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Bandscheibenvorfall – Vorbeugen, erkennen, behandeln

Die menschliche Wirbelsäule verfügt über 23 Bandscheiben, die eine Art Pufferfunktion zwischen den Wirbelkörpern ausüben. Dr. Reinhard Schneiderhan, Orthopäde aus München und Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga, erklärt, wie Bandscheibenschäden vorgebeugt und behandelt werden können.
Unsere Wirbelsäule besteht aus 33 Wirbelkörpern sowie verschiedensten Bändern und Muskeln. Die 23 Bandscheiben haben einen faserigen äußeren Ring, der die Bandscheibe in Position hält sowie einen gallertartigen inneren Kern. Mit zunehmendem Alter oder bei Bewegungsmangel verlieren sie ihre Festigkeit und Flexibilität. „Kommt es zum Bandscheibenvorfall, tritt der Gallertkern aus dem Faserring heraus und drückt dabei auf die Nerven im Wirbelkanal, was starke Schmerzen verursacht. Je nach Ursache und Symptomen lassen sich entsprechende Therapien einleiten“, sagt Dr. Reinhard Schneiderhan.

Dem Bandscheibenvorfall vorbeugen

Unser Rücken übernimmt täglich eine Fülle an lebenswichtigen Aufgaben. Dafür benötigt er Hilfe durch eine gesunde Ernährung, Vermeidung von Übergewicht, ausreichend Schlaf und die richtige Körperhaltung. Das A und O stellt jedoch Bewegung dar. Für Flexibilität und Stabilität unserer Wirbelsäule sorgt ein fein abgestimmtes System aus Muskeln, die regelmäßig Kräftigung sowie gezielte Übungen benötigen. Aber auch die Bandscheiben benötigen Bewegung. Denn ihre Nährstoffversorgung erfolgt nicht wie bei anderen Körperteilen über Blutgefäße, sondern über den Flüssigkeitsaustausch mit dem umliegenden Gewebe. Bei Belastungsdruck gelangen benötigte Mineralstoffe, Proteine oder Enzyme in die Bandscheibenzellen und Abfallprodukte werden ausgeschieden. Bewegungsmangel stört diesen Prozess: „Der Organismus kann hier zwar Nährstoffdefizite in gewissem Maße ausgleichen, aber Bandscheibensubstanz geht über einen längeren Zeitraum verloren“, erklärt Dr. Schneiderhan. „Sportarten wie Schwimmen, Pilates, Jogging oder Walking eignen sich besonders, um Bandscheibenschäden vorzubeugen. Auch ein gezieltes Rückentraining ist ratsam.“

Den Bandscheibenvorfall erkennen

Am häufigsten tritt ein Bandscheibenvorfall an der Lendenwirbelsäule auf, seltener an der Halswirbelsäule. Symptome fallen dabei sehr unterschiedlich aus. Drückt die austretende Bandscheibe gegen Nerven oder Rückenmark, können Taubheitsgefühle, Kribbeln und Lähmungen in Armen und Beinen die Folge sein. Daneben leiden Patienten unter starken, stechenden Schmerzen im Rücken und müssen Bewegungseinschränkungen in Kauf nehmen. „Wenn die Beschwerden länger als eine Woche andauern, sollten Betroffene ihren Hausarzt oder einen Orthopäden aufsuchen“, erläutert Dr. Schneiderhan. Dieser führt eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung durch. Unter Einsatz von bildgebender Diagnostik wie Röntgen- oder Kernspinaufnahmen lässt sich dann eine individuelle Therapie einleiten. In vielen Fällen ist es ratsam, dass Patienten die Zweitmeinung eines weiteren Arztes einholen. Kosten für diese Leistung übernehmen sowohl gesetzliche als auch private Krankenkassen. Dabei empfiehlt es sich, Spezialisten mit unterschiedlichen Fachrichtungen aufzusuchen. Dazu zählen unter anderen Orthopäden, Neurochirurgen oder Physiotherapeuten.

Den Bandscheibenvorfall behandeln

Bestehen leichte Beschwerden, können bereits Massagen, Wärmeanwendungen sowie Akupunktur Linderung verschaffen. Nur in wenigen Fällen, etwa bei starken Schmerzen, Lähmungserscheinungen oder Taubheitsgefühlen in Armen und Beinen, ist eine Bandscheiben-OP nötig. Heutzutage behandeln Orthopäden Bandscheibenvorfälle oft minimalinvasiv, beispielsweise mit moderner Mikrolasertherapie. Über eine nur 0,2 Millimeter dünne Mikronadel erreichen die Experten auch schwer zugängliche Stellen. Mit Laserenergie schrumpfen sie vorgewölbtes Gewebe, verschweißen kleine Einrisse und unterbrechen die Schmerzweiterleitung ans Gehirn. Betroffene spüren sofort eine Schmerzlinderung und können wenige Tage nach der Behandlung den Heimweg antreten. Im Gegensatz zu Bandscheibenoperationen zeichnen sich minimalinvasive Therapien neben den kurzen stationären Aufenthalten auch durch schnelle Rehabilitation aus. „Bereits nach ein bis zwei Wochen können Patienten wieder leichte körperliche Arbeiten verrichten“, sagt Dr. Schneiderhan.

Quelle: Pressemitteilung MVZ Praxisklinik Dr. Schneiderhan und Kollegen


Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team

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