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Schöne Träume - Was ist Melatonin?

Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus des Körpers steuert. Derzeit wird das Melatonin in den USA als Schlafmittel und „Quelle für Jugend und Gesundheit“ gefeiert. Beweise für die meisten dieser Heilkräfte muss die medizinische Forschung allerdings erst noch liefern.

Für die Produktion und Ausschüttung von Melatonin ist die Zirbeldrüse des Gehirns (Epiphyse) zuständig. Sie stellt das Hormon aus der Aminosäure Tryptophan her und richtet sich dabei nach dem Hell-Dunkel-Zyklus: Während die Melatonin-Produktion bei starkem Lichteinfall auf die Netzhaut des Auges gehemmt wird (tagsüber), steigt sie mit zunehmender Dunkelheit an (nachts). Zwischen zwei und drei Uhr nachts erreicht der Melatonin-Spiegel im Blut des Menschen seinen Höchstwert und nimmt bis zum Morgen hin wieder ab.

Rückgang der Melatonin-Produktion im Alter

Die Melatonin-Produktion ist aber auch vom Alter des Menschen abhängig. Höchstwerte des Hormons wurden bei drei Monate alten Säuglingen während der Nacht gemessen. Ab einem Alter von ca. 25 Jahren nimmt die Herstellung von Melatonin rapide ab. Ein Zusammenhang mit der höheren Schlafdauer von Kindern und Jugendlichen (9-11 Stunden pro Tag) im Vergleich zu der von Erwachsenen (6-8 Stunden) ist nicht von der Hand zu weisen. Die Vermutung, dass die zunehmende Häufigkeit von Schlafstörungen im höheren Alter ebenfalls mit der abnehmenden Fähigkeit der Melatonin-Herstellung in Verbindung steht, liegt nahe, ist allerdings aus wissenschaftlicher Sicht nicht erwiesen.

Das Schlafhormon Melatonin

Nachgewiesen ist jedoch die schlaffördernde Wirkung von Melatonin. Sowohl die Schlafeffizienz als auch die Einschlafzeit soll positiv beeinflusst werden. Immer mehr Menschen greifen auf Melatonin-Mittel zurück, um Jetlag oder stressbedingten Schlafstörungen entgegenzuwirken. Denn Melatonin kann dem Körper auch von außen in Form von Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln zugeführt werden. Während das Hormon in den USA in Pillenform frei verkäuflich ist, bekommt man es hierzulande nur auf Rezept in Apotheken. Zurecht – denn bezüglich der Unbedenklichkeit der Einnahme von Melatonin, insbesondere bei einer dauerhaften Einnahme, gibt es noch keine klaren Ergebnisse.

Eine Alternative zur künstlichen Melatonin-Substitution ist die Zufuhr von speziellen Milchkristallen. Dabei hat man eine Methode entwickelt, wie der Melatoningehalt in der Kuhmilch auf natürliche Weise angereichert wird. An die Tiere werden dabei spezielle Pflanzen verfüttert, in denen die Aminosäure Tryptophan steckt, welche wie oben beschrieben zur Herstellung von Melatonin benötigt wird. Außerdem kommen die besagten Tiere in den Genuss von „Bio-Licht“ (Beleuchtung, die den natürlichen Lichtverhältnissen im Tag/Nachtverlauf entspricht), welches die Melatonin-Produktion weiter anheben soll. Dann werden die Kühe zum speziell berechneten Zeitpunkt der höchsten Melatoninkonzentration in der Milch gemolken, also nachts. Der Verzehr der so gewonnenen Nacht-Milchkristalle soll nicht nur den Melatoninspiegel des Menschen direkt anheben, sondern auch die Eigenproduktion des Hormons durch die Tryptophanzuführung erhöhen.

Wunderwaffe Melatonin?

Neben der Schlafförderung soll Melatonin auch eine stimulierende Wirkung auf das Immunsystem haben und als effektiver „Radikal-Fänger“ gegen oxidativen Stress schützen. Deshalb gilt Melatonin einerseits als Antioxidanz und wird in Anti-Aging-Produkte verarbeitet. Der Effekt von Melatonin als Waffe gegen Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer sowie als Anti-Aging-Produkt ist allerdings (noch) nicht erwiesen.

 

Quellen:

Dustmann, H.; Weißsieker, H.; Wetendorf, R. (2008): Wirksamkeit eines Milchprodukts mit nativ erhöhtem Melatoningehalt. In: Der Lebensmittelbrief - Ernährung aktuell, 19. Jg., Heft 11/12, S. 320-321.

European Food Safety Authority (EFSA): Scientific Opinion on the substantiation of a health claim related to melatonin and reduction of sleep onset latency (ID 1698, 1780, 4080) pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/2006. EFSA Journal 2011;9(6):2241.

European Food Safety Authority (EFSA): Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to melatonin and alleviation of subjective feelings of jet lag (ID 1953), and reduction of sleep onset latency, and improvement of sleep quality (ID 1953) pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/20061. EFSA Journal 2010; 8(2):1467.

Gysling, E. (1997): Melatonin. In: Pharma-Kritik, 19. Jg., Nr. 2.

Roggen, Beat Rene (2007). Melatonin: ein Schlüsselhormon für gute Gesundheit, erholsamen Schlaf und langes Leben. PRK-Editionen.

 

Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team

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