erklärt von Prof. Dr. Curt Diehm.
Die in Deutschland meistverbreitete Zeckenart ist der Gemeine Holzbock. Anders, als oft angenommen, sitzt er nicht auf Bäumen, sondern eher im Gebüsch und auf hoch-bewachsenen Wiesen. Dort wird er beim Vorbeigehen abgestreift und sucht sich dann am Körper einen Platz, an dem er sich festsaugen kann. Durch den Klimawandel findet man Zecken heute jedoch häufig auch an Waldrändern und in Wäldern, wohin sie sich aufgrund der steigenden Temperaturen flüchten.

Zecken erkennen und entfernen

Grundsätzlich sollten Zeckenbisse rasch richtig versorgt und anschließend auf Anzeichen einer Infektion beobachtet werden. Sitzt die Zecke noch auf dem Körper, ergreifen Sie sie mit einer feinen, spitzen Pinzette knapp über der Haut und ziehen Sie sie langsam und gleichmäßig gerade heraus. Zecken sind rundliche Spinnentiere mit einem kleinen Kopf und einem großen Rückenschild.

Sitzt die Zecke nicht mehr auf der Haut, ist der Biss nicht so leicht auszumachen. Weil Zecken einen schmerzstillenden Stoff in die Wunde spritzen, merkt man in der Regel nichts davon. Auch jucken Zeckenbisse in aller Regel nicht, gleichzeitig kann ein Juckreiz und/oder einer Rötung aber auch ein erster Hinweis auf eine Infektion sein.

FSME und Borreliose

Zu den häufigsten Folge-Erkrankungen eines Zeckenbisses zählt bei uns die Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME. Man schätzt, dass etwa jede 50. bis 200. Zecke ein Virusträger ist. Die Infektion verläuft zumeist unerkannt und beschwerdefrei. Sie kann jedoch auch von einer ersten Phase mit grippalen Symptomen zu schwereren Beschwerden übergehen. Diese reichen dann von Kopfschmerzen und Lichtscheue über Schwindel bis hin zu Konzentrations- und Gehstörungen, die über Wochen bis Monate andauern. Menschen, die sich häufig in der Natur aufhalten, sollten sich darum gegen FSME impfen lassen.

Darüber hinaus können geschätzt rund 20 bis 30 Prozent aller Zecken bei uns Borreliose übertragen. Die Bakterien können das Nervensystem, die Gelenke und Organe sowie das Gewebe befallen und dort schwere Schäden anrichten. Wird Borreliose im Frühstadium erkannt, kann sie gut mit Antibiotika behandelt werden. Breiten sich die Borrelien dagegen längere Zeit ungehindert im Körper aus, können sie irreparable Langzeitschäden verursachen. Gegen Borreliose gibt es – anders als gegen FSME – keine Impfung.

Zeckenbisse ernst nehmen

Darum gilt: sollten Sie den Verdacht hegen, dass Sie von einer Zecke gebissen wurden, vereinbaren Sie unbedingt einen Arztbesuch. So kann eine mögliche Infektion frühzeitig erkannt und entsprechend behandelt werden. Denn die Fallzahlen sowohl von FSME als auch von Borreliose steigen bei uns seit einigen Jahren kontinuierlich an. Insbesondere, wenn Sie in den süddeutschen Bundesländern wohnen, sollten Sie besondere Vorsicht walten lassen.

Zur Person

Prof. Dr. med. Curt Diehm zählt zu den führenden Medizinern im Südwesten Deutschlands, er ist Autor zahlreicher Fach- und Patientenbücher und langjähriger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin. Seit Mitte 2014 leitet er als Ärztlicher Direktor die renommierte Max Grundig Klinik in Bühl. Alle Beiträge dieser Serie zum Nachlesen unter www.max-grundig-klinik.de.

 

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