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Was gegen Erkältung hilft – und was nicht

Der Sommer ist vorbei, wir erleben die ersten kälteren Tage. In den kommenden Wochen und Monaten werden sich die Arztpraxen mit Patienten füllen, die eine akute Erkältung plagt. Damit rückt auch wieder die Frage in den Vordergrund, was hilft gegen Infekte und welche Mittel gehören in das Reich der Märchen? Tipps von Prof. Dr. med. Curt Diehm.
Zunächst, was nicht hilft: Im Winter beobachte ich, dass Vitaminpräparate und Orangen Hochkonjunktur haben. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat eine Analyse mit dem Ergebnis veröffentlicht, dass Vitamin C Erkältungen nicht verhindern kann und den Krankheitsverlauf nur minimal verkürzt. Selbst Menschen, die regelmäßig vorbeugend Vitamin C in hohen Dosen zu sich nehmen, können nicht mit einer prophylaktischen Wirkung rechnen.

Die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlene Tagesdosis von Vitamin C liegt bei etwa 150 mg. Viel Vitamin C steckt in Zitrusfrüchten und Beeren, aber auch in Paprika, Broccoli, Rosen- und Blumenkohl. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält eine tägliche Aufnahme von 100 mg mit der Nahrung für ausreichend. Schon eine halbe rote Paprika oder eine Kiwi liefern 150 Milligramm des Vitamins. Der Körper kann Vitamin C nicht speichern und scheidet höhere Mengen sofort wieder über die Niere aus. Vitamin C landet also postwendend in großen Mengen auf deutschen Toiletten. Auch Zink aus Nahrungsergänzungsmitteln hilft nicht.

Und Echinacin, kann dieses Präparat helfen, wenn eine Erkältung im Anmarsch ist? Jährlich werden viele Millionen Euro in Pillen, Tropfen und Sprays in der Hoffnung auf Linderung investiert. Echinacea soll das Immunsystem im Kampf gegen Infektionen stärken. Leider ist auch hier die Antwort negativ. Studien zeigen seit langem, dass Echinacea-Präparate bei Erkältungen nicht wirksam sind. Auch eine neuere Studie hat dies bestätigt. Echinacin ist demnach bei Erkältungen Fehlanzeige.

Es gibt also keine evidenzbasierte Therapie bei Erkältungen und Antibiotika sollten äußerst zurückhalten eingesetzt werden. Prophylaktisch sind Saunagänge eine gute Empfehlung. Aber: Bei akutem Infekt sollten Patienten die Sauna unbedingt meiden!

Was hilft neben der Sauna noch? Ruhe, Wärme und viel Trinken sind die sinnvollen Therapiepfeiler bei einer einfachen Erkältungskrankheit. Erkältungen werden in über 70 Prozent der Fälle durch Viren verursacht. Die Ansteckung geschieht meist über einen Händedruck. Bei Schnupfennasen empfehlen sich Nasenspülungen mit Kochsalz. Tägliche Nasenspülungen pflegen die Schleimhäute und sie lindern im akuten Stadium viele Erkältungssymptome. Medikamente gegen Halsschmerzen sind dagegen umstritten. Ökotest und auch die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) raten von Halsschmerzmitteln komplett ab.

Antibiotika, die selbstverständlich helfen, sollten prinzipiell nur eingesetzt werden, wenn bakterielle „Superinfektionen“ vorliegen (Bronchitis, Mandel-, Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrentzündungen). Ansonsten gilt der Ratschlag, Hände weg von Antibiotika bei schlichten Erkältungen.

Heiße Tipps bei Erkältungen

•    Treiben Sie keinen Sport und vermeiden Sie unnötigen Stress
•    Essen Sie eine heiße  Suppe (z.B. eine thailändische Hühnersuppe mit Chili und Ingwer oder eine Kürbissuppe)
•    Trinken Sie Ingwertee (5 bis 6 frische Scheiben ca. 10 Minuten in heißem Wasser ziehen lassen)
•    Prophylaktisch sind Saunagänge einschließlich heiß–kalten Fußbädern wärmstens zum empfehlen
•    Vorbeugend empfiehlt sich viel Bewegung im Freien
•    Achten Sie auf eine gute Luftfeuchtigkeit in Ihren Wohnräumen. Trockene Heizungsluft trocknet die Schleimhäute aus und begünstigt Infektionen.
•    Machen Sie Kopfdampfbäder mit Kamille oder ätherischen Ölen.
•    Vermeiden Sie Unterkühlungen (hilfreich können  beheizbare Handschuhe, gutes Schuhwerk und warme Jacken sein)

Der Autor

Prof. Dr. med. Curt Diehm zählt zu den führenden Medizinern im Südwesten Deutschlands, er ist Autor zahlreicher Fach- und Patientenbücher und langjähriger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin. Seit Mitte 2014 leitet er als Ärztlicher Direktor die renommierte Max Grundig Klinik in Bühl. Alle Beiträge dieser Serie zum Nachlesen unter www.max-grundig-klinik.de.






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