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Die 7 hartnäckigsten Irrtümer über Depressionen

Neben Angststörungen sind Depressionen die häufigste psychische Erkrankung hierzulande. Vieles was darüber zu hören oder zu lesen ist, entspricht aber nur bedingt der Wahrheit. Dr. Thorsten Bracher, Chefarzt der Schlossparkklinik Dirmstein, erklärt die häufigsten Irrtümer und Mythen.
Ca. vier Millionen Menschen leiden hierzulande unter Depressionen (lat. deprimere = niederdrücken). Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO ist jeder Zehnte rund um den Globus betroffen. Über die entscheidenden Ursachen der Schwermut sind sich die Forscher im Detail noch nicht ganz einig. Der wesentliche Grund dafür liegt in der Komplexität unseres Gehirns. „Mit seinen rund 100 Milliarden Neuronen ist es bis heute wissenschaftliches nur teilweise entschlüsselt“, weiß Dr. Thorsten Bracher, Chefarzt der Schlossparkklinik Dirmstein. Für noch mehr Verwirrung sorgen viele Mythen und Irrmeinungen zum Thema Trübsinn. Hier einige der hartnäckigsten „Falschaussagen“:

Irrtum 1: Depression ist keine Krankheit.

„Im Gegenteil, Depressionen sind eine Volkskrankheit, deren Schwere sehr häufig unterschätzt wird“, stellt Dr. Bracher klar. „Im Gegensatz zu Verstimmungen, unter denen viele Menschen vor allem in der trüben Jahreszeit leiden, können Depressionen Monate und Jahre andauern“, erläutert der Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie. Typisch sind tiefe Niedergeschlagenheit, Antriebs- und Hoffnungslosigkeit sowie weitere belastende Beschwerden. Kommt es zu einem extremen Wechsel zwischen depressiven Phasen und Hochgefühlen, so steckt dahinter eventuell eine sogenannte Bipolare Störung. Aufgrund des heftigen Auf und Ab der Gefühle wurde dieses Leiden früher auch als manisch-depressive Erkrankung bezeichnet.

Irrtum 2: Nur sensible Menschen leiden unter Depressionen.

Depressionen erleiden keineswegs nur besonders sensible oder labile Menschen. Treffen kann es jeden - Kinder ebenso wie alte Menschen. „Man geht davon aus, dass jeder Fünfte in seinem Leben einmal von einer Depression betroffen ist“, erklärt Dr. Bracher. „Bei Männern sind es etwa zehn, bei Frauen um die 25 Prozent.“ Sicher ist, dass nicht nur die genetische Veranlagung eine Rolle spielt. Vielmehr ist das Zusammenspiel bzw. die Wechselwirkung biologischer Faktoren (Hirnstoffwechselstörungen) und psychosozialer Momente (Jobverlust, Trennung, familiäre Belastungen und Konflikte etc.) entscheidend. Besonders hoch ist das Risiko, an einer Depression zu erkranken, bei Menschen mit schweren oder einschränkenden körperlichen Leiden.

Irrtum 3: Depressionen äußern sich nur psychisch

Typische Symptome sind unter anderem Niedergeschlagenheit und Trauer, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwäche. Doch auch körperlich bringt diese psychische Störung nicht selten erhebliche Probleme mit sich. „Manchmal verbergen sich hinter Magen- oder Darmbeschwerden, Schwindel sowie Kopf- und Rückenschmerzen starke Depressionen“, so Dr. Bracher.

Irrtum 4: Depressionen sind stets die Folge schwerer Schicksalsschläge.

Tatsache ist, dass der Erkrankung oft sehr belastende Ereignisse vorausgehen. Das können der Tod des Ehepartners oder die berufliche Kündigung sein. „Doch es ist längst nicht immer der schwere Schicksalsschlag, der uns in ein tiefes Loch fallen lässt“, gibt der Facharzt zu Bedenken. „Auch chronische Überforderungen im Job, kleinere Veränderungen in Beruf oder Familie können Auslöser einer Depression sein.“

Irrtum Nr. 5: Ein frohes Gemüt schützt vor Depressionen

Ob „rheinische Frohnatur“ oder tiefsinniger Grübler – vor Depressionen ist niemand gefeit. „Einen sicheren Schutz davor gibt es nicht“, betont Dr. Bracher. „Allerdings lassen sich die Risiken durch ein funktionierendes soziales Netzwerk mit guten Freunden sowie abwechslungsreichen Hobbys senken.“ Sport und viel Bewegung an der frischen Luft können regelrecht antidepressiv wirken. Und auch ausreichende Entspannung wirkt einem Stimmungstief entgegen. „Hohe Leistungsorientierung oder der Hang zum Perfektionismus können hingegen das Depressions-Risiko erhöhen“, warnt der Experte.

Irrtum Nr. 6: Antidepressiva verändern die Persönlichkeit

In der Regel umfasst die Behandlung einer mittleren bis starken Depression neben der psychotherapeutischen Unterstützung auch Psychopharmaka (Antidepressiva). Diese machen – entgegen vieler Mutmaßungen - nicht abhängig und verändern auch nicht die Persönlichkeit. Eigentlich ist es eher umgekehrt: Dank der Medikamente lässt sich das chemische Gleichgewicht im Gehirn wieder herstellen. Im optimalen Fall ist der Patient anschließend symptomfrei. Unbehandelt hingegen kann die Depression chronifizieren und sich dadurch Persönlichkeit und Verhalten des Betroffenen dauerhaft verändern.

Irrtum 7: Depressionen gehen von alleine wieder

Das ist natürlich der Wunsch vieler Betroffener. Doch unbehandelt vergehen viele Depressionen nicht von alleine. Deshalb sollte der Hausarzt aufgesucht werden, wenn die depressive Verstimmung länger als 2-4 Wochen anhält. Dieser kann beurteilen, ob psychotherapeutische oder psychiatrische Hilfe erforderlich ist. Eine therapeutische Behandlung dauert oft Monate. Doch es lohnt sich: „Je früher die Behandlung beginnt, desto schneller und effektiver können die Beschwerden in der Regel behoben werden“, so Dr. Bracher. Es kommt wieder zu mehr Lebensfreude und psychischer Stabilität. Wiederholungen der depressiven Phasen sind aber nicht ausgeschlossen.

Weitere Informationen: schlosspark-klinik-dirmstein.de

Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team

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