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Schlaganfall – die größte Gefahr für unser Gehirn

Prof. Dr. med. Curt Diehm gibt in seinem aktuellen Gastbeitrag einen kurzen Abriss zu Daten und Fakten rund um den Schlaganfall – Risikofaktoren, Symptome und Warnzeichen.
Unser Gehirn ist ein Meisterwerk der Natur. Es ist der Sitz unseres Bewusstseins, es ermöglicht uns zu sprechen, uns zu bewegen und es steuert wichtigste Körperfunktionen. Egal, ob wir wach sind oder schlafen und träumen - seine Milliarden Nervenzellen sind immer in Betrieb, zu jeder Zeit, rund um die Uhr. Durchschnittlich wiegt das Gehirn einer Frau 1245 g, das Gehirn eines Mannes 1375 g. Damit macht das Gehirn nur rund zwei Prozent der Körpermasse aus. Es hat jedoch einen sehr hohen Sauerstoff- und Energiebedarf. So verbraucht es 20 Prozent des Sauerstoffes unseres Körpers und 25 Prozent des Zuckers (Glukose).

Nervenzellen benötigen also viel Energie. Sie müssen gut mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt sein. Einen Mangel vertragen sie nur sehr kurze Zeit. Sauerstoff und Nährstoffe stehen normalerweise immer ausreichend zur Verfügung, es sei denn, es kommt zu einer Unterbrechung der Blutzufuhr - und genau dies geschieht beim Schlaganfall. Ein Schlaganfall ist eine plötzliche Durchblutungsstörung des Gehirns mit einem anhaltenden Ausfall von Hirnfunktionen.

Wie häufig sind Schlaganfälle?

Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland nach Herz-Kreislaufkrankheiten und Krebs. Die aktuellste Zahl der Todesfälle durch Schlaganfall lag in Deutschland bei 63.000. Außerhalb von Europa und den USA ist der Schlaganfall heute bereits die häufigste Todesursache.
15 % der Betroffenen sterben in den ersten drei Monaten. 20 % sind schwer behindert und pflegebedürftig. 25 % sind leicht behindert und können unabhängig von einer Pflege durch andere Personen leben.

Dabei gilt der Schlaganfall als eine vernachlässigte Krankheit. Ein Grund hierfür ist die sozial weit weniger hohe Akzeptanz als beispielsweise beim Herzinfarkt. Viele Menschen sind auch heute noch der Auffassung: gegen einen Schlaganfall kann man ja eh nichts machen. Vielfach galt der Schlaganfall noch bis vor kurzem als nicht behandelbar.

So kennen weniger als 10 % der Bevölkerung die typischen Krankheitszeichen und Symptome des Schlaganfalls. Zu wenige Ärzte wissen, dass es bei der Schlaganfallbehandlung auf jede Sekunde ankommt. Und leider sind in vielen Krankenhäusern die Voraussetzungen für eine adäquate Behandlung des Schlaganfalls nicht gegeben.
Es gibt zwei Hauptformen des Schlaganfalls: Einmal kann ein zum Gehirn führendes Blutgefäß plötzlich verstopfen. Es kommt zum Hirninfarkt. Dies ist bei weitem der häufigste Fall. Wenn sich die mittlere Hirnarterie verschließt, verliert das Gehirn 1,9 Millionen Nervenzellen pro Minute. Zum anderen kann ein Blutgefäß auch einreißen oder platzen - es kommt zu einer Blutung in dem Hirngewebe.

Als Hirnblutung wird oft auch eine intrazerebrale Blutung verstanden. Eine solche Blutung tritt meist plötzlich ein, vor allem bei Patienten mit massiv erhöhtem Blutdruck. Eine intrazerebrale Blutung führt sofort zu einer Beeinträchtigung der Hirnfunktion. Die Blutung selbst bedingt eine Raumforderung. Gefürchtet sind auch Hirnmassenblutungen, die große Teile des Gehirns zerstören können. Die betroffenen Patienten müssen meist neurochirurgisch behandelt werden. Vielfach muss eine Eröffnung des Schädels durchgeführt werden, um das Gehirn zu entlasten. Wenn frühzeitig gehandelt wird, können etwa 70 % der betroffenen Patienten gerettet werden, rund 20 % tragen bleibende Schäden davon.

Risikofaktoren

Die Folgen von Schlaganfällen hängen von der Dauer und Stärke der Durchblutungsstörung ab und auch, welche Nervenzellen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wurden und deshalb abgestorben sind. Entsprechend können Lähmungen, Gehstörung, Taubheitsgefühl, Sprech- und Sehstörungen auftreten.
Es sind 10 Faktoren, die Schlaganfälle zu 90 Prozent verursachen, die ersten 5 alleine 80 Prozent

1. Bluthochdruck
2. Rauchen
3. Vermehrtes Bauchfett/abdominelle Adipositas
4. Ungesunde Ernährung
5. Bewegungsmangel
6. Erhöhtes Cholesterin
7. Zuckerkrankheit/Diabetes mellitus
8. Alkoholmissbrauch
9. Stress und Depression
10. Herzerkrankungen

Männer haben ein höheres Schlaganfallrisiko als Frauen. Auch genetische Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Migräne ist ebenfalls ein eindeutiger Risikofaktor. Auch die Einnahme der Pille gehört zu den wichtigen Risikofaktoren des Schlaganfalls. Wichtig ist, dass Sie Ihr persönliches Risikofaktorenprofil kennen. So sollten Sie unbedingt wissen, ob Ihr Blutdruck im Normbereich liegt (unter 135/85 mmHg).

Jeder Schlaganfall ist ein absoluter Notfall. Wenn Sie als Laie zu einem Notfall kommen, der sie an einen Schlaganfall denken lässt, rufen Sie sofort und ohne jede Verzögerung die Notfallnummer 112. Je schneller die Rettung und die Bergung des Patienten erfolgt, desto größer sind die Aussichten für eine gute Prognose. In der Zeit, in der Sie auf das Eintreffen des Notarztes warten, sollten Sie den Patienten in eine stabile Seitenlage bringen. Beengende Kleidung (Krawatten) sollten gelockert beziehungsweise ausgezogen werden. Überwachen Sie Atmung und Herzschlag. Praktizieren Sie bei einem Herz-Kreislauf- und Atemstillstand eine Mund-zu-Mund Beatmung.

Time is Brain

Das Konzept des „time is brain“ (Zeit bedeutet Erhalt von gesundem Gehirngewebe) wird heute von allen Mitgliedern der Schlaganfall-Versorungskette gelebt. Wichtig ist ein rasches Erkennen und Reagieren auf Schlaganfallsymptome.

Leider ist es bei leichten Schlaganfällen etwa im familiären Umfeld oft noch so, dass gehofft wird, die Beschwerden würden schon wieder von selbst verschwinden. Dies kann natürlich ein fataler Fehler sein. Wichtig ist in diesem Zusammenhang das frühzeitige Erkennen von Schluckstörungen (Dysphagien). Nur so können schwere Komplikationen, wie das Entstehen von Lungenentzündungen durch Eindringen von Nahrungsbestandteilen in die Luftröhre, verhindert werden.

Erhöhte Aufmerksamkeit kann bei Schlaganfällen Leben retten.

Zum Autor

Prof. Dr. med. Curt Diehm zählt zu den führenden Medizinern im Südwesten Deutschlands, er ist Autor zahlreicher Fach- und Patientenbücher und langjähriger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin. Seit Mitte 2014 leitet er als Ärztlicher Direktor die renommierte Max Grundig Klinik in Bühl. Alle Beiträge dieser Serie zum Nachlesen unter www.max-grundig-klinik.de.

Hier finden Sie alle Beiträge der Serie Gesund mit Diehm
Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team

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