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Gesund mit Diehm

Studie zeigt: Rückenschmerzen oft falsch behandelt

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Rückenschmerzen sind ein echtes Volksleiden. Aktuelle Studien zeigen, dass sie dennoch sehr häufig falsch behandelt werden. Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit – erklärt von Prof. Dr. Curt Diehm.
Erfahrung macht klug, sollte man meinen. In der Regel gilt das auch, doch scheinen Rückenschmerzen da eine Ausnahme zu bilden. Von dem Volksleiden sind – so schätzt man – weltweit über 500 Millionen Menschen betroffen. Rund 20 Prozent aller Deutschen suchen deswegen mindestens einmal pro Jahr einen Arzt auf, nicht wenige sogar viermal oder noch häufiger.

Dabei sind nach heutigem Wissensstand bei 85 von 100 Fällen die akuten Rückenschmerzen aus medizinischer Sicht ungefährlich und verschwinden zumeist nach wenigen Tagen von allein. Gefährliche Komplikationen, chronische Entzündungen oder gar Wirbelbrüche bilden die Ausnahme.

Schmerzmittel, Bettruhe oder erstmal Röntgen?

Internationale Studien haben dazu in den vergangenen Jahren mehrfach ausgewertet, wie in anderen Ländern behandelt wird. Hier ein paar Ergebnisse: In Australien etwa wird sehr häufig Schonung verordnet. In den USA dagegen erhält mehr als die Hälfte aller Betroffenen oftmals abhängig machende Schmerzmittel. In Indien ist es Studien zufolge üblich, den Patienten Bettruhe zu empfehlen. Und in Südafrika bekommen sogar 90 Prozent aller Betroffenen als einzige Behandlung Schmerzmittel.

Und bei uns in Deutschland? Das hat die Bertelsmann-Stiftung in einer großen Analyse untersucht, für die sie die Daten von mehr als sieben Millionen Deutschen ausgewertet hat. Das Resultat: Bei uns wird übermäßig oft die Ursache per Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) gesucht. Aber nicht, weil wir Mediziner das so „toll“ oder sinnvoll finden, sondern weil es von den Patienten eingefordert wird. Rund 60 Prozent der Patienten – so die Untersuchung – fordern eine solche Untersuchung mit einem bildgebenden Verfahren aktiv ein.

Kanada ist uns da schon einen großen Schritt voraus. Dort erhalten Ärzte keine Vergütung, wenn sich herausstellt, dass unnötige Bildaufnahmen gemacht wurden.

Was ist richtig?

Bleibt die Frage: Wie soll man als Betroffener reagieren? Wie soll man sich bei Rückenschmerzen verhalten?

Handelt es sich um einen akut auftretenden Schmerz, hilft oft bereits Wärme. Auch leichte Schmerzmittel können helfen, die akute Belastung etwas zu mindern. Schonen sollten Sie sich auf keinen Fall. Nach heutigen Erkenntnissen ist das genau das Falsche. Leichte Bewegung und eine gezielte Krankengymnastik sorgen dafür, dass sich die Verspannungen lösen und der Schmerz abebbt.

Und selbst bei länger anhaltenden oder sogar chronischen Rückenschmerzen ist Ihr Rücken nicht gleich „kaputt“. Oftmals helfen auch dann gezielte Physiotherapien zur Stärkung der Rückmuskulatur. Denn auch hier gilt: Bewegungsmangel heilt nicht, es ist vielmehr sehr häufig sogar die Ursache für die Rückenschmerzen, von denen ja gerade Menschen in sitzenden Berufen besonders oft betroffen sind.

Sollten also die Rückenschmerzen nach ein paar Tagen nicht von allein verschwinden, reden Sie mit Ihrem Arzt darüber. Im Gespräch wird er mit Ihnen Ihre persönliche Situation eruieren und Ihnen häufig auch ohne Schmerzmittel oder gar einer Operation einen wirkungsvollen Therapievorschlag unterbreiten können.

Zur Person

Prof. Dr. med. Curt Diehm zählt zu den führenden Medizinern im Südwesten Deutschlands, er ist Autor zahlreicher Fach- und Patientenbücher und langjähriger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin. Seit Mitte 2014 leitet er als Ärztlicher Direktor die renommierte Max Grundig Klinik in Bühl. Alle Beiträge dieser Serie zum Nachlesen unter www.max-grundig-klinik.de.