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Periodontitis – macht Herzinfarkte wahrscheinlicher

Warum ist Zahngesundheit so wichtig, wenn es um das Herz geht? Prof. Dr. med. Curt Diehms Gastbeitrag der Woche.
Periodontitis ist eine bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparats, die nach einer Entzündung des Zahnmarks über den Wurzelkanal fortgeleitet wird. Meist ist die Ursache ein kariöser Defekt.

In einer großen schwedischen Fallstudie zeigt sich jetzt, dass Patienten mit einem ersten Herzinfarkt in 43 Prozent der Fälle Periodontitis aufwiesen (Kontrollgruppe 33 Prozent). Dies berichteten die Forscher des Karolinska University Hospital  Dr. Lars Ryden und Professor Björn Klinge von der Malmö Universität in Schweden am 13. Januar 2016.

International wird diese Studie als weitere Evidenz dafür angesehen, dass Zahngesundheit ein wichtiger protektiver Faktor für das Auftreten einer koronaren Herzkrankheit ist. Die Experten empfehlen nach dem Auftreten eines akuten Koronarsyndroms unbedingt die Abklärung des Zahnstatus. Vice versa sollten Zahnärzte daran denken, dass sie Patienten mit einer ausgeprägten Periodontitis vorsorglich zum Kardiologen überweisen.

In den USA und wahrscheinlich auch in Europa haben Patienten über 30 Jahre in mehr als der Hälfte eine ausgeprägte Periodontitis, also eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparates. Mehr als 50 Publikationen der letzten 25 Jahre haben Zusammenhänge zwischen chronischer Periodontitis und der Häufigkeit von Herz–Kreislauf Erkrankungen ergeben. Die Studien waren zum großen Teil aber relativ klein und die Parodontitis war oft ungenau dokumentiert.

In der jetzt veröffentlichten Parokrank-Studie wurden 805 Patienten unter 75 Jahren aufgenommen, die einen ersten Herzinfarkt in 17 schwedischen Krankenhäusern zwischen 2010 und 2014 diagnostiziert und behandelt bekamen. Initial wurden alle Studienteilnehmer klinisch untersucht, es wurden Labortests gemacht und die Patienten mussten ausführliche Fragebögen unter anderem über Vorgeschichte, Familienanamnese und Depressionen ausfüllen. Alle Patienten wurden auch zahnärztlich untersucht und erhielten eine Panoramaaufnahme der Zähne. Die Patienten waren im Durchschnitt 62 Jahre alt, 81 Prozent waren männlich.

Zum Studienbeginn hatten mehr Patienten als Kontrollen eine manifeste Diabetes mellitus. In der Herzinfarkt-Gruppe waren mehr Raucher beziehungsweise frühere Raucher. Auch der soziale Status war niedriger. Nach Adjustierung aller begleitenden Risikofaktoren hatten Patienten mit einer manifesten Periodontitis ein deutlich höheres Herzinfarkt-Risiko. Rauchen und Diabetes sind dabei die Hauptrisikofaktoren für Periodontitis.
 
Die Botschaft der Autoren für die Patienten lautet: Hört auf zu Rauchen und lasst nach Eurem Herzen sehen.
Regelmäßiges intensives Zähneputzen und die sorgfältige Reinigung der Interdentalräume mit Zahnseide oder Bürstchen können die Entstehung einer Gingivitis (Zahnfleischentzündung) zuverlässig verhindern. Die Gingivitis ist meist eine Vorstufe der Periodontitis. Eine lebenslange Zahnpflege beugt also Herzerkrankungen vor.

Der Autor

Prof. Dr. med. Curt Diehm zählt zu den führenden Medizinern im Südwesten Deutschlands, er ist Autor zahlreicher Fach- und Patientenbücher und langjähriger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin. Seit Mitte 2014 leitet er als Ärztlicher Direktor die renommierte Max Grundig Klinik in Bühl. Alle Beiträge dieser Serie zum Nachlesen unter www.max-grundig-klinik.de.






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