Schlaf-Special: Teil 3 – Welche Arten von Schlafstörungen gibt es? www.thinkstock.de

Schlaf-Special: Teil 3 – Welche Arten von Schlafstörungen gibt es?

Schlecht einschlafen, nicht durchschlafen, morgens zu früh aufwachen, am Tage immer wieder weg dösen – Schlafprobleme haben viele Gesichter und zahlreiche Ursachen. Im dritten Teil unseres Schlaf-Specials befassen wir uns genauer mit den unterschiedlichen Arten von Schlafstörungen. Dipl.-Psychologe Benjamin Martens von psycheplus erklärt, welche Schlafstörungen es gibt und wie sie den Alltag beeinflussen können.

Ein Deutscher verbringt durchschnittlich ein Drittel seines Lebens mit Schlafen. Das ist auch notwendig, denn der Schlaf liefert Zeit zum Erholen und Regenerieren. Laut einer Untersuchung des Robert Koch-Instituts leiden etwa 25 Prozent der erwachsenen Deutschen an einer Schlafstörung. Weitere 11 Prozent erleben ihren Schlaf als nicht erholsam. Bei einer Schlafstörung können die verschiedenen Schlafphasen meist nicht richtig erlebt werden.

„Wenn Sie seit über einem Monat, an drei oder mehr Nächten in der Woche keinen durchgehenden, erholsamen Schlaf finden und sich tagsüber müde und kraftlos oder auch nervös und gereizt fühlen, spricht man der Regel von chronischen Schlafstörungen“, erklärt Dipl.-Psychologe Benjamin Martens. Auch wenn man selbst den Eindruck hat, gut zu schlafen, aber unter einer starken Tagesmüdigkeit leidet, kann das ein Hinweis auf eine gestörte Nachtruhe sein.

Welche Schlafstörungen gibt es?

Schlafstörungen treten häufig in Zusammenhang mit einer anderen psychischen Störung, wie beispielsweise Depression oder Angststörung, auf. Sie können aber auch als körperliche Erkrankung oder aufgrund von Alkohol- und Drogenmissbrauch auftreten. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Schlafstörungen, die als Symptome im Rahmen einer anderen psychischen Störung in Erscheinung treten (nichtorganisch) und Schlafstörungen, die als eigenständige Erkrankung diagnostiziert werden (organisch).

Nichtorganische Hypersomnie

Bei der nichtorganischen Hypersomnie handelt es sich um übermäßige Müdigkeit.

Wesentliches Merkmal der Hypersomnie ist eine übermäßige Schlafneigung oder Schlafanfälle während des Tages, die nicht durch einen Mangel an Schlaf erklärbar sind. Sie kann sich aber auch in einer verlängerten Übergangszeit vom Aufwachen zum völligen Wachzustand bemerkbar machen.

Die Schlafstörung kann zu einer enormen Belastung im Beruf oder in sozialen Bereichen führen. So kann es passieren, dass Betroffene zu spät zur Arbeit kommen oder ihren Verpflichtungen aufgrund der Schläfrigkeit nur unzureichend nachkommen können. Von Freunden und Verwandten wird die übermäßige Schläfrigkeit fälschlicherweise auch als Langeweile oder Faulheit interpretiert.

Nichtorganische Insomnie

Bei der nichtorganischen Insomnie handelt es sich um Schlaflosigkeit. Betroffene haben Probleme beim Einschlafen, können nicht ausreichend lang schlafen und beklagen sich über eine mangelnde Schlafqualität.

Bei der Diagnose ist darauf zu achten, dass sich die Schlafkontinuität und -tiefe mit fortschreitendem Alter naturgegeben verschlechtern können und dass die benötigte Schlafdauer von Mensch zu Mensch variieren kann. Das Problem bei Patienten mit Insomnie ist, dass sie sich überwiegend mit der Schlafstörung und deren negativen Konsequenzen beschäftigen, wodurch eine Art Teufelskreis entsteht. Je mehr sich die Person darum bemüht zu schlafen, desto verzweifelter und belasteter ist sie und umso schwieriger wird es zu schlafen.

Die ungenügende Schlafdauer wirkt sich negativ auf die Alltagsaktivitäten des Betroffenen aus. Die übermäßige Beschäftigung mit den Schlafproblemen, die Reizbarkeit und die verminderte Konzentration können zu sozialen und beruflichen Problemen führen. Nicht selten greifen Betroffene zu Medikamenten, um ihr Schlafproblem in den Griff zu bekommen: Schlafmittel oder Alkohol, um besser einzuschlafen und Koffein bzw. andere anregende Stoffe, um die Müdigkeit tagsüber zu bekämpfen.

Es gibt Betroffene, die nur in einer Phase von einigen Monaten, meist ausgelöst durch eine Belastungssituation, an einer Schlafstörung leiden. Bei über der Hälfte der Betroffenen hält die Symptomatik jedoch länger als ein Jahr an.

Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus

Eine Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus ist dadurch gekennzeichnet, dass Betroffene einen anderen Schlaf-Wach-Rhythmus haben, als es in ihrer Gesellschaft normal ist.

Die Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus kann psychische Ursachen haben, aber auch medizinisch begründet sein. Bei beispielsweise Schichtarbeitern oder Personen, die von Jetlag betroffen sind, ist die Schlafstörung biologischer Natur.

Auslöser für diese Art der Schlafstörung kann eine psychosoziale Belastung sein. Ohne eine entsprechende Behandlung hält die Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus über Jahre oder sogar Jahrzehnte hinweg an. Eine Behandlung kann zwar den Rhythmus zumindest für eine gewisse Zeit normalisieren, meist bleibt bei den Betroffenen jedoch eine Anfälligkeit für verspätetes Einschlafen bestehen.

Pavor Nocturnus

Der Pavor Nocturnus, oder auch Nachtangst genannt, ist gekennzeichnet durch nächtliche Episoden intensiver Angst, aus denen der Betroffene voller Panik aus dem Schlaf aufschreckt.

Viele Betroffene schrecken mit lautem Schreien aus dem Schlaf auf, sitzen senkrecht im Bett, sind nicht ansprechbar und wirken sehr ängstlich. Oft können sich die Patienten danach nicht mehr an den Vorfall erinnern. Zu den weiteren Symptomen zählen eine erhöhte Herzfrequenz, beschleunigte Atmung, Verwirrtheit sowie Schweißausbrüche.

Am häufigsten tritt diese Schlafstörung bei Kindern zwischen dem vierten und zwölften Lebensjahr auf. Erwachsene leiden deutlich seltener unter Pavor Nocturnus. Ausgelöst werden kann die Nachtangst durch Stresssituationen am Tag, egal ob positiver oder negativer Art. Hier finden Sie mehr zum Thema Nachtangst.

Im vierten Teil des Schlafspecials möchten wir uns detailliert mit den verschiedenen Therapiemöglichkeiten von Schlafstörungen befassen. An wen kann man sich bei chronischen Schlafstörungen wenden und wie kann ich meine eigene Schlafhygiene verbessern? In diesem Zusammenhang gibt es dann auch ein paar einfache Tipps von unserem Experten.

Mehr Informationen zum Thema Schlaf sowie anderen psychologischen Themen erhaltet Ihr auf www.psycheplus.de.

Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team
 

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