Kuriose Phobien – Teil 4: Die Nachtangst fhmedien_de - Fotolia.com

Kuriose Phobien – Teil 4: Die Nachtangst

„Die Angst ist für uns Menschen lebenswichtig und unverzichtbar, ohne sie wüssten wir nicht einmal, was Vorsicht ist“. Dieser Feststellung des Schriftstellers Horst Rehmann kann man sicherlich ohne weiteres zustimmen. Doch was tun, wenn die Angst krankhafte Formen annimmt? Wenn sie weit über jede Vorsicht hinausgeht und allgegenwärtig wird? Für gesunde Menschen ist es manchmal nicht nachvollziehbar, warum und wovor Phobiker Angst haben. Wir versuchen, Erklärungen zu finden. Heute geht es um die Angst vor der Dunkelheit.

Nachtangst, auch als Nyktophobie bezeichnet, ist die unbegründete Angst vor der Dunkelheit. Man kann sich nicht mehr auf seine visuelle Wahrnehmung verlassen, was einerseits eine starke Hilflosigkeit darstellt und zudem auch Einsamkeit und Ausweglosigkeit suggeriert. Die Betroffenen fürchten sich davor, dunkle Orte zu betreten. Nachts lassen sie eine Lichtquelle brennen, damit sie ihre Umgebung klar wahrnehmen können. Die meisten suchen vor Einbruch der Dunkelheit einen sicheren Ort auf und verlassen diesen auch nicht mehr, ehe es hell wird.

Nachtangst kann sich jedoch auch anders äußern. Es gibt Formen, bei denen die Betroffenen zwar problemlos einschlafen, doch plötzlich mit Herzklopfen aufschrecken. Die meisten haben keine Ahnung, wo sie sich befinden und warum sie so verängstigt sind. Haben sie sich wieder beruhigt, können sie zumeist erstaunlich gut einschlafen und erinnern sich auch nicht mehr an die Vorfälle der Nacht, wenn man sie später danach befragt.

Die Angst vor der Nacht und bei Dunkelheit nicht einschlafen zu wollen, so sagt die Evolutionspsychologie, ist tief in jedem Menschen verwurzelt. Sie reicht zurück in die Urzeit, wo unsere Vorahnen noch in Wäldern lebten. Umgeben von nachtaktiven Raubtieren, bedeutete der Einbruch der Dunkelheit extreme Anspannung für sie. Hinter jedem Busch und jedem Unterholz konnten „Monster“ hervorspringen, die einem nach dem Leben trachteten. Deswegen flüchteten unsere Vorfahren zur Schlafenszeit auch in Höhlen oder auf Bäume hinauf und hielten abwechselnd Wache, damit die anderen in Sicherheit schlummern konnten.

Daher kennt auch jedes Kind die Nachtsangst. Wer erinnert sich nicht an sein persönliches „Monster“ im Schrank oder unter dem Bett? Die meisten überwinden diese Angstform mit dem Älterwerden. Lässt sie sich bei Erwachsenen weiterhin diagnostizieren, liegen sehr wahrscheinlich andere phobische Störungen vor.

Tatsächlich scheinen bei den meisten Betroffenen andere Ängste mit dem Erwachsenenalter in den Vordergrund treten, die letztendlich in der Situation der Dunkelheit verstärkt werden, weil gerade mit ihr viele Dinge assoziiert werden.

Wie sich eine solche Phobie bei einem Erwachsenen ausdrücken kann, liest man unter anderem in unterschiedlichen Foren. Im Forum der „www.gofeminin.de“ beispielsweise haben Mitglieder zum Thema „Angst vor der Dunkelheit“ ganz unterschiedliche Einschätzungen. Ein Mitglied schreibt, dass es als Kind einmal von anderen Kindern in ein Zimmer geschubst wurde. Sie machten das Licht aus und sperrten es ein. Hier spielt die Angst davor gefangen zu sein möglicherweise eine übergeordnete Rolle. Andere Mitglieder sprechen vor der Angst vor Geistern und gruseligen Wesen, die sie in der Dunkelheit fürchten. Einige führen ihre Ängste auf Horrorfilme zurück, die sie gesehen haben. Bestimmte Bilder aus diesen Filmen würden bei Dunkelheit in ihnen hervorgerufen und verängstigten sie. In ihrer Panik vor dem unsichtbaren Etwas meinen viele, Geräusche zu hören oder bilden sich sogar Dinge ein, wie Umrisse, die sich in der Dunkelheit bewegen. Allen Erzählungen ist es gemein, dass die Betroffenen sich nicht trauen, bei Dunkelheit einzuschlafen. Sie vermeiden es überhaupt, in der Dunkelheit zu sein.

Ob es sich bei den Betroffenen um eine Nachtangst im medizinischen Sinne handelt oder nur um eine vorrübergehende Situation, kann letzten Endes allein ein gelernter Psychologe feststellen. Wie bei jeder psychischen Störung, gibt es auch bei der Nachtangst verschiedene Ursachen. Sie kann möglicherweise durch ungelöste psychische Konflikte entstehen oder auf einem traumatschen Erlebnis beruhen. Auch bestimmte Psychopharmaka können angstauslösende Nebenwirkungen hervorrufen, die sich unter anderem in der Nachtangst manifestieren. Die Gründe, warum man Angst von der Dunkelheit haben kann sind so zahlreich wie ihre Behandlungsarten.

In verschiedenen Elternratgebern findet man beispielsweise den Tipp, dass man Kindern eine Lichtquelle vor ihrem inneren Auge schaffen sollte. So soll etwa die Vorstellung einer großen, strahlenden, freundlichen Sonne helfen, die Angst vor der Dunkelheit abzubauen.

Bei einer psychologischen Therapie ist es zu Beginn wichtig herauszufinden, welche Ursachen die Nachtangst hat und woher sie rührt. Ansätze der Therapie finden sich unter anderem im Erlernen von Bewältigungsstrategien. Diese werden unterstützt von Entspannungstechniken, die den unterschiedlichen Körperreaktionen bei aufkommender Panik entgegenwirken und dem Betroffenen mehr Kontrolle über sich selbst verleihen. Erwachsenen, die nachts plötzlich aufschrecken, wird unter anderem nahegelegt ein Schlaflabor aufzusuchen.

Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team
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