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Gesund mit Diehm

Vitamin K – das vergessene Vitamin

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Bei Vitaminen denkt jeder sofort an die bekannten Vitamine C, D oder E. Viele wissen nicht einmal, dass es ein Vitamin K gibt. Dabei ist es für einige Vorgänge in unserem Körper lebenswichtig. Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit – erklärt von Prof. Dr. Curt Diehm.
K-Vitamine gehören neben den Vitaminen A, D und E zu den fettlöslichen Vitaminen. Sie wurden Ende der 1920er Jahre von dem dänischen Forscher Carl Peter Henrik Dam entdeckt. Heute unterscheiden wir die Vitamine K1 und K2.

In unserem Körper kontrollieren sie die Blutgerinnung und spielen eine entscheidende Rolle bei der Knochenbildung. Im Blut sorgt Vitamin K außerdem dafür, dass sich das Calcium nicht als Plaque in den Arterien festsetzt. Es hält also unsere Gefäße sauber.

Genügend Vitamin K durch gesunde Ernährung

Vitamin K1 kommt in vielen grünen Gemüsesorten vor. Grünkohl, Rosenkohl, Spinat, grüne Tomaten und Broccoli sind beispielsweise hervorragende Vitamin-K1-Lieferanten. Aber auch grüner Tee, Kartoffeln, Hagebutten, Salate, Milch, Eier und Muskelfleisch enthalten ausreichende Mengen des Vitamins.
In unserem Darm wird Vitamin K1 dann in Vitamin K2 umgewandelt.

Aufgrund seines vielfältigen Vorkommens in unserer Nahrung ist ein Vitamin-K-Mangel relativ selten. Dazu kommt, dass das Vitamin fettlöslich ist und damit für mehrere Tage im Körper gespeichert bleibt. Selbst bei einem kurz- bis mittelfristigen Mangel liegen in der Regel also immer noch genügend Reserven vor.

Studien zeigen: Vitamin K könnte auch gegen Krebs helfen

Seit einigen Jahren wird weltweit daran geforscht, ob und wie Vitamin K bei Krebserkrankungen helfen könnte. Bereits Anfang des Jahrtausends gelang japanischen Wissenschaftlern der Nachweis, dass Vitamin K bei Krebszellen einen natürlichen Zelltod auslöst – Allerdings nur im Reagenzglas.

Eine Studie in Heidelberg kam seitdem zu dem Ergebnis, dass Vitamin K eine Rolle bei der Entstehung von Prostatakrebs spielen könnte. In der Testgruppe erkrankten Männer mit hohem Vitamin-K-Spiegel signifikant seltener an Prostatakrebs.

In Japan zählt Vitamin K außerdem zu den meistverordneten Präparaten bei Osteoporose – Insbesondere in Verbindung mit Vitamin D, denn beide Vitamine ergänzen einander. Verschiedene Studien zeigten hier beispielsweise, dass japanische Frauen nach der Menopause mit hohem Vitamin-K-Spiegel seltener Hüftfrakturen erlitten und über eine höhere Knochendichte verfügten.

Es bleibt abzuwarten, welche weiteren Ergebnisse die zahlreichen derzeit weltweit laufenden Studien bringen werden.

Wann helfen Vitamin-K-Präparate?

Bis es soweit ist, rate ich wie bei allen anderen Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln auch bei Vitamin K dringend von einer zusätzlichen Einnahme ab. Auch, wenn man nach heutigem Wissensstand Vitamin K kaum überdosieren kann, weil der Körper ausscheidet, was er nicht braucht, sind die möglichen langfristigen Nebenwirkungen genauso wie die Wechselwirkungen noch nicht abschließend erforscht.

Generell gilt: Reden Sie bitte unbedingt mit Ihrem Arzt, bevor Sie zu Vitaminpräparaten greifen. Er kann feststellen, ob bei Ihnen tatsächlich ein Mangel vorliegt. Denn nicht immer ist eine Nahrungsergänzung sinnvoll. Eine Überdosierung oder falsche Kombination von Präparaten könnte sogar mehr schaden als nutzen.

Zur Person

Prof. Dr. med. Curt Diehm zählt zu den führenden Medizinern im Südwesten Deutschlands, er ist Autor zahlreicher Fach- und Patientenbücher und langjähriger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin. Seit Mitte 2014 leitet er als Ärztlicher Direktor die renommierte Max Grundig Klinik in Bühl. Alle Beiträge dieser Serie zum Nachlesen unter www.max-grundig-klinik.de.