Die Korrektur von Schlupflider & Co. – Interview mit Dr. Pantlen www.istockphoto.com/StudioThreeDot

Die Korrektur von Schlupflider & Co. – Interview mit Dr. Pantlen

Schlupflider und Tränensäcke werden als ästhetischer Makel wahrgenommen. Wenn das Bindegewebe mit den Jahren schwächer wird, kann man entweder diese äußeren Erscheinungen akzeptieren – oder etwas dagegen unternehmen. Neben Make Up-Produkten gibt es auch die Möglichkeit einer chirurgischen Korrektur. Dr. Peter Pantlen von der Gemeinschaftspraxis Wieners und Pantlen erläutert, wie solche Operationen verlaufen und was man darüber wissen muss.

GesünderNet: Dr. Pantlen, Sie als plastischer Chirurg korrigieren Tränensäcke und Schlupflider. Wie entstehen Tränensäcke und Schlupflider überhaupt?

Dr. Peter Pantlen: In jugendlichen Gesichtern kaschieren straffe Haut und gut durchblutetes Bindegewebe mit hohen Anteilen an elastischen und kollagenen Fasern die Knochen am unteren Augenrand. Bekannt ist, dass das Gewebe im Alter schwächer wird und es zu Falten und Hauterschlaffung kommt. Bei Tränensäcken kommt es zur Erschlaffung dieser stützenden, bindegewebigen Strukturen, sodass sich das darunterliegende Fettgewebe etwas vorwölbt. Das nennt man dann im Volksmund Tränensäcke, die jedoch mit Tränen nichts zu tun haben. Veränderungen des Fettgewebes am Unterlid durch Lymphstau oder allgemeine Zeichen des Alters verursachen die unschönen Makel. Auch Schlupflider sind in der Regel eine Alterserscheinung. Muskeln und Gewebe erschlaffen am gesamten Körper, so auch an den Augen. Die Haut ist dann zu dünn und nicht mehr straff genug, sodass Fett und Bindegewebe am Oberlid hervorquellen können. Dadurch entstehen zusätzlich zu hängender Haut Rundungen, die Patienten oft als störend empfinden.

GesünderNet: Inwiefern können Sie hier chirurgisch helfen? Wie sieht die Behandlung aus? 

Dr. Peter Pantlen: Tränensäcke beseitigen wir mithilfe einer Unterlidstraffung. Durch einen kleinen Schnitt unter den Wimpern lässt sich das erschlaffte Muskelgewebe straffen und das vorgewölbte Fettgewebe neu ausrichten. In manchen Fällen reicht es sogar, das Fettgewebe über einen unsichtbaren Schnitt in der Bindehaut zu entfernen, um so die lästigen Tränensäcke loszuwerden. Bereits direkt im Anschluss erkennen Patienten trotz leichter Schwellung eine positive Veränderung. Bei überschüssiger Haut am Oberlid setzen Ärzte einen kleinen Schnitt in die natürliche Lidfalte und entfernen betroffenes Gewebe vollständig. Dadurch öffnet sich der Blick und die Augen wirken wacher. Später liegt die feine Narbe für den Betrachter unsichtbar verborgen und den Patienten plagen keine Schlupflider mehr.

GesünderNet: Wie lange dauert bei einem solchen Eingriff der Heilungsprozess?

Dr. Peter Pantlen: Nach der Entfernung überschüssiger Haut am Oberlid dauert die Heilung rund fünf Tage. Danach kehren Patienten wieder in ihren Alltag zurück. Die feine Narbe, die in der natürlichen Lidfalte liegt, bleibt später für den Betrachter unsichtbar. Die Entfernung von Tränensäcken an den Unterlidern ist etwas aufwendiger und bedarf somit auch einer längeren Regenerationszeit. Hier können Schwellungen und Blutergüsse ca. 14 Tage bestehen. Die Fäden werden nach einer Woche entfernt. Später bleibt nur eine kleine Narbe unter den Wimpern zurück, die nach vollständiger Ausheilung so gut wie unsichtbar ist.

GesünderNet: Sie korrigieren auch Gesichtsfeldeinschränkungen. Was ist hierunter zu verstehen?

Dr. Peter Pantlen: Erschlaffende Augenmuskulatur verursacht Schlupflider, die in ausgeprägter Form zu sogenannten Gesichtsfeldeinschränkungen führen können. Direkt über der Iris hängen Hautlappen und behindern so das Sichtfeld. Durch eine operative Straffung lassen sie sich beseitigen.

GesünderNet: Wann ist eine OP sinnvoll und wann würden Sie eher zu alternativen Methoden wie Gesichtsgymnastik raten?

Dr. Peter Pantlen: Augengymnastik und Massagen helfen an diesen Stellen leider nicht. Das Fett- und Muskelgewebe sitzt zu fest unter der Haut. Mithilfe von kühlen und feuchten Kompressen mit grünem Tee, Kamille oder Gurke lassen sich kleine Schwellungen beseitigen. Frauen können außerdem versuchen, Tränensäcke und Augenringe mit Concealer zu kaschieren. Fühlen sich Betroffene zu stark eingeschränkt, bleibt allerdings nur die ästhetische Korrektur durch den Spezialisten.

GesünderNet: Gibt es bei dem Eingriff Risiken, z. B. für das Augenlicht?

Dr. Peter Pantlen: Wie nach jedem Eingriff kann es zu Infektionen oder Wundheilungsstörungen kommen. Bei akkurater chirurgischer Arbeit und sorgfältiger Nachsorge durch den Patienten treten diese Beschwerden aber sehr selten auf. Außerdem kann es zu Blutergüssen und Schwellungen kommen, da das Gewebe um die Augen sehr empfindlich ist. Schäden am Auge selbst sind äußerst selten.

GesünderNet: Ist der Eingriff mit Schmerzen verbunden?

Dr. Peter Pantlen: Während des Eingriffs betäubt der Arzt die betroffenen Stellen natürlich. Es kann zwar zu kleinen Blutungen oder Blutergüssen kommen, für den Patienten entstehen aber keine Schmerzen. Im Anschluss an die Straffung oder die Entfernung von Fett kann das Gewebe geschwollen sein. Blaue Flecken können zu geringen Schmerzen führen, die aber nach ein paar Tagen wieder verschwinden.

GesünderNet: Gibt es Fälle, bei denen die Krankenkasse die Kosten übernimmt?

Dr. Peter Pantlen: Krankenkassen übernehmen generell keine Eingriffe, die ausschließlich der ästhetischen Korrektur dienen. Ist das Blickfeld jedoch durch herunterhängende Hautlappen beeinträchtigt, liegt eine medizinische Indikation vor, bei der die Krankenkasse die Kosten für den korrigierenden Eingriff übernimmt. Patienten müssen sich diese Gesichtsfeldeinschränkungen vom Arzt attestieren lassen, damit sie eine Kostenübernahme anstreben können.

 

Unser Experte: Dr. Peter S. Pantlen aus Berlin

dr pantlen

Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Mitglied der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) und aktives Mitglied der Organisation Interplast

Fachgebiete: Gesamte Spektrum der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie

Mehr Informationen: www.wieners-pantlen.de

Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team

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