Verstopfte Gefäße - Die Schaufensterkrankheit istockphoto.com/diego_gecko753

Verstopfte Gefäße - Die Schaufensterkrankheit

Sie hat einen harmlosen Namen im Volksmund: Die Schaufensterkrankheit. Dahinter steckt eine folgenschwere periphere arterielle Verschlußkrankheit, bei der es zu Durchblutungsstörungen meist in den Extremitäten kommt. Meist sind die Beine betroffen, die aufgrund von Verengungen oder Verschlüssen der Arterien nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden. Das hat zur Folge, dass die Gehstrecke der Patienten stark eingeschränkt ist. Schmerzbedingt müssen sie beispielsweise bei einem Gang durch die Stadt an jedem Schaufenster stehenbleiben. Wir erklären Euch hier, wie es zur Schaufensterkrankheit kommt und wie man Risikofaktoren umgeht.

Ursache Arterienverkalkung

Meist verspüren die Betroffenen anfangs keine Beschwerden, wie Dr. Rüdiger Feik  erläutert, Chefarzt der Medizinischen Klinik  am Ortenau Klinikum in Achern. „Doch kritisch wird es spätestens dann, wenn es zu den ersten belastungsabhängigen Schmerzen kommt und sich die Gehstrecke schmerzbedingt nach und nach einschränkt.“ Hauptursache für Gefäßverengungen ist in den meisten Fällen eine Arterienverkalkung, die so genannte Arteriosklerose. „Bei einer Arteriosklerose kommt es zu Einlagerungen von Fett, Kalk und Bindegewebsbestandteilen in den Gefäßen, wodurch der Blutkreislauf gestört wird“, so Dr. Rüdiger Feik weiter. „Problematisch an dieser Erkrankung ist, dass sie langsam und symptomlos verläuft. Oft dauert es Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, bis sich in der Arterie eine Ablagerung, die so genannte arteriosklerotische Plaque, gebildet hat.“

Warnsignal Brustschmerz

Die von einer Arteriosklerose verursachten Durchblutungsstörungen äußern sich in unterschiedlichsten Symptomen, die gerade im Anfangsstadium der Krankheit auch schnell wieder verschwinden – Schmerzen oder Druck in der Brust, Atemnot. „Viele Patienten zögern deshalb den Besuch beim Haus- oder Facharzt unnötig lange hinaus“, so Dr. Feik. Ein Fehler, denn sind in den Gefäßen erst einmal Engstellen und Verschlüsse entstanden, drohen ernste gesundheitliche Konsequenzen.  Da der Schaufensterkrankheit eine Arteriosklerose zu Grunde liegt, haben Patienten, die an dieser Erkrankung leiden, auch ein erhöhtes Risiko für die koronare Herzkrankheit und – aufgrund der möglicherweise betroffenen hirnversorgenden Arterien – ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko. Gerade wegen dieser Risiken sollte eine Schaufensterkrankheit möglichst früh behandelt werden.

Risikofaktoren ausschalten

Auch wenn eine Arteriosklerose nicht vollständig heilbar ist: Mit den richtigen Änderungen im persönlichen Lebensstil und einer individuellen Medikation lässt sich das Fortschreiten der Krankheit verhindern oder zumindest deutlich verlangsamen. So kann der Arzt beispielsweise Medikamente zur Blutverdünnung oder gegen Fettstoffwechselstörungen verschreiben. Haben sich einzelne Gefäße bereits kritisch verengt oder verschlossen, sind auch operative Eingriffe möglich: Mit Hilfe eines Katheters werden Ablagerungen abgetragen oder die Gefäßwände gedehnt, um auf diese Weise den Blutstrom wieder herzustellen. Falls notwendig kann zum Offenhalten der Gefäße auch eine Gefäßprothese, ein sogenannter Stent, mit Hilfe eines Katheters eingesetzt werden. An erster Stelle steht jedoch stets eine Analyse und nötigenfalls Änderung der persönlichen Lebensumstände. Als Risikofaktoren für die Entstehung arteriosklerotischer Gefäßkrankheiten gelten etwa Bluthochdruck, Übergewicht oder Diabetes mellitus. „Kalorien- und fettreiche Ernährung, mangelnde Bewegung, Stress und Rauchen, alle diese Dinge begünstigen Gefäßerkrankungen“, so Dr. Feik. Insbesondere Nikotin, das schon ab geringen Mengen gefäßverengend wirkt, schädigt das Gefäßsystem.

Fragen an Dr. Rüdiger Feik, Chefarzt der Medizinischen Klinik am Ortenau Klinikum Achern

Woran erkenne ich eine beginnende Schaufensterkrankheit?
Die Mehrzahl der Patienten mit einer Gefäßverengung der Beinarterien verspürt anfangs keinerlei Beschwerden. Grund ist, dass genügend Umgehungskreisläufe, so genannte Kollateralen, gebildet wurden, um das Bein mit Sauerstoff zu versorgen. Umso wichtiger ist es, sich etwa ab dem 35. Lebensjahr regelmäßig beim Hausarzt untersuchen zu lassen. Dieser kann beispielsweise Blutwerte bestimmen, die auf eine Arteriosklerose hindeuten. Bereits bei einer körperlichen Untersuchung kann der Verdacht auf eine Schaufensterkrankheit geäußert werden.

Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang das oft erwähnte Cholesterin?
Entscheidend ist die Gesamtbetrachtung, denn das im Blut gemessene, so genannte Gesamtcholesterin setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen. LDL-Cholesterin stellt einen Risikofaktor dar, der Arteriosklerose fördert. HDL-Cholesterin dagegen ist ein Schutzfaktor, es sorgt für den Abtransport des Cholesterins.

 

Pressemitteilung des Ortenau Klinikums.