Suchtpotente Medikamente – Wenn Medizin gefährlich wird www.istockphoto.com/Nastasic

Suchtpotente Medikamente – Wenn Medizin gefährlich wird

Sie bedeuten Heilung, Schlaf und Schmerzfreiheit. Viele Medikamente befreien uns von unseren Erkrankungen und helfen uns wieder auf die Beine. Doch bergen sie bei längerer Einnahme auch die Gefahr einer Sucht. Wir zeigen Euch, welche Heilstoffe ein besonders hohes Suchtpotential haben und wie Ihr Euch vor einer möglichen Abhängigkeit schützt.

„Ehe man sich versieht" - die persönliche Geschichte mancher Medikamentenabhängiger könnte so überschrieben werden. Gerade noch wollte man einfach nur wieder eine Nacht lang durchschlafen und kurze Zeit darauf befindet man sich in einer Spirale der Sucht.

Was nach einer übertriebenen Floskel klingt, ist jedoch alltägliche Realität, die ernstgenommen werden muss!

Verbreitung der Medikamentensucht

Die Medikamentensucht ist ein Massenphänomen, das einen Verbreitungsgrad in der Bevölkerung aufzeigt, die ähnliche Ausmaße annimmt wie die Alkoholabhängigkeit. Gemäß Studien der Deutschen Fachstelle für Suchtfragen (DHS) sind vorwiegend Frauen und ältere Menschen von der Medikamentensucht betroffen.

Neue Lebenssituationen, schmerzhafte Erkrankungen und Schlafstörungen können u.a. Gründe für die Benötigung von Medikamenten sein, die ein Suchtpotential in sich bergen. Die Gefahr eine Medikamentenabhängigkeit steigt bis zum 40. Lebensjahr proportional zur Häufigkeit der Verschreibung an und ab dem vierzigsten dann verstärkt. Fast 25 Prozent aller 50-59-jährigen Deutschen sind gefährdet.

Suchtpotente Medikamente

Wie schon angedeutet, gehören Schlaf- und Beruhigungsmittel nach der DHS zu den Medikamenten, die ein hohes Suchtpotential aufweisen. Dazu gesellen sich Schmerzmittel und Mittel zur Leistungssteigerung (z.B. Potenzmittel). Insgesamt werden neun Substanzklassen von psychotropen Medikamenten, also solchen, die auf die Psyche wirken, unterschieden. Vor allem vier von diesen Substanzen können für eine Suchtbildung verantwortlich sein:

-          Opioide (= Substanzen, die morphinartige Eigenschaften aufweisen und betäubend wirken)

-          Sedativa und Hypnotika (= Substanzen, die dämpfend und ermüdend wirken)

-          Stimulanzien (= Substanzen, die stimulierend auf den Organismus wirken)

-          Halluzinogene (= Substanzen, die verändernd auf die Wahrnehmung wirken)

Außerdem gibt es Medikamente, die mit anderen Mitteln (Koffein, Alkohol, Drogen) in Kombination genommen Suchtpotential aufweisen. Schon harmlos klingende Lifestyle-Produkte (Dosenkaffee, Energiedrinks, etc.), die teils auch im Supermarkt erhältlich sind, fallen darunter.

Unbemerkt süchtig

Die Abhängigkeit kommt oftmals schleichend. Für kurze Zeit vom Arzt verschrieben, werden die zumeist stimmungsaufhellenden Medikamente länger konsumiert, als ärztlich empfohlen. Wird die Einnahmedauer so überstrapaziert, tritt nach einiger Zeit der sogenannte „Rebound-Effekt" ein: Wurden z.B. Medikamente anfangs gegen nächtliche Unruhe eingenommen, empfinden die Konsumenten auf einmal morgens schon eine starke Nervosität. Es beginnt eine Spirale nach unten, es wird vermehrt auf das Mittel zurückgegriffen, das die Suchtsymptome hervorruft. Es kommen weitere Leiden, wie Depressionen, Krämpfe, Angstzustände, Unruhe und Schwindel hinzu. Besonders an älteren Menschen kann dieser Prozess quasi unbemerkt vorbeigehen, da sie die Einnahme von Medikamenten oft als normal empfinden und Nebenwirkungen oftmals ihrem Altersleiden zuschreiben.

Keine Selbstmedikation!

Aufgrund des erhöhten Suchtpotentials von den genannten Medikamenten, ist es dringend ratsam, die vom Arzt vorgegebene Einnahmedauer und Dosis nicht zu überschreiten. Auf jeden Fall sollten Patienten, denen eine Ersteinnahme bevorsteht, alternative Möglichkeiten zuerst ausprobiert haben. Bei Schlafstörungen beispielsweise können Akupunktur und Meditation manchmal sogar besser wirken als jedes Medikament. Dies gilt für andere psychische Leiden auch. Deswegen gilt es, mit seinem Arzt alle möglichen Behandlungen genau abzuwägen. Noch wichtiger ist es, auf gar keinen Fall in Eigenregie psychotrope Wirkstoffe zu konsumieren. Die Einnahme sollte stets von einem Mediziner genau dosiert und beobachtet werden.

 

Literatur:

Isa K., Die leise Sucht – wenn Medikamente abhängig machen, Studienarbeit, Grin Verlag, 2010, S. 8-10