Die Kreta-Diät – Eine Frage des Konzepts Bildquelle: ©Shutterstock.com/inacio pires

Die Kreta-Diät – Eine Frage des Konzepts

Die Kreta- bzw. Mittelmeer-Diät trägt ihren Namen eigentlich zu Unrecht. Genau genommen handelt es sich nämlich weniger um eine Diät als vielmehr um eine Lebensweise. Und auch die Begriffe Mittelmeer und Kreta sind bei genauerer Betrachtung durchaus irreführend.

Was verbindest Du mit mediterraner Küche? Vermutlich Fisch, Gemüse oder Olivenöl – allesamt Zutaten, die eben vorwiegend in Griechenland, aber auch in Spanien oder Italien verarbeitet werden. Die Ernährungsweise in diesen Ländern gilt als besonders gesund, spätestens seit mehrere Studien in den letzten Jahrzehnten gezeigt haben, dass die Bewohner des Mittelmeerraumes im internationalen Vergleich am seltensten unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Alzheimer leiden. Weiterhin kam heraus, dass die Bewohner der griechischen Mittelmeerinsel Kreta europaweit die höchste Lebenserwartung haben. Die Ursache hierfür sahen die Wissenschaftler in der Ernährung.

Kreta-Diät: Verkaufsschlager dank Namensgebung

Die Kreta- bzw. Mittelmeer-Diät orientiert sich an diesen Erkenntnissen. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Verwendung und dem Verzehr von Olivenöl, Fisch, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Knoblauch, hellem Fleisch und Vollkornprodukten.

Aber: Vor allem Vollkornprodukte spielen im Mittelmeerraum in kulinarischer Hinsicht kaum eine Rolle. Ein weiterer Unterschied zwischen der Kreta-Diät und der tatsächlichen Ernährungsweise auf der Mittelmeerinsel liegt in der Quantität des zum Anbraten oder Anmachen verwendeten Öls: 2005 konsumierte der Durchschnitts-Kreter 31 Liter Olivenöl. Eine solche Menge findet man in keinem Diät-Konzept der Welt. Außerdem liegt der Rotweinkonsum auf der Mittelmeerinsel mit mehr als einem Liter pro Tag deutlich über den Empfehlungen in den Ratgebern (maximal ein Glas).

Ausgewogene Ernährung, keine Diät

Kurzum: Vergleicht man das, was traditionell auf Kreta auf den Tisch kommt, mit dem, was in Ratgebern zur Kreta-Diät empfohlen wird, sind die Unterschiede offensichtlich. Insofern kann man den Namen „Kreta“ aus dem Kompositum eigentlich getrost streichen. Doch auch mit dem Bestandteil „Diät“ ist das so eine Sache: Nimmt man nämlich alles zusammen, handelt es sich eher um eine ausgewogene Ernährungsweise als um eine Diät im eigentlichen Sinne. Das bedeutet einerseits, dass man sich auch über einen längeren Zeitraum auf diese Weise ernähren kann – andererseits jedoch auch, dass ein Gewichtsverlust nur durch gleichzeitige körperliche Aktivität zu erreichen ist. Alles in allem verbirgt sich hinter diesem Konzept also nicht viel mehr als eine schlaue Marketingidee bei der Namensgebung (Stichwort: positive Assoziationen wecken). Dennoch gibt es Schlimmeres…

Vorsicht vor 1:1-Umsetzung: Nicht übertragbar auf Mitteleuropäer

An dieser Stelle ist nämlich anzumerken, dass eine 1:1-Umsetzung der kretischen Lebensverhältnisse auch schaden kann. Einer Studie der Universität Athen aus dem Jahr 2005 zufolge führte diese Ernährungsform bei Mitteleuropäern nämlich keineswegs zu einem längeren Leben. Vielmehr war eine vermehrte Tendenz zur Gefäßverstopfung festzustellen.

Eine Hypothese hierfür ist, dass die Mittelmeereuropäer, und in diesem Fall insbesondere die Kreter, über Generationen Zeit hatten, sich an die extrem fettreiche Ernährung auch genetisch anzupassen. Demnach normalisieren sich bei ihnen die Blutfettwerte nach einer Mahlzeit wesentlich schneller als bei einem Nord- oder Mitteleuropäer.

Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team