Schutz vor Erektionsstörungen – Interview mit Priv.-Doz. Dr. Tobias Engl www.thinkstockphoto.de

Schutz vor Erektionsstörungen – Interview mit Priv.-Doz. Dr. Tobias Engl

Erektile Dysfunktion und Prostatabeschwerden gehören ab dem 40. Lebensjahr zum Alptraumthema vieler Männer. Dabei gibt es bereits für junge Männer Möglichkeiten sich vor dem Risiko zu wappnen. Außerdem können bestimmte Medikamente und Behandlung im Falle einer Erkrankung helfen. Privat Dozent Dr. Tobias Engl von der Urologischen Praxis in Oberursel erklärt.

Priv.-Doz. Dr. Tobias Engl: Das ist eine anhaltende Unfähigkeit eine Erektion zu bekommen und aufrecht zu erhalten, um einen befriedigenden Geschlechtsverkehr auszuüben. Die Risikofaktoren für eine Erektile Dysfunktion (ED) sind insbesondere ein Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Rauchen sowie eine radikale Prostatektomie. In einigen Fällen kann auch ein Testosteronmangel eine Rolle spielen.

GesünderNet: Manchmal ist die Sache mit dem Libido auch Kopfsache, was ja mit der Erektion einhergeht. Wann kann man den tatsächlich von einer Erektionsstörung sprechen?

Priv.-Doz. Dr. Tobias Engl: Die Definition einer ED ist unabhängig von ihren Ursachen. Psychogene Ursachen spielen eine erheblich geringere Rolle, als früher angenommen. Je älter der Patient ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine vaskulär bedingte ED vorliegt.

GesünderNet: Heutzutage merken wir immer mehr, dass eine gesunde Ernährung und Sport vielseitig die Gesundheit unterstützen kann. Kann „Mann“ auf diese Weise vorsorgen?

Priv.-Doz. Dr. Tobias Engl: Insbesondere durch Sport und Bewegung kann man das Risiko für eine ED erheblich senken. In der Massachusetts Male Aging Studie (MMAS) konnte das Risiko für eine ED durch Sport um 70% reduziert werden.

GesünderNet: Welche sind die häufigsten und erfolgreichsten Behandlungsmethoden bei Erektionsstörung?

Priv.-Doz. Dr. Tobias Engl: Die Therapie der ersten Wahl sind die PDE-5-Hemmer, die einen stärkeren Einstrom von Blut in den Schwellkörper bewirken. Weitere Therapieoptionen sind Vakuumpumpen, sowie als zweite Wahl Injektionen in den Penis und Penisprothesen.

GesünderNet: Prostatabeschwerden können Erektionsstörungen häufig begleiten. Wie ist hier der Zusammenhang?

Priv.-Doz. Dr. Tobias Engl: Erektionsstörungen und Probleme beim Wasserlassen sind beides häufige Beschwerden gerade bei älteren Männern. Das gleichzeitige Vorkommen ist aber nicht nur eine zufällige Überschneidung. In der Kölner Männer Studie an ca. 10.000 Männern zeigte sich, dass von den Männern mit einer erektilen Dysfunktion über 70% auch Beschwerden beim Wasserlassen hatten. In der Gruppe der Männer ohne Erektionsstörungen waren diese nur 37%. Die Phosphodiesterase-5, das Zielenzym der PDE-5-Hemmer wie z.B. Tadalafil findet sich nicht nur im Schwellkörper, sondern in einer hohen Konzentration auch in der Prostata.

GesünderNet: Für den Laien hören sich Prostataleiden sehr nach „Altersgebrechen“ an. Stimmt das, oder sind junge Männer davon ebenso betroffen?

Priv.-Doz. Dr. Tobias Engl: Grundsätzlich sind körperliche Ursachen erheblich häufiger als psychische. In der Regel sind psychische Ursachen umso seltener, je älter der Patient ist. In der bereits erwähnten Kölner Männer Studie lag die Häufigkeit für eine Erektionsstörung bei ca. 19% über alle Altersgruppen von 30 bis 80 Jahren gemittelt. Die Wahrscheinlichkeit für eine erektile Dysfunktion nimmt mit dem Alter erheblich zu. In der Gruppe der 30 Jährigen lag die Häufigkeit bei 2,3% in der Gruppe der ältesten Teilnehmer bei über 50%.

GesünderNet: Was wären die konkreten medizinischen Behandlungsmaßnahmen, wenn die Beschwerden dann tatsächlich vorliegen?

Priv.-Doz. Dr. Tobias Engl: Vor Therapieeinleitung muss zunächst eine sorgfältige Diagnostik durchgeführt werden. Nach einer genauen Sexualanamnese und einer körperlichen Untersuchungen, werden einige Labortests durchgeführt um z.B. hormonelle Ursachen für die Erektionsstörung festzustellen.
Sollte eine primäre Ursache, wie z.B. ein bisher nicht bekannter Diabetes mellitus festgestellt worden sein, wird diese natürlich behandelt. An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass eine Erektionsstörung ein Frühwarnzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie einen Herzinfarkt sein kann. Daher sollten diese Patienten auch internistisch abgeklärt werden. Bei der Behandlung der erektilen Dysfunktion sind die PDE-5-Hemmer die Therapie der ersten Wahl. 

GesünderNet:  Was konkret sind die genannten PDE-Hemmer? Welche Risiken gibt es bei der Medikamentation?

Priv.-Doz. Dr. Tobias Engl: Es sind in Deutschland momentan drei PDE-5-Hemmer verfügbar. Das sind Sildenafil, Vardenafil und Tadalafil. Alle diese Präparate bewirken einen stärkeren Bluteinstrom in die Schwellkörper. Die Substanzen unterscheiden sich allerdings erheblich in ihrer Halbwertzeit und somit in ihrer Wirkdauer. Sildenafil und Vardenafil haben ein Wirkfenster von ca. 6 Stunden, Tadalafil hat ein deutlich längeres Wirkfenster von bis zu 36h. Das bedeutet natürlich nicht eine Erektion über diese Zeitspanne, sondern dass der Geschlechtsverkehr innerhalb dieser Zeitspanne möglich ist.
Wenn einige absolute Kontraindikationen berücksichtigt werden, ist die Einnahme ungefährlich. Mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Schwindel oder eine verstopfte Nase. Bei dem Therapiekonzept der Konstanztherapie, bei der Tadalafil in einer niedrigen Dosis von 5mg täglich eingenommen wird, liegen die Nebenwirkungen auf Placeboniveau.

GesünderNet:  Ab welchem Alter sollten Männer anfangen regelmäßige Checks beim Urologen zu machen, um spätere Probleme vorzubeugen?

Priv.-Doz. Dr. Tobias Engl: Jeder Mann ab 40 Jahren sollte eine regelmäßige urologische Vorsorge machen. In erster Linie geht es dabei um die Früherkennung des Prostatakarzinoms, dem häufigsten bösartigen Tumor des Mannes. Natürlich sollten bei diesen Untersuchungen auch andere urologische Beschwerden wie Erektionsstörungen identifiziert werden.
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass das Krebsfrüherkennungsprogramm für Männer der gesetzlichen Krankenkassen erst mit 45 Jahren beginnt und zu Erkennung eines Prostatakarzinoms lediglich die rektale Untersuchung mit dem Finger beinhaltet. Die ausschließliche rektale Untersuchung zur Früherkennung des Prostatakarzinoms muss als unzureichend bezeichnet werden.


Unser Experte: Priv.-Doz. Dr. Tobias Engl, Urologische Praxis in Oberursel
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Facharzt für Urologie

Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team