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Reizdarm: Heilung möglich?

Über 10% der Deutschen leiden am Reizdarm-Syndrom. Bis jetzt konnten die Ärzte zwar die Symptome lindern, die Krankheit selbst galt aber als nicht heilbar. Wissenschaftler haben nun entdeckt, dass hochdosierte Milchsäure-Bakterien helfen könnten.

Das Reizdarm-Syndrom ist seit Jahren ein Rätsel der modernen Medizin. Zwar leiden die Patienten an Symptomen wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung, doch eine organische Ursache dafür fehlt.

Darmspiegelungen, Ultraschall, Stuhl-, Blutuntersuchungen sowie Analysen zu Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten bringen ebenfalls kein Ergebnis. Vermutlich ist eine gestörte Funktion des Verdauungstrakts für die Schmerzen verantwortlich. Ärzte und Wissenschaftler vermuten aber, dass auch psychische Einflüsse wie Stress eine Rolle spielen.

Aus noch unbekannten Gründen wird ein Reizdarm bei Frauen doppelt so oft wie bei Männern diagnostiziert. Ein Grund könnte sein, dass Frauen häufiger zum Arzt gehen. Möglicherweise liegt es auch an dem Einfluss von Geschlechtshormonen auf die Darmsymptomatik. Meistens tritt ein Reizdarm-Syndrom im Alter von 20 bis 30 Jahren zum ersten Mal auf.

Auch wenn die Beschwerden das Allgemeinbefinden stark beeinträchtigen können, sind sie nicht bösartig oder ansteckend. Die teilweise ein Leben lang andauernden Probleme erhöhen auch weder das Darmkrebs-Risiko, noch senken sie die Lebenserwartung.

Milchsäure-Bakterien wecken Hoffnung

Das Reizdarm-Syndrom kann bis jetzt nicht dauerhaft geheilt werden. Therapien versuchen lediglich die Beschwerden durch Ernährungsumstellung und eine Umstellung der Lebensweise zu lindern. Sport, Verzicht auf Alkohol und Zigaretten, wenig Partys. Eine Untersuchung am Israelitischen Krankenhaus in Hamburg macht Betroffenen aber neue Hoffnung.
 
Hochdosierte Milchsäure-Bakterien sollen der Studie zufolge nicht nur die Symptome lindern, sondern auch die Krankheit an sich bekämpfen.

Die Milchsäure-Bakterien bilden demnach einen Art „Schutzbeschichtung“ auf der Darmschleimhaut. Dadurch können sich Durchfallerreger oder andere Substanzen nicht an der Darmschleimhaut anheften. Lactobazillen regenerieren zudem die Darmflora und stärken die Abwehrkräfte der Darmschleimhaut des Betroffenen.

Schnelle, positive Effekte

Der Münchner Arzt Dr. Martin Gschwender beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit dem Thema Darmgesundheit. Er hält die Methode mit den Milchsäuren-Bakterien speziell in der heutigen Zeit für sinnvoll.

„Durch unsere moderne Lebens- und Ernährungsweise, zum Beispiel Konservierungsstoffe, Zucker, Antibiotika, wird die Flora massiv reduziert und geschädigt. Unser Körper ist heute meist nicht mehr in der Lage diese Schieflage selbstständig zu stabilisieren.“, meint Dr. Gschwender.

Die positive Auswirkung der Milchsäure-Bakterien zeigte sich in der Studie bereits in der ersten Therapiewoche. Bei fast der Hälfte der Probanden sank die Stuhlfrequenz um mindestens 25 Prozent.  Nun sollen weitere Studien helfen, die Effizienz der Milchsäure-Bakterien zu erhöhen.

Ernährung umstellen

Bewährte Tipps, um das Auftreten des Reizdarm-Syndroms zu reduzieren, gibt es bereits. So führt bei einem Großteil der Reizdarm-Betroffenen das Essen zu starken Bauchschmerzen oder zum dringenden Toiletten-Besuch. Daher sollte man darauf achten mehrere kleinere Mahlzeiten statt einer großen Portion zu sich zu nehmen.  Schnelles Essen und hastiges Herunterschlucken sollten dabei Tabu sein.

Des Weiteren ist es ratsam koffeinhaltige Getränke, Zigaretten sowie Stress und hitzige Debatten beim Essen zu vermeiden. Einigen Reizdarm-Patienten hilft dazu regelmäßige Bewegung, um mit ihren Beschwerden besser umgehen zu können.

Dr. Geschwender fügt jedoch hinzu: „Bis heute gibt es noch nicht die eine Methode zur Therapie oder zur Behandlung eines Wiederauftretens der Problematik. Eine sinnvolle Ernährung - arm an potentiellen Problemstoffen wie Zucker, Alkohol, Gluten, Glutamat kann hier wertvolle Dienste leisten."

Wärme hilft gegen Schmerzen

Sollte der Schmerz einmal dennoch auftreten, gibt es ein paar hilfreiche Mittel, um den gereizten Bauch zu entkrampfen.  

Zum Beispiel lässt sich die entspannende Wirkung von Wärme gut nutzen, indem man eine heiße Wärmeflasche in ein Tuch wickelt und anschließend auf den Bauch legt. Eine Tasse warmer Tee und ein Entspannungsbad mit Lavendel- oder Melissenöl können ebenfalls zur Schmerzlinderung beitragen.

Weitere Informationen zum Thema Reizdarm gibt es hier.

Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team

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