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Grippeimpfung senkt das Schlaganfallrisiko

Rauchen, Bluthochdruck oder das zunehmende Alter – die häufigsten Risiken für einen Schlaganfall sind der Allgemeinheit bekannt. Seit einiger Zeit beobachten Forscher aber auch einen Zusammenhang zwischen saisonalen Grippeerkrankungen und auftretenden Schlaganfällen. Eine neue Studie aus England zeigt nun Erstaunliches: Eine rechtzeitige Grippeimpfung soll das Risiko eines Schlaganfalls erheblich senken.

Forscher der Lincoln University und der Universität von Nottingham haben unter der Leitung von A. Niroshan Siriwardena für die Studie repräsentative Daten der Clinical Practice Research Database ausgewertet. Diese erfasst rund 27.000 Teilnehmer ab 18 Jahren aus England und Wales, die zwischen 2001 und 2009 einen Schlaganfall erlitten haben. Zusätzlich wurden 20.000 Fälle von transitorischen ischämischen Attacken, kurz TIA, untersucht.* Die Daten dieser Teilnehmer wurden verglichen mit einer etwa gleich großen Kontrollgruppe, die dieselben Risikofaktoren eines Schlaganfalls aufwies, bei denen es aber nicht zum Schlaganfall gekommen war. Das Ergebnis: Eine Grippeimpfung senkt das Schlaganfallrisiko um 24 Prozent. Veröffentlicht wurde die Studie im Canadian Medical Association Journal.

Je früher die Impfung, desto besser der Schutz

Dieses Ergebnis erreicht man für sich selbst allerdings nur, wenn man sich rechtzeitig impfen lässt. Und zwar, bevor die jährliche Grippesaison startet. Im besten Fall sollte man zwischen September und November zum Arzt gehen, um das Risiko für das folgende Jahr so gering wie möglich zu halten. Wer später dran ist, kann nur noch mit einem um 8% verringerten Risiko rechnen.

Bei Patienten mit koronaren Herzkrankheiten, kurz KHK, erzielt die Grippeimpfung den Forschern zufolge denselben positiven Effekt: Da einem Herzinfarkt derselbe Mechanismus wie bei einem Schlaganfall zugrunde liegt, wird auch hier das Risiko stark gesenkt. Keinen Einfluss allerdings hat die Grippeimpfung auf TIAs, wie bei der Studie ersichtlich wurde. Ebenso wenig können Impfungen gegen Lungenentzündungen, sogenannte Pneumokokkenimpfungen, das Risiko eines Schlaganfalls reduzieren.
Die kritische Zeitspanne überstehen

Die Grippe gehört zu den Infektionskrankheiten, die man keinesfalls unterschätzen sollte: Allein in Deutschland erkranken jährlich bis zu eine Million Menschen daran, bis zu 20.000 sterben sogar an den Folgen einer schweren Grippe. Insbesondere gefährdet sind Senioren ab 60 Jahren, Menschen mit chronischen Erkrankungen oder einem beeinträchtigten Immunsystem. Die Ständige Impfkomission (STIKO) empfiehlt diesen Gruppen ausdrücklich, sich impfen zu lassen.

Die Monate von September bis Februar sind die Zeit, in der die meisten Menschen von der Grippewelle erfasst werden. Im gleichen Ausmaß steigt in dieser Zeit die Zahl der Schlaganfälle und der Herzinfarkte an. Unklar ist bislang, inwiefern Atemwegserkrankungen zu einem Schlaganfall beitragen. Eine mögliche Annahme ist, dass eine Grippe eine höhere Blutgerinnbarkeit auslöst. Es bilden sich schneller Blutgerinnsel (Thromben), die die kleiner werdenden Gefäße verstopfen und in Folge die Sauerstoffzufuhr des Gehirns beeinträchtigen.

Ein gewisses Risiko bleibt

Natürlich kann man mit einer Grippeimpfung der Gefahr eines Schlaganfalls nicht gänzlich aus dem Weg gehen. Das Ergebnis dieser Studie beruht auf der Beobachtung von Individuen und lässt sich daher nicht auf die Allgemeinheit beziehen: Das Schlaganfallrisiko eines jedes Einzelnen ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Wichtig bleibt also nach wie vor ein gesunder Lebensstil, um das Risiko mit oder ohne Impfung so gering wie möglich zu halten.



*Von einer ischämischen Attacke spricht man, wenn eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn auftritt, die sich innerhalb der nächsten 24 Stunden wieder vollständig zurückbildet. Erfolgt allerdings keine vollständige Zurückbildung, so handelt es sich um einen ischämischen Schlaganfall, dem am häufigsten auftretenden Schlaganfall.

Den Link zur vollständigen Studie (englisch) finden Sie unter:
http://www.cmaj.ca/content/early/2010/09/20/cmaj.091891.full.pdf
Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team

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