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  • 29. November 2020
  • Prof. Dr. Curt Diehm
Gesund mit Diehm

Schlafapnoe – kann man im Schlaf ersticken?

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Zuerst die gute Nachricht: Patienten mit Schlafapnoe müssen keine Angst haben, im Schlaf zu ersticken. Es drohen jedoch zahlreiche Folgeerkrankungen. Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit – erklärt von Prof. Dr. Curt Diehm.
Schlafapnoe – also das Aussetzen der Atmung während des Schlafs – hat sich gefühlt in den vergangenen Jahren zu einer echten Volkskrankheit entwickelt. Es wird viel dazu geforscht und neue Behandlungsmöglichkeiten werden entwickelt, die von mehr oder weniger hilfreichen, angeblichen Wundermitteln bis hin zu operativen Eingriffen im Mund- und Kieferraum oder sogenannten Zungenschrittmachern reichen.

Schlafapnoe: Die Fakten

Rund 14 Prozent aller Männer und sieben Prozent aller Frauen – so schätzt man – leiden bei uns unter einer Schlafapnoe. Dabei kommt es während des Schlafs zu Atemaussetzern, die im Schnitt etwa 20 bis 30 Sekunden dauern. Oft bemerkt sie der Partner als erstes, denn im typischen Fall schnarcht der oder die Betroffene eine Zeit lang laut und regelmäßig, bevor die Schnarch- und Atemgeräusche plötzlich aussetzen. Meistens folgt danach ein kurzes Nach-Luft-Schnappen und das Ganze beginnt von vorne.

Weil die Betroffenen dabei – zumeist unbewusst – kurz aufwachen, fehlt die nächtliche Erholung. Müdigkeit am Tag, Unkonzentriertheit und eine deutlich eingeschränkte Leistungsfähigkeit sind die Folge. Selbst Depressionen werden häufig im Zusammenhang mit Schlafapnoe diagnostiziert sowie eine deutliche Zunahme des Körpergewichts.

Ersticken kann dabei – wie eingangs bereits erwähnt – glücklicherweise niemand. Denn unser Körper reagiert auf den Sauerstoffmangel und versetzt den Körper in eine Art Alarmzustand. Das aber wiederum kann – mittelfristig – zu einem dauerhaft erhöhten Blutdruck führen, der ja bekanntlich sehr gefährlich ist. Auch nächtliche Blutdruckkrisen sind gefürchtet.

Mögliche Therapien einer Schlafapnoe

Sollte bei Ihnen der Verdacht bestehen, gibt es heute Möglichkeiten, sich die notwendigen Testgeräte auszuleihen und den Schlaf daheim zu überwachen. In schweren Fällen kann auch der Aufenthalt in einem Schlaflabor angeraten sein.

Die Resultate können Ihnen abhängig von Ihrem individuellen Einzelfall auch aufzeigen, wie Sie die Schlafapnoe verhindern können. Oft ist Übergewicht die Ursache. Dann hilft Abnehmen. Der Verzicht auf Alkohol kann genauso helfen, wie Hilfsmittel, die das Schlafen in Rückenlage verhindern.

Sollte all das keine Linderung bringen, hat sich bei uns in Deutschland das Tragen einer Atemmaske als Therapie durchgesetzt, die den Körper zusätzlich mit Atemluft versorgt. Wir sprechen von einer CPAP-Therapie (Continuous Positive Airway Pressure)

Diese Atemmasken helfen und werden bei uns auch als Kassenleistung anerkannt. In der Regel tritt eine deutliche Verbesserung der Schlafqualität ein und die Folgen – Tagesmüdigkeit, Unkonzentriertheit usw. – verbessern sich nachhaltig. Auch Mikroschlafphasen beim Autofahren und damit verbundene Unfälle können günstig beeinflusst werden.

Allerdings wird – anders als lange gedacht – ein Ziel nicht erreicht: Die Atemmasken verringern nicht das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls als Folge der Schlafapnoe. Das hat erst kürzlich eine Studie in Australien ergeben, an der über 2.500 Risiko-Patienten aus sieben Ländern teilnahmen.

Sollten Sie oder Ihr Partner die genannten Symptome bei Ihnen beobachtet haben, reden Sie am besten mit dem Arzt Ihres Vertrauens darüber. Schlafapnoe ist eine sehr individuelle Erkrankung und genauso sollte sie auch behandelt werden.

Zur Person

Prof. Dr. med. Curt Diehm zählt zu den führenden Medizinern im Südwesten Deutschlands, er ist Autor zahlreicher Fach- und Patientenbücher und langjähriger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin. Seit Mitte 2014 leitet er als Ärztlicher Direktor die renommierte Max Grundig Klinik in Bühl. Alle Beiträge dieser Serie zum Nachlesen unter www.max-grundig-klinik.de.