Burnout-Special – Teil 2: Wenn die Burnout-Uhr tickt www.istockphoto.com/artJazz

Burnout-Special – Teil 2: Wenn die Burnout-Uhr tickt

Nach Schätzungen der DAK nahmen Fehltage aufgrund von psychischen Leiden im Jahr 2011 um 1,3 Prozent zu – Tendenz steigend. Es scheint, als ob dem Motto „Geht nicht, gibt´s nicht!“ in unserer Leistungsgesellschaft mehr Beachtung zukommt, als die Frage „Kann ich?“. Dabei ist es besonders im Hinblick auf Burnout notwendig, sich richtig einzuschätzen. Wie das funktioniert, zeigt Euch Burnout-Experte Slatco Sterzenbach.

Die Karriere ist ein Bestandteil unserer Identität. Manchmal finden wir uns jedoch in einem Mechanismus wieder, in dem wir unsere Gesundheit für unseren Beruf aufs Spiel setzten. Übertriebener Ehrgeiz und mangelnde Selbsteinschätzung verzahnen sich so zu einer bedrohlichen Spirale: Möglichst viel lernen, viel sehen, viel umsetzen. Daneben laufen die Familienplanung und andere gesellschaftliche Verpflichtungen. Es soll nichts fehlen und nichts verpasst werden. Plötzlich verwandelt sich das Leben zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Sie tickt…Genauso wie unsere „Burnout-Uhr“.

Diplomsportwissenschaftler und erfolgreicher Vortragsredner Slatco Sterzenbach hat sich vielfach mit Burnout beschäftigt. Firmen wie Microsoft und Beiersdorf engagieren ihn, um ihre Mitarbeiter in Sachen Leistungskraft und gesundes Leben zu beraten. „Viele Kunden, die zu mir kommen, merken, dass ihre Leistungsfähigkeit und Ihre Lebenskraft abnehmen. Diese Menschen spüren, dass das so nicht weiter gehen kann. Es passieren immer mehr Fehler, die Konzentration lässt nach und der Wille und die Begeisterung, morgens das Bett zu verlassen, werden immer geringer“, so der Buchautor des Buches „Der perfekte Tag“.

Ausgebrannt und gelangweilt

Für Sterzenbach hat Burnout viele Gesichter. „Burnout ist ein Sammelbecken für die unterschiedlichsten Symptome“, erklärt Sterzenbach den diffusen Begriff. „Was wir früher als Depression verstanden haben, wird jetzt oft als Burnout bezeichnet“, sagt der Gesundheitsexperte. „Wir leben in einer uns völlig einnehmenden Welt, einer „Zuviel-Isation“. Es prasseln ständig Reize auf uns ein. E-Mails, Nachrichten, SMS, FaceBook-Einträge, Youtube-Videos, TV und Radio. Irgendwann ist man mental als auch körperlich erschöpft.“

Doch spielt nicht nur die Überforderung allein eine Rolle. Hat der Mensch schon alles gesehen und erlebt, wohin will er dann wohl noch streben? „Wir müssen zwischen Boreout und Burnout unterscheiden. Es gibt viele Menschen, die mental nicht mehr motiviert sind, weil sie in dem, was sie täglich tun, keinen Sinn mehr sehen. Es herrscht Langeweile – eben Boreout - und ein Gefühl der sinnlichen Leere“, stellt Sterzenbach klar.

Sklaven des Systems

Die Quelle der Krankheit sieht Sterzenbach dementsprechend eigentlich in den lebensgestaltenden Gegebenheiten unserer Zeit: „Schuld am Burnout-Phänomen trägt eher unser System, mit dem viele nicht mehr klar kommen. Neben dem Verlust des Sinns in Allem sorgt die ständige „Online-Mentalität“ dazu, dass die Akkus nach und nach leer laufen.“ Tagtäglich spricht Sterzenbach mit Burnout-Gefährdeten und Erkrankten. Manchen kann er als Mentalcouch helfen, andere muss er an die Hand eines Arztes geben: „Manche haben schon stärkere physische Symptome wie chronischen Kopfschmerz oder Tinitus. Fortgeschrittene Fälle schicke ich zu meinen Netzwerkpartnern und Kliniken, die sich darauf spezialisiert haben.“

 

Prävention ist das A und O

Es ist wichtig die Alarmzeichen eines Burnouts zu erkennen und sich Hilfe zu holen. Doch bei weitem wichtiger ist es schon davor dafür zu sorgen, erst gar nicht in die Risikogruppe zu geraten. „Prävention und ein bewusster Umgang mit den eigenen Ressourcen ist immer besser, freudvoller und gesünder als das Reagieren und Reparieren“, erklärt Sterzenbach. Erst mit einem Bewusstsein für seine individuelle Situation beginnt Burnout-Prävention zu funktionieren. Man muss sich zunächst vor Augen führen, das Burnout ein schleichender Vorgang ist: „Burnout kommt ja nicht plötzlich und sagt „Huhu, hier bin ich.“ Ein Burnout kommt langsam und leise“, beschreibt Sterzenbach das Auftreten der Beschwerde. Daher ist es wichtig, sich mit den einzelnen Phasen des Burnouts zu beschäftigen. Der Experte veranschaulicht die Stationen des Burnouts in seinen Vorträgen gerne anhand einer „Burnout-Uhr“.

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Jeder Betroffene muss sich beim Betrachten des Schaubildes fragen: Bei welcher Uhrzeit stehe ich eigentlich? Eine Hilfestellung zur besseren Einschätzung leistet die dazugehörige Tabelle:

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Erst mit der richtigen Einschätzung der Phase gelingt eine erste Eigendiagnose. Wo stehe ich? Brauche ich schon Hilfe von außen, oder kann ich noch gegenlenken? Entsprechend der jeweiligen Uhrzeit, kann man Maßnahmen ergreifen, die helfen. Auf diese kommen wir in Teil 3 unserer Burnout-Serie „Maßnahmen zur Burnout-Prävention“ zu sprechen.

 

 

Unser Experte: Slatco Sterzenbach

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Diplomsportwissenschaftler, Mentaltrainer und Gesundheitsexperte

 

Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team