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Typische Sportverletzungen: Schultereckgelenksprengung nach Sturz (Tossy III)

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Die Schultereckgelenkssprengung gehört zu den typischen Sportverletzungen nach Stürzen. Sie kommt in Kontaktsportarten genauso vor wie beim Radfahren oder Snowboarden. Hier erfährst du, welche Behandlungsmethoden und Reha-Maßnahmen sinnvoll sind.

Operativ oder doch lieber konservativ - wie bei vielen anderen Sportverletzungen auch streiten Fachärzte bei der Behandlung von Schultereckgelenksprengungen über die richtige Methode. Die Frage lässt sich allerdings nicht eindeutig beantworten, weil es in jedem Fall Vor- und Nachteile gibt.

Und natürlich spielen auch der Schweregrad der Verletzung sowie die körperliche Aktivität des Betroffenen eine entscheidende Rolle. Unter einer Schultereckgelenkssprengung versteht man den Abriss oder Teilabriss der sichernden Bänder im Acromio-Clavicular-Gelenk (AC-Gelenk) also dem Gelenk zwischen Schlüsselbein und Schulterhöhe.
 

Diagnose

Bei der Schultereckgelenksprengung kommt es zum typischen Hochstand des Schlüsselbeines (Klaviertastensymptom). Das AC-Gelenk wird von drei Bändern gesichert. Je nach dem wie viele Bänder abgerissen sind, ragt das Schlüsselbein weiter raus. Früher wurde die Einheit Tossy (I bis III) zur Einteilung des Schweregrades verwendet, heute ist in der Medizin die Einteilung nach Rockwood (I bis V) geläufiger.
 
Für die eindeutige Diagnose sollte der Arzt aber nicht nur auf das Klaviertastensymptom achten, sondern bildgebende Verfahren zur Absicherung einsetzen. Erst im Röntgen oder MRT werden auch mögliche Begleitverletzungen sichtbar.
 
Sind nicht alle Bänder gerissen, verzichten Fachärzte eher auf eine Operation, da ein Eingriff in ein Gelenk immer mit Risiken verbunden ist. Außerdem ist hinterher die Stabilität bei beiden Methoden ähnlich, zumal die gerissene Bänder wieder zusammenwachsen können.

Sind allerdings alle drei Bänder gerissen, bleibt das Schlüsselbein in luxierter Stellung. Es ist quasi ausgekugelt und lässt sich muskulär nicht vollständig fixieren. Der Hochstand (Klaviertaste) bleibt lebenslang bestehen. Das bedeute aber nicht automatisch, dass die Stabilität der Schulter bei konservativer Behandlung nicht gegeben ist.
 

Es gibt verschiedene OP-Methoden

Wer weniger sportlich aktiv ist, fährt mit möglicherweise mit der konservativen Methode besser. Leistungssportler aus Sportarten mit hoher Schulterbelastung sollten sich dagegen genau überlegen, ob eine OP nicht angebracht ist. Zumal es bei nicht-operativer Behandlung zeitnah zur Ausbildung einer Pseudoarthrose kommt.
 
Für eine Operation stehen heute verschiedene Methoden zur Wahl. Die früher übliche Methode wird von führenden Schulterspezialisten aber nicht mehr eingesetzt. Dabei wird die Schulter mit einem großen Schnitt geöffnet und von oben eine Hakenplatte in Schlüsselbein und Acromion geschraubt, um die Schulter zu fixieren. Das soll dazu führen, dass die Bänder wieder zusammenwachsen können.

So lange diese Platte aber in der Schulter steckt, ist man nur eingeschränkt bewegungsfähig und die Reha verzögert sich. Außerdem muss die Platte in einer zweiten Operation wieder entfernt werden. Erst danach darf der Arm wieder über 90-Grad gehoben werden. Die Reha verzögert sich dadurch immens.
 

Flaschenzug im Gelenk

Bei der moderneren OP-Methode wird die Schulter mit der so genannten Tight-Rope-Technik fixiert. Der Eingriff erfolgt dabei minimalinvasiv mittels Arthroskopie. Dabei bringt der Operateur lediglich einen kleinen Schnitt oberhalb des Schlüsselbeines an.

Durch den Schnitt in der Schulter wird dann ein 4mm-Loch durch Schlüsselbein und Rabenschnabelfortsatz gebohrt. Durch beide Löcher wird ein Band gespannt, welches durch Titanknöpfe stabilisiert wird. Dieses Flaschenzug-Konstrukt sichert die Schulter und bleibt ein Leben lang im Gelenk. Eine zweite Operation entfällt bei dieser Methode.

Der entscheidende Vorteil dieser Methode ist aber, dass sowohl die Ausbildung einer Arthrose reduziert wird und die Bänder des AC-Gelenkes wieder zusammenwachsen können, sofern die OP in den ersten 10-Tagen nach dem Unfall durchgeführt wird. Auch der Schulterhochstand wird so entfernt.
 
Unmittelbar nach dem Eingriff kann zudem die Reha beginnen. Etwa 6 Wochen nach der Operation sollten die Bänder ausreichend vernarbt sein, um die volle Beweglichkeit der Schulter zu erreichen. Die volle Belastbarkeit ist aber frühestens nach einem halben Jahr gewährleistet. Dafür muss man aber unbedingt zur Physiotherapie, um die Schulter frühzeitig zu mobilisieren und ein Versteifen des Gelenks zu verhindern.
 
Regelmäßige Physiotherapie und Mobilisations- und Kräftigungsübungen zu Hause sind die Bedingung, dass man möglichst schnell wieder uneingeschränkt seinem Sport nachgehen kann. Bei Bandverletzungen muss man dennoch Geduld mitbringen und auf seinen Körper hören.