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Gesund mit Diehm

Adipositas – Dicke schmecken weniger

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Für Übergewicht gibt es viele Ursachen. Auf Basis einer aktuellen Studie kommt eine neue hinzu. Adipositas-Patienten verlieren ihren Geschmackssinn und essen darum noch mehr. Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit – erklärt von Prof. Dr. Curt Diehm.
Auf den einfachsten Nenner gebracht entsteht Übergewicht in den allermeisten Fällen durch die „tödliche“ Kombination aus falscher Ernährung und zu wenig Bewegung. Ich habe das „tödlich“ dabei ganz bewusst genannt, denn Übergewicht verkürzt die Lebenserwartung. Laut aktuellen Zahlen des Robert Koch Instituts sind bei uns inzwischen zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen übergewichtig. Unter Adipositas – also starkem Übergewicht – leiden knapp ein Viertel aller Männer und Frauen in Deutschland. Das sind alarmierende Zahlen und es werden immer mehr.

Studien zu den Ursachen

Dabei beobachten wir diesen Trend mehr oder weniger deutlich ausgeprägt in allen Industrienationen. Grund genug für die Wissenschaft, nach Gründen und Ursachen zu forschen. Denn sicherlich handelt es sich dabei um eine typische Wohlstandsproblematik, aber dennoch gibt es auch interessante Faktoren, die die Entwicklung beschleunigen.

So hat beispielsweise erst kürzlich eine Studie in den USA, die im „Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics“ veröffentlicht wurde, gezeigt, dass Übergewichtigen Schokolade scheinbar besser schmeckt. Für die Studie durften die Teilnehmer so viel Schokolade essen, wie sie wollten. Dabei wurden ihr Geschmackserlebnis und ihr Sättigungsgefühl abgefragt. Das Resultat: Die adipösen Probanden fanden die Schokolade generell leckerer und sie mussten auch deutlich mehr essen, bevor sich ein Sättigungsgefühl einstellte.

Sehr interessant fand ich in diesem Zusammenhang auch eine Untersuchung, die sich generell mit dem Geschmacksempfinden von Fettleibigen beschäftigte. Die Forscher der Cornell University in New York konnten nachweisen, dass eine Gewichtszunahme mit einem Verlust von bis zu einem Viertel der Geschmacksknospen einher geht. Das wiederum verleitet zu einer erhöhten Nahrungsaufnahme. Zwar wurden die Versuche bisher nur an Mäusen durchgeführt, die Forscher sind sich jedoch sicher, dass bei Menschen ein ähnlicher Mechanismus greift. Denn auch übergewichtige Menschen berichten häufig – das haben frühere Studien bereits mehrfach gezeigt – über einen geschwächten Geschmackssinn.

So entsteht ein Teufelskreis, denn eine normale Zunge hat etwa 10.000 Geschmacksknospen, deren Zellen sich ein- bis zweimal pro Monat erneuern. Fettleibigkeit schwächt jedoch den Stoffwechsel und reduziert den Erneuerungsprozess dieser Geschmacksknospen. Bereits Übergewichtige werden also geradezu von ihrem Körper dazu animiert, noch mehr zu essen, um ein Geschmackserlebnis zu erhalten.
Bestätigt wird dies im Übrigen durch eine Studie der Berliner Charité in Zusammenarbeit mit der Uni Dresden. Sie zeigte, dass es adipösen Kindern deutlich schwerer fällt, einen Geschmack und dessen Intensität zu erkennen und zu bewerten.

Ergebnisse, wie diese, helfen uns Medizinern, eine krankhafte Fettleibigkeit zu therapieren und den vielen Betroffenen besser zu helfen. Denn – wie eingangs bereits gesagt – Adipositas ist ein Problem, dass jeder Betroffene sehr ernst nehmen sollte.

Zur Person

Prof. Dr. med. Curt Diehm zählt zu den führenden Medizinern im Südwesten Deutschlands, er ist Autor zahlreicher Fach- und Patientenbücher und langjähriger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin. Seit Mitte 2014 leitet er als Ärztlicher Direktor die renommierte Max Grundig Klinik in Bühl. Alle Beiträge dieser Serie zum Nachlesen unter www.max-grundig-klinik.de.