Burnout-Special – Teil 3: Wege zur Vorbeugung www.istockphoto.com/Nastco

Burnout-Special – Teil 3: Wege zur Vorbeugung

Im letzten Teil unseres Burnout-Specials hat Euch Gesundheitsexperte Slatco Sterzenbach gezeigt, wie man sich anhand der Burnout-Uhr selber richtig einschätzt. In diesem Teil geht es nun um die Präventionsmaßnahmen, die man ergreifen kann, um einer möglichen Burnout-Gefährdung entgegenzuwirken.

Die Maßnahmen zur Burnout-Prävention

Burnout kann verhindert werden. „Prävention ist stets besser als Reaktion!“, weiß der Burnout-Experte aus Erfahrung. In seinen Seminaren stellt er daher neben der Burnout-Uhr, die der eigenen Einschätzung dient, auch Maßnahmen vor, wie jeder einzelne entsprechend den Uhrzeiten reagieren kann:

uhr2 copyVerstärkter Antrieb

"Reflektieren Sie die Gründe, die Sie zu einer Mehrarbeit antreiben. Das können Motive wie Sicherheit, aber auch Existenzängste sein", schlägt Sterzenbach vor. Nicht selten stecken dahinter Motive wie der Wunsch nach Anerkennung, z.B. von den Eltern. Nur wer sich seiner Motive bewusst ist, kann auch lernen, damit umzugehen und einen gesunden Abstand dazu gewinnen.

Ineffizienz und mangelnde Effektivität

Die vermehrte Aktivität ist meist ein Zeichen von Ineffizienz und mangelnder Effektivität in der Arbeitsorganisation. Es gibt Selbstmanagement-Programme, die helfen können, Aufgaben in wichtige, wichtige aber nicht dringliche und nicht wichtige zu unterteilen. „Viele kennen das Pareto-Prinzip von der Theorie: 20% unserer Aktivitäten machen 80% des Erfolges aus. Diese Regel setzen wir im Arbeitsleben zu selten wirklich konsequent um“, sagt Sterzenbach. Dazu gehört es zu erkennen, ob die Dinge, mit denen wir uns beschäftigen, für uns dringlich sind oder eher andere voranbringen. Daher sollte man stets für sich priorisieren, wo man seine Zeit, seine Ressourcen und Geld hineinsteckt.

„Das GTD (Getting Things Done) ist beispielsweise ein Konzept, welches mit mittlerweile vielen Softwarelösungen für PC und Smartphone genutzt werden kann. Alle ToDos werden den beiden Aspekten „Projekt“ und „Kontext“ zugeordnet. So werden alle Aktivitäten besser gebündelt. Das bedeutet z.B. in den Autofahrten den Kontext „Telefon“ anzuwählen und die gesammelten notwendigen Telefonate abzuarbeiten. Um 12.30 und 17 Uhr ist Zeit für E-Mails. Auch hier werden zuerst die E-Mails geschrieben, die notwendig sind“, schlägt Sterzenbach vor.

Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse

Dazu gehören die Grundbedürfnisse wie Schlaf, Ruhe, Essen und Anerkennung. Chronischer Schlafmangel ist ungesund. Das Weglassen des Mittagessens äußert sich in einer Gewichtszunahme. Zu wenige Ruhephasen bringen unsere Balance durcheinander. Gerade in der heutigen Zeit ist es absolut wichtig, Rituale der Ruhe zu schaffen, sich Zeit für die Dinge zu nehmen, die einem die verbrauchte Energie wieder zurückgeben. Das kann der Alpha-Schlaf nach dem Mittagessen sein, der Spaziergang am Abend mit dem Partner und natürlich genügend Schlaf und eine energiespendende Ernährung mit ausreichend Vitalstoffen. Sportler werden nicht während des Trainings besser, sondern in der Regenerationsphase. So auch der Manager: „Die besten Ideen kommen in den Zeiträumen der Entspannung. Nicht umsonst nimmt sich der Gründer von Red Bull Dietrich Mateschitz zwei Kreativtage jede Woche“, räumt der Gesundheitsexperte ein.

Erschöpfung spürbar?

Sind die ersten Erschöpfungssignale spürbar, dann ist es absolut wichtig, jeden Tag eine oder sogar zwei Aktivitäten der Freude in den Alltag zu integrieren. Das kann bei dem einen der Sport sein und bei dem anderen, sich mit seinen Freunden zu treffen. „Ich erarbeite mit meinen Kunden eine 50er-Liste von Energiespendern, also 50 Aktivitäten, die Energie bringen“, sagt Sterzenbach.

Warnzeichen erkennen

Sätze wie „Lebst Du noch!“ oder „Du hast ja gar keine Zeit mehr für mich!“ sind Alarmzeichen von der Umwelt, dass Dinge, die vorher noch normal waren, aufgrund des Berufes immer mehr in den Hintergrund geraten. Gerade die Reduktion von sozialen Kontakten kann einen Burnout beschleunigen, da keine externen Stell- und Korrekturgrößen mehr einwirken können. Freunde sind ein wichtiges Regulativ.

Verleugnung von eigenen Werten

Wenn es schon dazu gekommen ist, dass Werte, die einem jahrelang oder sogar lebenslang wichtig waren, verleugnet werden oder umgedeutet werden, dann ist es Zeit für ein Coaching. Sätze von einem ehemaligen begeisterten Kinogänger wie „Ach, es gibt ja heute auch keine guten Filme mehr“ sind nur Umdeutungen, um das schlechte Gefühl, dass man schon lange nicht mehr im Kino war, wegzuwischen.

Wann helfen solche Maßnahmen nicht mehr?

In den vorangegangenen Absätzen wurden Euch Maßnahmen vom konstruktiven Nachdenken bis hin zum Coaching gezeigt. All diese Maßnahmen stellen Präventivmaßnahmen dar, die man selbst in die Hand nehmen kann, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Doch schon das Coaching stellt einen Übergang dar, denn die Gefährdung durch Burnout ist bereits in einem sehr hohen Maße präsent und hier kippt auch schon die „Selbstregulierungsphase“ in eine Phase der psychologischen und oft auch schon medizinischen Hilfebedürftigkeit.

„Wenn es zu sicht- und spürbaren Einschränkungen der kognitiven, koordinativen oder anderen körperlichen Fähigkeiten kommt, dann sind dies Alarmzeichen“, erklärt Sterzenbach. „Gerade letzte Woche hatte ich einen Seminarteilnehmer, der ein Burnout hatte und dies daran merkte, dass er die Präsentation, die er halten sollte, selbst nicht mehr ablesen konnte. Tinnitus oder Gleichgewichtsstörungen sind nur einige Symptome.“ An dieser Stelle ist es immer dringend angeraten, einen Arzt oder Psychologen aufzusuchen.

Bereits für die Einschätzung, ob man überhaupt Burnout hat, ist es immer angeraten einen externen Berater zu befragen. Menschen aus dem Arbeitsbereich werden es schwer haben, eine objektive Einschätzung abgeben zu können.

Wichtig bei einer Beratung ist es stets, die Beschwerde und ihre Behandlungsmöglichkeiten ganzheitlich zu betrachten. Dazu gehören durchaus auch Themen wie Ernährung und Sport.

 

 

Unser Experte: Slatco Sterzenbach

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Diplomsportwissenschaftler, Mentaltrainer und Gesundheitsexperte

Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team