Was passiert eigentlich bei einem Herzinfarkt, Professor Dr. med. Klauss? thinkstockphotos.com

Was passiert eigentlich bei einem Herzinfarkt, Professor Dr. med. Klauss?

Über 300.000 Menschen erleiden der Deutschen Herzstiftung zufolge jedes Jahr einen Herzinfarkt. Starke Schmerzen, ein massives Engegefühl, ein heftiges Brennen, Übelkeit, Atemnot, Erbrechen, Schmerzen im Oberbauch, Angstschweiß mit kalter, fahler Haut sind die typischen Anzeichen für einen Herzinfarkt. Was genau bei einem Herzinfarkt passiert, erklärt Professor Dr. med. Volker Klauss, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie in München.
Wie kündigt sich ein Herzinfarkt an?
Damit das Herz schlagen kann, benötigt es unter anderem ausreichend  Sauerstoff. Zuständig dafür sind die Herzkranzgefäße, die Koronararterien. In manchen Fällen werden diese Gefäße, die anfänglich noch glatt und dehnbar waren, eng und steif. Grund dafür sind Ablagerungen aus Fett oder Kalk – sogenannte Plaques. Durch diese ist eine ausreichende Blutversorgung des Herzmuskels nicht mehr gewährleistet. Mediziner sprechen in diesem Fall von einer KHK, einer koronaren Herzerkrankung. Patienten können – besonders bei Anstrengung oder Aufregung – fortschreitend Herzschmerzen mit Ausstrahlung oder ein Engegefühl in der Brust sowie Kurzatmigkeit verspüren. Bei einer vollständigen Blockade eines Gefäßes droht ein Herzinfarkt.
 
Was passiert bei einem Herzinfarkt?
Tritt ein akuter Verschluss eines Herzkranzgefäßes auf, erleidet der Patient einen Herzinfarkt, wenn das Gefäß nicht sofort wieder aufgemacht wird. Dann stirbt der Herzmuskel ab und das Herz kann unter Umständen seiner Funktion, also Blut durch den Körper zu pumpen, nicht mehr ausreichend nachkommen.  
 
Haben Frauen andere Symptome als Männer?
Die klassischen Erkennungszeichen, wie etwa vernichtende Schmerzen im Brustraum mit Ausstrahlung in die Arme, den Oberbauch, in den Rücken oder in den Hals beziehungsweise Kiefer, verspüren Frauen im Vergleich zu Männern deutlich weniger häufig. Sie haben eher unspezifische Symptome wie starke Kurzatmigkeit, Übelkeit oder Erbrechen. Demzufolge kommen sie eher später in die Klinik und erhalten auch seltener als Männer eine leitliniengerechte Behandlung.
 
Gibt es auch unentdeckte Infarkte?
Es gibt auch Infarkte, die nur leichte Symptome erzeugen und erst später, beispielsweise durch ein EKGs im Rahmen während einer Vorsorgeuntersuchung, festgestellt werden. Mediziner sprechen dann von einem stummen Infarkt. V.a. Menschen mit Diabetes mellitus sind davon betroffen. Häufig geht mit einem stummen Infarkt eine Herzschwäche einher, welche sich dauerhaft auf den Alltag des Patienten auswirkt. Zudem besteht ein hohes Risiko für einen weiteren Infarkt.
 
Was ist die Folge davon?
Für die Therapie stehen verschiedene Verfahren zur Wahl. Neben einer Veränderung der Lebensgewohnheiten sowie einer medikamentösen Therapie lässt sich das verschlossene Infarktgefäß durch die Implantation eines Stents öffnen. Um Ärzte bei der Entscheidung zur bestmöglichen Therapie bei weiteren Gefäßverengungen zu unterstützen, gibt es eine diagnostische Technologie – die Messung der Fraktionellen Flussreserve (FFR). Diese ermöglicht eine detaillierte physiologische Analyse der Verengungen der Gefäße. Ärzte können damit den Schweregrad der Durchblutungsstörung messen und anhand  des daraus ermittelten sogenannten FFR-Werts feststellen, ob eine Behandlung erforderlich ist und der Patient einen oder mehrere Stents benötigt.
 
Wie merke ich, wenn mein Gegenüber einen Infarkt erleidet?
Beispielsweise wenn das Gegenüber an mehr als fünf Minuten andauernden Schmerzen im Brustbereich, die aber auch in Arme, Oberbauch oder in die Schulterblätter ausstrahlen können, leidet. Auch ein massives Engegefühl oder ein heftig brennendes Gefühl in der Brust, Übelkeit und Erbrechen oder Angstschweiß auf fahler Haut können darauf hindeuten.
 
Was muss ich dann tun?
Erkennen Menschen diese Anzeichen bei sich selbst oder beim Gegenüber, müssen sie sofort den Notarzt rufen. Bereits hierbei sollte erwähnt werden, dass ein Verdacht auf Herzinfarkt besteht.
 
Gibt es so etwas wie eine Vorsorgeuntersuchung?
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind wichtig, um das Risiko für einen Infarkt vorzeitig zu erkennen. Das gilt besonders für Menschen mit Risikofaktoren für diese Erkrankung. Bei den Vorsorgeuntersuchungen ist besonders wichtig die Frage nach Krankheitssymptomen und Risikofaktoren. Dann erfolgen eine ausführliche körperliche Untersuchung sowie ein EKG, ein Herzultraschall und ein Belastungstest. Wenn der Verdacht auf eine Verengung der Koronararterien besteht, wird ein Herzkatheter durchgeführt.
 
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Schlaganfall und Infarkt?
Ein Schlaganfall wird auch als Hirninfarkt bezeichnet. Nimmt man dieses Wort, wird auch die Abgrenzung bzw. der Unterschied deutlich. Während in Folge eines Herzinfarkts Teile des Herzmuskels nicht mehr durchblutet werden, geschieht das Gleiche bei einem Schlaganfall im Gehirn.   
 
Gibt es ein besonders gefährdetes Alter?
Während bei Männern die Rate an Todesfällen aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen abnimmt, sinkt sie bei Frauen weniger stark und steigt zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr sogar an.
 
Was sind die Risiko-Faktoren für eine koronare Herzerkrankung und einen Infarkt?
Risikofaktoren sind unter anderem Rauchen, Bewegungsmangel und Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, erhöhtes Cholesterin sowie eine koronare Herzerkrankung bei Geschwistern und Eltern.
 
Wie kann ich einem Infarkt vorbeugen?
Wer auf einen gesunden Lebensstil achtet, kann einem Herzinfarkt vorbeugen. Dazu trägt gesunde und ausgewogene Ernährung bei. Empfohlen wird eine fettarme Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Auch ausreichend Bewegung und das Vermeiden von Übergewicht tragen zu einem gesunden Herz-Kreislauf-System bei.

Hinweis: Das Interview wurde von der Agentur Borgmeier geführt und zur Verfügung gestellt

Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team

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