Experteninterview: Was passiert bei einer Hashimoto-Thyreoiditis? thinkstockphotos.de
Schilddrüsenunterfunktion

Experteninterview: Was passiert bei einer Hashimoto-Thyreoiditis?

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis handelt es sich um eine chronische Entzündung der Schilddrüse. Aber was genau passiert bei dieser Erkrankung im Körper? Experte Prof. Dr. Hans Udo Zieren vom Schilddrüsenzentrum Köln gibt Antworten im Interview.
Gesündernet.de: Herr Prof. Dr. Zieren, welche Aufgabe hat die Schilddrüse im Körper?
Prof. Dr. Zieren: Die Schilddrüse produziert Schilddrüsenhormone. Diese Hormone sind, vereinfacht ausgedrückt, Energielieferanten, die die Verstoffwechselung von Körperenergie pro Zelle steuern. Man kann sich die Schilddrüse vorstellen wie ein Gaspedal. Bei einer Überfunktion der Schilddrüse wird das Gaspedal voll durchgetreten. Die Betroffenen schwitzen, leiden unter Durchfällen, der Körper ist überaktiv. Bei einer Unterfunktion ist genau das Gegenteil der Fall. Man ist müde, antriebslos, einige haben depressive Verstimmungen, weil zu wenige Hormone produziert werden, der Körper also ausgebremst wird.

Gesündernet.de: Hashimoto ist die häufigste Ursache für eine Schilddrüsen-Unterfunktion. Was passiert bei dieser Erkrankung genau?
Prof. Dr. Zieren: Bei einer Hashimoto ist die Schilddrüse chronisch entzündet und der Körper bildet Antikörper gegen die Schilddrüse. Die genaue Ursache für diese chronische Entzündung ist bislang nicht bekannt. Es kommt bei der Hashimoto zu einer entzündungsartigen Reaktion, aus der im weiteren Verlauf kurzfristig eine Schilddrüsen-Überfunktion entstehen kann. In den meisten Fällen entsteht aber letztendlich eine Unterfunktion, da das Schilddrüsengewebe nach und nach zerstört wird.

Gesündernet.de: Wer ist von einer Hashimoto potenziell betroffen?
Prof. Dr. Zieren: Die Erkrankung kann bei Männern und Frauen auftreten – und zwar in jedem Alter.

Gesündernet.de: Frauen sind allerdings wesentlich häufiger betroffen als Männer. Gibt es dafür eine Erklärung?
Prof. Dr. Zieren: Dafür gibt es leider keine plausible Erklärung. Insgesamt leiden Frauen einfach häufiger an hormonellen Erkrankungen als Männer, was sicher auch mit komplizierteren hormonellen Abläufen bei Frauen zusammenhängt.

Gesündernet.de: Wie wird eine Hashimoto diagnostiziert?
Prof. Dr. Zieren: Hashimoto diagnostiziert man durch eine Kombination von Blutanalysen, Ultraschall der Schilddrüse und gegebenenfalls Szintigrafie-Befunden.

Gesündernet.de: Und wie wird sie behandelt?
Prof. Dr. Zieren: Das kommt auf die Form der Hashimoto an. Es gibt verschiedene Formen und Verläufe. Es gibt zum Beispiel Akutzustände mit Beschwerden am Hals. In diesem Fall wird lokal mit Antiphlogistika behandelt – Medikamenten, die entzündungshemmend wirken. Wenn die Folgen einer Unterfunktion im Vordergrund stehen, wie zum Beispiel Müdigkeit, Antrieblosigkeit, dann werden Schilddrüsenhormone verabreicht, um die Unterfunktion auszugleichen. Bei einer Hashimoto muss der Patient ein Leben lang diese Hormone nehmen, da die Schilddrüse nach und nach aufhört zu arbeiten – im Verlauf also immer weniger Schilddrüsenhormone produziert.

Gesündernet.de: Das heißt also, dass eine Hashimoto nicht heilbar ist?
Prof. Dr. Zieren: Ganz genau. Die Schilddrüse hypotrophiert, schrumpft nach und nach, und funktioniert am Ende nicht mehr. Darum auch der Ausgleich durch Hormonzufuhr in Tablettenform.

Gesündernet.de: Vielen Dank für das Interview, Herr Prof. Dr. Zieren!
Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team

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