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Gesund mit Diehm

Je schlechter die Beindurchblutung – desto kürzer das Leben

An einer schlechten Beindurchblutung stirbt man nicht. Aber man stirbt früher. Das belegen neue epidemiologische Befunde. Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit – erklärt von Prof. Dr. Curt Diehm.
Die Arterielle Verschlusskrankheit zählt zu den häufigsten Gefäßerkrankungen in Industrieländern. Betroffen sind überwiegend männliche Raucher und Diabetiker. Bei der auch Schaufensterkrankheit genannten PAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit) handelt es sich um eine Durchblutungsstörung insbesondere der Beine.

Haben Sie Schmerzen beim Gehen?

Wer zu den Risikogruppen gehört und Schmerzen beim Gehen oder Treppensteigen verspürt, die beim Stehenbleiben schnell nachlassen, sollte unbedingt weiterlesen. Denn bei den Betroffenen entstehen durch Ablagerungen – oftmals auch Verkalkung genannt – der Arterien Engstellen, die eine störungsfreie Durchblutung verhindern.
Unternimmt man nichts dagegen, schreitet die Erkrankung schnell fort. Es können sich sogar Blutgerinnsel bilden oder die Gefäße verstopfen komplett. Das kann beispielsweise zu offenen Beinen führen oder sogar zur Amputation.

Studie belegt: Die Sterblichkeit steigt signifikant

Wie die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie in diesem Zusammenhang ermittelt hat, verkürzt eine PAVK auch das Leben. Natürlich sterben die wenigsten Betroffenen an ihrer schlechten Beindurchblutung. Aber sie sterben im Schnitt zehn Jahre früher als Menschen, die nicht unter dieser Erkrankung leiden. Die häufigsten Todesursachen sind dabei Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Sicherlich spielt eine Veränderung der Blutplättchenfunktion bei Patienten mit PAVK eine Rolle. Aber die Zahlen sprechen für sich. Rund 28 Prozent aller Patienten im Stadium des intermittierenden Hinkens starben innerhalb von nur fünf Jahren. Im Vergleich dazu sind es bei Patienten mit Diabetes mellitus und Herzinfarkt 18,5 Prozent, bei Brustkrebs 15 Prozent und nach einem Infarkt 6,8 Prozent. Somit ist die PAVK wie die Zuckerkrankheit ein so genanntes „Koronaräquivalent“, das heißt die Sterblichkeit liegt ähnlich hoch – sogar deutlich höher als bei Patienten nach einem Herzinfarkt.
In Deutschland müssen wegen der PAVK jährlich 60.000 Amputationen durchgeführt werden.

Mehr Betroffene als bisher angenommen

Inzwischen weiß man auch, dass die PAVK weiter verbreitet ist, als gedacht. So hat die Auswertung der getABI (german epidemiological trial on Ankle Brachial Index) ergeben, dass jeder fünfte über 65-jährige Hausarztpatient an einer PAVK leidet. Aber nur jeder zehnte weist klinische Zeichen dieser Grunderkrankung auf. Denn oft fehlen die klassischen Symptome.

Was uns alarmieren sollte: Nach nur fünf Jahren war bereits jeder Vierte der symptomatischen Patienten und jeder achte der asymptomatischen Patienten verstorben. Bei Personen, die keine Gefäßerkrankung hatten, verstarb im gleichen Zeitraum nur jeder Vierzigste.

Behandlung ist dringend erforderlich

Die PAVK wird aber nicht nur unterdiagnostiziert und in ihrer Bedeutung für eine hohe Sterblichkeit unterschätzt. Viele der betroffenen Patienten sind leider auch „unterbehandelt“. Viele Hoch-Risikopatienten mit PAVK sind schlecht mit Plättchenfunktionshemmern, blutfettsenkenden Statinen und Beta-Blocker versorgt.

Dabei können diese Medikamente den Krankheitsverlauf deutlich verzögern und die Durchblutung signifikant verbessern. Dazu gehört natürlich auch, dass die Patienten Risikofaktoren wie das Rauchen abstellen müssen. Ein weiterer wichtiger Schutzfaktor ist mehr Bewegung. Im frühen Stadium haben sich ein Gehtraining und spezielle Gymnastik als sehr wirksam erwiesen.

Sollten Sie zu den Risikogruppen gehören, sprechen Sie bitte unbedingt ihren Arzt an. Er kann die Flussgeschwindigkeit des Blutes und damit die Durchgängigkeit der Gefäße messen. Das geht mit Ultraschall unblutig und schmerzfrei.

Zur Person

Prof. Dr. med. Curt Diehm zählt zu den führenden Medizinern im Südwesten Deutschlands, er ist Autor zahlreicher Fach- und Patientenbücher und langjähriger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin. Seit Mitte 2014 leitet er als Ärztlicher Direktor die renommierte Max Grundig Klinik in Bühl. Alle Beiträge dieser Serie zum Nachlesen unter www.max-grundig-klinik.de.

 

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