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Ist Schnarchen gefährlich?

Schnarchen - keineswegs harmlos

Wer macht sich nicht gerne lustig über einen Partner, der nachts schnarcht. Das sorgt oft für Heiterkeit, aber natürlich auch für so manche schlaflose Stunden, für jene, die die sogenannte Schlafapnoe, eine Atemstörung im Schlaf, zu ertragen haben. Neben den sozialen Auswirkungen des Schnarchens ist vielen Betroffenen nicht bewusst, dass die Schlafapnoe durchaus medizinische Risiken birgt.
So macht Schnarchen beispielsweise vergesslich. Einer Studie der Universität Rostock zufolge weisen Patienten mit Atemstörungen im Schlaf weniger Wachstumsfaktoren für Nervenzellen auf als eine normal schlafende Vergleichsgruppe. Dies berichtete der Autor Paul Stoll in der Fachzeitschrift „Thorax“. Die entstehenden Defizite reichen von Gedächtnisstörung, Konzentrationsschwierigkeiten und Reizbarkeit bis zu schweren Einschränkungen der Hirnfunktion. Die Arbeit von Paul Stoll hat den Doktorandenpreis der Gesellschaft der Internisten Mecklenburg-Vorpommerns bekommen.

Schnarchen ist eine Belastung für den Körper. So reagieren Schnarcher tagsüber langsamer. In einer Untersuchung, die Prof. Riccardo Stoohs von der American Sleep Clinic in Frankfurt durchführte, wurde nachgewiesen, dass von Schlafapnoe betroffene Menschen langsamer reagieren als Autofahrer ohne Schlafprobleme mit 0,5 Promille Alkohol im Blut.

Was ist die Ursache für Atemstörungen während der Nachtruhe? Bei Schnarchern entspannen sich im Schlaf die Muskeln mehr als bei anderen Menschen. Das betrifft auch den Rachen, über den die Luftversorgung geht. Das Gehirn bemerkt laut Stoohs dieses Defizit an Luftzufuhr und alarmiert den Körper, die Muskelspannung zu erhöhen und leistet daher mehr Atemarbeit, um die Rachenmuskulatur offen zu halten. Schlafen ist dann anstrengender. Die Geräusche beim Schnarchen hängen mit dem Erschlaffen des Gaumensegels zusammen. Dieses Gaumensegel ist ein kleiner Hautlappen im Rachenbereich. Wenn dieses Gaumensegel in der Atemluft bei erschlaffter Muskulatur im Schlaf flattert, entsteht das typische Schnarchen.

Gefährlich werden Atemregulationsstörungen, wenn sich zu starkem Schnarchen auch noch Atempausen hinzugesellen. Nach einer längeren Atempause kommt es zu einem Schnappen nach Luft, ein Weckreflex für das Gehirn. Das Blut wird mit zu wenig Sauerstoff versorgt, der Kohlendioxydgehalt im Blut steigt an. Neben der Tagesmüdigkeit kann bei Atempausen der Blutdruck in der Nacht krisenartig ansteigen. Hohe Blutdruckwerte und krisenhafte Blutdruckanstiege durch Schlafapnoe sind leider medikamentös nur schlecht zu beherrschen.

Da Schnarchen häufig durch Übergewicht ausgelöst wird, genügt meist schon eine Reduktion des Körpergewichtes. Auch länger Schlafen kann eine Lösung des Problems sein. In schweren Fällen ist ein chirurgischer Eingriff denkbar oder auch das nächtliche Atmen mit einem Gerät, das den Rachen offen hält. Alkohol führt auch gerne zur Entspannung der Muskulatur und zu einem Flattern des Gaumensegels.

Was kann man bei leichten Fällen machen?

• Im Handel werden einige „Tools“ angeboten, z.B. Wecker mit Vibrationsalarm können verhindern, dass man sich auf den Rücken legt.

• Schlafspangen und „Atemsprays“ sind meist wirkungslos.

• Schnarchern mit Schlafapnoe und ausgeprägter Tagesmüdigkeit hilft nur eine C-PAP-Beatmung. Nach kurzer Eingewöhnungszeit ist das Schlafen mit einer Maske die beste Methode gegen das Schnarchen.

Zum Autor

Prof. Dr. med. Curt Diehm zählt zu den führenden Medizinern im Südwesten Deutschlands, er ist Autor zahlreicher Fach- und Patientenbücher und langjähriger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin. Seit Mitte 2014 leitet er als Ärztlicher Direktor die renommierte Max Grundig Klinik in Bühl. Alle Beiträge dieser Serie zum Nachlesen unter www.max-grundig-klinik.de.

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