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Was sind Ankerknoten und Antinarbengel?

Wenn der Bandscheibenkern verrutscht

Mit Ankerknoten und Antinarbengel erneuten Schmerzen nach einem Eingriff am Rücken vorbeugen.
Rückenschmerzen zählen zu den Volkskrankheiten – etwa 70 bis 85 Prozent der Deutschen leiden mindestens einmal in ihrem Leben unter akuten Beschwerden. Bewegungsmangel, einseitige Haltung oder Stress zählen zu den häufigsten Ursachen. Kommen zu den Schmerzen im Rücken auch noch von diesem in die Beine oder Arme ausstrahlende hinzu, steckt oftmals ein Bandscheibenvorfall dahinter. Bandscheiben bestehen aus einem festen Faserring, der einen wasserreichen Gallertkern umschließt. Sie dienen als Stoßdämpfer, indem sie das Gewicht und den Druck, die auf den Wirbelkörpern lasten, abfedern und verteilen.

Damit die Bandscheiben elastisch bleiben, muss ein Nährstoffaustausch stattfinden. „Bei Belastung geben sie Nährflüssigkeit ab und bei Entlastung nehmen sie diese wieder auf – das erklärt auch das Phänomen, dass Menschen im Laufe des Tages bis zu drei Zentimeter schrumpfen. Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen, aber auch der natürliche Alterungsprozess führen dazu, dass der Wassergehalt des Gallertkerns sinkt“, erklärt Dr. Sabarini von der Avicenna Klinik in Berlin. Der Faserring wird spröde und es treten Risse auf. Durch diese kann sich der Bandscheibenkern nach vorn wölben. Durchbricht der Kern den Faserring vollständig, liegt ein Vorfall vor.

Operation oder nicht?

Bei jedem Bandscheibenvorfall stellt sich die Frage: Konservative Therapie oder operativer Eingriff? Die Entscheidung hängt hierbei individuell vom Krankheitsbild des Patienten ab. Aus diesem Grund muss immer eine ausführliche Anamnese beim Arzt erfolgen. Während sich häufig eine Besserung der Symptome mithilfe konservativer Therapien wie Schmerzmittel, Krankengymnastik sowie Wärme- und Kälteanwendungen erzielen lässt, muss bei andauernden Gefühlsstörungen, Lähmungserscheinungen und Blasenproblemen meist eine Operation erfolgen, um langfristige Schädigungen der Nerven zu vermeiden.

Druck reduzieren

Falls möglich, sollte ein Eingriff an der Bandscheibe immer minimalinvasiv erfolgen, um Komplikationen zu verringern und das Gewebe zu schonen. „Bei der perkutanen Nukleotomie beispielsweise führe ich unter örtlicher Betäubung eine sehr dünne, sich drehende Spiralnadel durch einen Stich an der betroffenen Stelle ein. Rund 45 Minuten nimmt der Eingriff in Anspruch, bei dem ich mithilfe dieser Hohlnadel das Bandscheibengewebe, das zwischen den Wirbeln herausragt und auf die Nerven drückt, sanft entferne“, so Dr. Sabarini. Aufgrund der Gewebeentfernung reduziert sich der Druck auf das umliegende Gewebe, sodass Patienten bereits unmittelbar nach dem Eingriff eine Erleichterung verspüren.

Ankerknoten verhindert Rezidive

Bei Eingriffen an der Bandscheibe besteht oft das Risiko eines Rezidivs, also eines erneuten Vorfalls an der gleichen Stelle. Besonders dann, wenn, wie es immer noch gängige Praxis ist, der Riss im Faserring offen gelassen wird. So stellt er eine „Tür“ dar, aus der erneut Gewebe austreten kann. Viele Mediziner entfernen deshalb die gesamte Bandscheibe, um genau das zu verhindern. Das Problem hierbei: Der natürliche Puffer geht damit verloren. So entstehen oft neue Beschwerden. „Um dies zu verhindern, verwende ich eine neue Nahttechnik, den sogenannten Ankerknoten. Hierbei nähe ich den Faserring mit einem Spezialfaden, der sehr fest und elastisch ist, wieder zusammen. Der Faden ist nicht resorbierbar und verbleibt permanent“, erläutert Dr. Sabarini.

Narbenbildung vermeiden

Neben einem Rezidiv gibt es eine weitere Ursache dafür, dass erfolgreich operierte Patienten nach einiger Zeit wieder unter Beschwerden leiden: Narbengewebe. Dieses kann eine Beweglichkeitseinschränkung der Nerven verursachen. „Es bildet sich abhängig von dem Gewebeschaden, der während eines Eingriffes entsteht. Demzufolge reduziert ein minimalinvasiver Eingriff das Risiko bereits von vornherein“, weiß Dr. Sabarini. Doch insbesondere bei Patienten mit einer entsprechenden Veranlagung kann sich auch bei der Schlüssellochchirurgie entsprechendes Gewebe entwickeln. Die Entfernung sollte nicht operativ erfolgen, da die Wahrscheinlichkeit besteht, dass es sich erneut bildet. Um die störenden Wucherungen gar nicht erst entstehen zu lassen, verwendet Dr. Sabarini ein Antinarbengel. Dieses injiziert er während des Eingriffs direkt an den Nerv, damit es diesen umschließt und so die Narbenbildung verhindert. Bereits nach etwa 12 Wochen löst das Gel sich von alleine wieder auf.

Ein gesunder Rücken nach dem Eingriff

Nach einem erfolgreich verlaufenen Eingriff gilt es die Rumpfmuskulatur zu trainieren, um so eine Entlastung der Wirbelgelenke und Bandscheiben zu erreichen. Menschen mit Übergewicht sollten zudem dringend daran arbeiten, dieses zu reduzieren, da es eine zusätzliche Belastung für die Wirbelsäule darstellt. „Insbesondere Schwimmen und Walken helfen dabei, den Rücken gelenkschonend zu stärken. Für Raucher empfiehlt es sich außerdem, den Tabakkonsum zu reduzieren, da Nikotin die Durchblutung der Bandscheiben verringert“, so Dr. Sabarini abschließend.
 

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