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Stichwort Arthrose: Die größten Mythen

Ist Arthrose wirklich unvermeidbar? Helfen konservative Methoden bei der Behandlung? Und wird ein künstlicher Gelenkersatz zu häufig empfohlen? Privatdozent Dr. med. habil. Johannes Beckmann von der Sportklinik Stuttgart erklärt in einer Pressemitteilung die häufigsten Mythen zur Volkskrankheit Arthrose.

Mythos 1: Ab einem bestimmten Alter schmerzen die Gelenke automatisch.

PD Dr. med. Beckmann: Das ist nicht zwangsläufig so, doch leider kennt nahezu jeder derartige Äußerungen aus dem Bekannten-und Verwandtenkreis und leider sind schmerzhafte Gelenke und Arthrose tatsächlich eine Volkskrankheit geworden. Die Arthrose selbst bedeutet zunehmenden Knorpelverlust im Gelenk. Der Knorpel stellt quasi den Reifen zwischen Felge und Asphalt dar, beim Vollbild der Arthrose fährt die blanke Felge auf dem Asphalt.

Mythos 2: Arthrose erkennt man am „steifen Gelenk“.

Dr. med. Beckmann: Zuerst macht sich die Arthrose klassischerweise in Form von Anlaufschmerzen (man kommt morgens nicht richtig ‚in Gang‘) oder Schmerzen nach längeren Belastungen oder ruckartigen Bewegungen bemerkbar. Erst später werden auch die Gelenke steifer. Bei fortgeschrittener Arthrose treten die Schmerzen sogar nachts auf.

Mythos 3: Arthrose kommt von einer Fehlbelastung der Gelenke.

PD Dr. med. Beckmann: Das stimmt nicht unbedingt, die Ursachen sind mannigfaltig: So zählen neben Fehlstellungen und der Alterung selbst auch Verletzungen, Sport und Belastung, Ernährung sowie leider auch Veranlagung und Vererbung dazu. Es gibt jedoch auch weiterhin Gelenke, die bis ins hohe Alter „gesund“ bleiben. Die richtige Belastung und Ernährung (u.a. Gewichtsabnahme, regelmäßige und gleichmäßige Bewegungen sowie passende Sportarten) sind hier entscheidend.

Mythos 4: Arthrose lässt sich nur schwer vorbeugen.

PD Dr. med. Beckmann: Prävention ist bedingt möglich. Neben der bereits erwähnten richtigen Belastung und Ernährung ist dies die frühe Erkennung der gerade genannten Ursachen: Die Korrektur von Fehlstellungen oder Abklärung bei familiär bekannten Erkrankungshäufungen oder Gelenkverletzungen sowie die Reduktion belastender und unfallträchtiger Sportarten sind hier wichtig.

Mythos 5: Regelmäßiger Sport hilft bei der Prävention.

PD Dr. med. Beckmann: Das stimmt. Ideal ist eine Kombination aus Gewichtstraining aller größeren und stabilisierenden Muskelgruppen mit kardialem Ausdauertraining. Neben den Gelenken kann insbesondere auch die Osteoporose (Knochenbrüchigkeit, hier ist dosiertes regelmäßiges Krafttraining wichtig) und die lebenswichtigere Herz-Kreislauf Situation (hier ist Ausdauertraining wichtig) positiv beeinflusst werden! Die Gewichtsreduktion wird in beiden Fällen beeinflusst. Sie wirkt sich auf Gelenke und Herz-Kreislauf positiv und protektiv aus!

Mythos 6: Konservative Methoden helfen selten.

PD Dr. med. Beckmann: Doch, denn es ist selten zu spät! Auch Fehlstellungen können im Frühstadium noch angegangen werden. Bei schon bestehenden Knorpelschäden können neben Spritzen ins Gelenk oder Tabletten oder „Knorpel-stabilisierende“ und nicht wie meist beworben „Knorpelaufbauende“ Präparate), Krankengymnastik mit Bewegungsübungen zur Kräftigung und Dehnung, Wärme- und Kälteanwendungen, Bandagen oder gezielte Einlagen zur Fehlstellungskorrektur
helfen.

Mythos 7: Ein Gelenkersatz wird zu häufig empfohlen.

PD Dr. med. Beckmann: Ein Gelenkersatz sollte prinzipiell erst dann eingesetzt werden, wenn der Gelenkknorpel durch Arthrose stark verschlissen beziehungsweise nicht mehr vorhanden ist (Felge fährt quasi ohne Reifen auf dem Asphalt, also Knochen auf Knochen), keine der konservativen Behandlungsmethoden wie Krankengymnastik, Medikamente und Spritzenbehandlungen mehr ausreichend wirkt und die Lebensqualität deutlich eingeschränkt ist.

Mythos 8: Mit einem künstlichen Gelenk kann ich meinen Lieblingssport nicht mehr ausüben.

PD Dr. med. Beckmann: Bei normalem Verlauf der Operation und anschließender erfolgreicher Rehabilitation sind Sportarten wie Radfahren, Schwimmen, Golfspielen, Skilanglauf oder Wandern ohne Probleme wieder möglich. Auch alpiner Skisport oder Tennis ist bei geübten Fahrern mit Reduktion des Anspruchs machbar. Eher ungeeignet sind Sportarten wie zum Beispiel Fußball, Handball oder Squash mit schnellen Richtungswechseln und ständiger ruckartiger Belastung sowie Sportarten mit erhöhter Sturzgefahr. Sprünge auf oder von größeren Höhen (nicht einfaches Seilhüpfen), sehr schwere Gewichte (Bodybuilding) oder starke Dehnungen bei Hüftgelenken (Richtung Spagat oder Lotussitz) sind tatsächlich verboten.
Gleichmäßige Bewegungen und Übungen sind sinnvoll und wünschenswert, sollten den gesamten Körper einbinden und eine Kombination aus Gewichts- und Ausdauertraining umfassen. Denken Sie an die vielen positiven und wichtigen Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem, die Lunge, das Gewicht, die Knochen und Gelenke! Zu den Kraftübungen zählen neben Geräten für Klimmzug, Bankdrücken und Kniebeugen aber insbesondere auch diverse stabilisierende Übungen mit eigenem Körpergewicht, die gleichzeitig mehrere Muskelgruppen aktivieren und auch die tiefe stabilisierende Haltemuskulatur trainieren.


Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team

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