Im Heilstollen durchatmen Maria Poursaiadi

Im Heilstollen durchatmen

Suchen Menschen mit Atemwegserkrankungen Behandlungsmöglichkeiten, dann werden sie unter anderem wohl auf die „Heilstollen-Behandlung“ stoßen. Doch worum handelt es sich bei dieser interessant klingenden Therapie-Möglichkeit? Wir suchten den Heilstollen in Oberzeiring in der österreichischen Region Steiermark auf, um dieser Frage auf den Grund zu gehen.

Der Heilstollen in Oberzeiring ist ein adaptierter Teil eines ehemaligen Silberbergwerks. Bereits im 13. Jahrhundert wurde hier Silber abgebaut. Heute wird der Stollen zur Therapie von Atemwegsleiden genutzt.

Vor allem Patienten mit Lungenerkrankungen besuchen den Kurbetrieb in Oberzeiring. Im Speziellen sind das Patienten mit COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung), Asthma bronchiale oder rezidivierenden (wiederkehrenden) Infekte der Atemwege. Daneben gehen aber auch Menschen mit verschiedenen anderen Krankheiten, wie solche, die Probleme im Bereich Stützungs- und Bewegungsapparat haben, oder Menschen mit Stoffwechselproblemen, in Oberzeiring auf Kur.

Wirkung des Heilstollens

Es sind unterschiedliche Faktoren, die im Heilstollen gegeben sind und seine heilende Wirkung ausmachen. Zum einen enthält die Luft einen erhöhten Anteil von Kalzium-Ionen und Kohlensäure und ist staub- und allergenfrei. Wichtiger ist jedoch die sehr hohe Luftfeuchtigkeit, die bei etwa 98 Prozent liegt. Darüber hinaus liegt die Temperatur im Stollen ziemlich konstant bei 8 Grad Celsius. Das hat den Effekt, dass sich die eingeatmete Luft auf etwa 37 Grad in der Lunge erwärmt. Die dadurch entstehende relativ trockene Atemluft entzieht dem oberen Lungengewebe wiederum Feuchtigkeit. So kann sich der hartnäckige Schleim in Lunge und Bronchien lösen und abgehustet werden. Der erhöhte Kohlensäuregehalt regt dazu die Atemtätigkeit an. Außerdem hemmt die Stollenluft Entzündungen und trägt zur Stabilisierung des Atemsystems bei.

Dauer und Art der Behandlung

Im Durchschnitt verbringen die Patienten 22 Tage im Kurbetrieb Oberzeiring. In dieser Zeit gehen sie von Montag bis Freitag für jeweils eine Stunde in den Stollen. Von der Kurklinik führt ein Aufzug direkt in den Stollen hinab. Man fährt lediglich ein Stockwerk runter und steht dann sofort im Berg. Die Patienten werden warm eingepackt und nehmen in Liegestühlen Platz. Die meisten nehmen sich Musik oder etwas zum Lesen mit. Viele nutzen die Ruhe aber auch, um vor sich hin zu schlummern oder zu meditieren.

Während des gesamten Aufenthalts im Kurbetrieb werden die Patienten von Therapeuten und Kurärzten betreut. Lediglich eine medikamentöse Behandlung bleibt im Kurbetrieb aus.

Die Patienten bringen meist die von ihren Ärzten verschriebenen Medikamente mit. Aber es besteht die Möglichkeit, bei Fragen zu den Medikamenten die Kurärzte anzusprechen. Sollten tatsächlich einmal zusätzliche oder andere Medikamente notwendig sein, dann arbeitet der Betrieb mit einem externen Hausarzt zusammen.

Neben dem regelmäßigen Aufenthalt im Stollen, gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten wie Inhalation, Lymphdrainagen, Klopfmassagen und Fangopackungen.

Allgemein gibt es zudem auch Schulungen zur gesunden Ernährung und körperlicher Betätigung und viele weitere Therapieformen zur Erholung und zur muskulären Entspannung. Hier bietet die hauseigene Saunalandschaft auch eine gute Ergänzung zu der ärztlich-therapeutischen Betreuung.

Erfolg der Behandlung

Wie gut die Therapie anschlägt, ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Natürlich spielt die Schwere der Erkrankung eine entscheidende Rolle. Außerdem hängt der Erfolg der Therapie von weiteren Gegebenheiten wie Alter, Grunderkrankung und Zustand der Atemorgane ab.

Die Patienten, mit denen wir vor Ort sprachen, bestätigten, dass wenige Tage nach den ersten Stolleneinfahrten ein Husten einsetzte, bei dem sich der Schleim in den Atmungsorganen nach und nach löste.

Am besten reagieren Kinder auf die Behandlung. Es heißt, dass einige Kinder gänzlich von Asthma befreit wurden. Hier handelte es sich jedoch um Fälle, bei denen die Kinder drei bis vier Jahre lang den Heilstollen in den Sommerferien besuchten.


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Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team

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