Wie funktioniert eigentlich eine Linsen-Implantation? Dr. Christoph Eckert, ärztlicher Leiter der Augenzentren Eckert in Bayern und Baden-Württemberg
Alles über Methoden, Möglichkeiten und Risiken

Wie funktioniert eigentlich eine Linsen-Implantation?

Künstliche Linsen unterstützen oder ersetzen die natürliche Linse und sichern so dauerhaft scharfes Sehen nah und fern. Bei Alterssichtigkeit, extremer Sehschwäche oder Grauem Star eröffnen Linsen-Implantationen neue Perspektiven.
Wer schlecht sieht und keine dicken Brillengläser mag, dem bieten Linsen-Implantationen sichtbare Vorteile: „Helfen Laser-Operationen in der Regel nur bei geringer bis mittlerer Fehlsichtigkeit, so gleicht diese Methode selbst gravierende optische Mängel mit hohen Dioptrien-Werten sehr gut aus“, erklärt Dr. Christoph Eckert, Gründer und ärztlicher Leiter von 24 Augenzentren in Baden-Württemberg und Bayern. „Aber auch für Patienten mit dünner Hornhaut sind Linsenimplantationen eine Option, da auch bei ihnen Augenlaser-Eingriffe eher ungeeignet sind“, so der Spezialist.

Der Augenchirurg unterscheidet dabei zwischen zwei Varianten: Bei der einen Methode werden künstliche Linsen zusätzlich zu der natürlichen Linse sehverstärkend eingesetzt (phake Linsenimplantation). Bei dem anderen Verfahren wird die natürliche Linse durch eine Kunstlinse ausgetauscht (refraktive Linsenoperation).

Phake Linsenimplantationen wie das hierzulande etablierte ICL-System empfehlen sich vor allem für jüngere Menschen mit ausgeprägter Fehlsichtigkeit und entsprechend hohen Dioptrien-Werten (bei Kurzsichtigkeit -0,5 bis -18 dpt., bei Weitsichtigkeit +0,5 bis +10 dpt) sowie für Patienten mit einer Hornhautverkrümmung bis -6 dpt. „Ihnen kann eine Linsenimplantation zu voller Sehkraft verhelfen“, versichert Dr. Eckert. Und auch für Patienten, die unter einer Kontaktlinsenunverträglichkeit oder chronisch trockenen Augen leiden, kann das Einsetzen einer ICL-Linse sehr vorteilhaft sein. „Ungeeignet ist das Verfahren bei Alterssichtigkeit und Grauem Star“, so Dr. Eckert.

Bei der ICL-Methode wird die Linse durch eine drei Millimeter kleine Öffnung am Rand der Hornhaut vorsichtig in das Auge implantiert (direkt hinter die Regenbogenhaut). Dort entfaltet sie sich. Der an der Hornhaut durchgeführte Schnitt verheilt nach dem Eingriff nahtlos. Im Gegensatz zu Brillen oder Kontaktlinsen sitzen diese Linsen also nicht vor, sondern direkt im Auge - was letztendlich eine höhere Sehschärfe sichert. Von außen sind sie nicht erkennbar und vom Träger auch nicht zu spüren. „Die Ergebnisse sind ausgezeichnet“, versichert der Experte. Außerdem muss im Auge – anatomisch gesehen - genügend Platz zwischen Hornhaut und Regenbogenhaut vorhanden sein. Nur dann lässt sich die ICL-Linse sicher positionieren. Laut Studien der amerikanischen Zulassungsbehörden liegt die Zufriedenheitsrate der ICL-Träger bei über 95 Prozent.

Routine-Eingriff bei Grauem Star

Nicht nur bei Alterssichtigkeit, sondern vor allem bei Grauem Star ist der Tausch der natürlichen Linse ein bewährter Routine-Eingriff: Jedes Jahr werden hierzulande ca. eine Million Mal trübe Linsen durch künstliche ersetzt – schnell, sicher und präzise. „In der Regel dauern die ambulant durchgeführten Eingriffe nur wenige Minuten“, erläutert Dr. Eckert. Die Ergebnisse können sich buchstäblich sehen lassen: Bei ca. 99 Prozent der Patienten wird durch die OP die gewünschte Refraktion, also die optimale Brechkraft der Linse erzielt. „Dadurch ist das Auge wieder in der Lage, Bilder scharf und klar zu erkennen“, erklärt der Experte. Wird die gewünschte Dioptrienzahl nicht erreicht, so kann diese leichte Fehlsichtigkeit durch eine Laserung der Hornhaut sogar postoperativ noch korrigiert werden.

Grundsätzlich hat der Patient dabei die Wahl unter zwei verschiedenen Behandlungsverfahren: Bei der Operation per Skalpell werden winzige Einschnitte am Rande der Hornhaut vorgenommen. Anschließend wird ein Spezialinstrument ins Auge geführt und die verhärtete und getrübte Linse per Ultraschall in kleinste Partikel zerlegt. Danach wird diese Flüssigkeit abgesaugt und eine Kunstlinse, die sich im Augeninneren entfaltet, implantiert.

Parallel dazu hat sich die Laserbehandlung als besonders schnelle und präzise Alternative etabliert. „Statt des Skalpells sorgt der Femtosekundenlaser für den Zugang zur natürlichen Augenlinse und zerkleinert diese schonend und kontrolliert“, erklärt Dr. Eckert die innovative Vorgehensweise. Gegenüber der herkömmlichen Linsenzerstörung per Ultraschallsonde ist das Verletzungsrisiko somit für das umliegende Gewebe weitaus geringer. „Per Laser kann die neue Linse noch exakter ausgerichtet werden, was die OP-Ergebnisse optimiert“, bringt es der Augenchirurg auf den Punkt.

Wie lange halten Kunstlinsen?

Die neue Linse hält ein Leben lang und muss nie wieder ausgewechselt werden. Der Experte unterscheidet dabei zwischen Standardlinsen und Premiumausführungen wie beispielsweise den Multifokallinsen. Diese können Kurz- und Weitsichtigkeit gleichermaßen ausgleichen und sichern eine noch bessere Sehqualität bis ins hohe Alter. „Empfehlenswert sind Linsen mit einem UV-Filter“, rät Dr. Eckert. „Denn sie schützen besonders gut das Sehzentrum, die Makula.“

Dauer und Kosten einer Linsenimplantation

Alle Operationen dauern nur wenige Minuten. Bei medizinisch indizierten Eingriffen werden die Kosten von den Kassen übernommen (grauer Star). Bei Einsatz des Femtosekundenlasers liegen die Zusatzkosten bei rund 1500 Euro pro Auge. Wünscht der Patient Linsen, die eine noch bessere Abbildungsqualität ermöglichen und durch UV-Filter auch das Sehzentrum schützen, so werden diese ebenfalls nicht von den Kassen übernommen.

Generell gilt, dass die Zusatzkosten für eine Linsenimplantation niemals die Kosten eines Zahnimplantats übersteigen.

Wie finde ich einen Spezialisten?

Erfahrene Augenchirurgen erkennt man an ihrer Mitgliedschaft im „Bund Deutscher Ophthalmochirurgen“ (BDOC). Bei diesen Augenchirurgen kann man davon ausgehen, dass sie mindestens 500 Operationen im Jahr durchführen. Wichtig ist zudem, dass sich der Operateur nicht nur auf ein Verfahren wie etwa das Augenlasern spezialisiert hat, sondern alle gängigen Methoden regelmäßig durchführt. Zudem sollten im Portfolio des Augenchirurgen alle möglichen Linsentypen vorhanden sein.

Welche OP-Risiken gibt es?

Echte Nebenwirkungen befinden sich im Promillebereich. „In sehr seltenen Fällen kann es neben Augendruckschwankungen, Infektionen, Blutungen und Entzündungen zu einem Kapselriss bzw. einer Netzhautablösung kommen“, führt Dr. Eckert aus. Möglich sind kurzzeitig Beschwerden wie ein Juckreiz, Rötungen oder ein vermehrter Tränenfluss. Nach der OP muss der Patient über mehrere Wochen entzündungshemmende Augentropfen nehmen. Durch die neuen OP-Techniken darf sich der Patient heute schon wenige Tage nach dem Eingriff wieder voll belasten. Auch Schwimmen, Bücken, schwer Heben und Fitnesstraining sind kein Problem mehr. Wichtig sind allerdings regelmäßige Kontrolluntersuchungen danach.
 

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