Mysterium Cranberry: Hilft ihr Wirkstoff wirklich bei Blasenentzündung? thinkstock

Mysterium Cranberry: Hilft ihr Wirkstoff wirklich bei Blasenentzündung?

Viele Frauen leiden an den unangenehmen Folgen einer Blasenentzündung. Mit Cranberrysaft soll man dem Übel schnell und einfach entgegenwirken können. Vorbeugen mit fruchtigem Saft? Was ist wirklich dran, an der verheißungsvollen Wunderbeere?

Statistisch erleidet die Hälfte aller Frauen mindestens einmal im Leben eine untere Harnwegsinfektion, auch Zystitis genannt. Oft auch in wiederkehrender Form beginnen die Beschwerden meist mit einem unangenehmen Ziehen im Unterleib, gefolgt von Schmerzen im Bauch, über das ständige Gefühl Wasser lassen zu müssen, bis hin zu einem sehr unangenehmen Brennen während des Urinierens. In manchen Fällen ist der Urin sogar mit Blut vermischt.

Schon recht lang gilt der Wirkstoff der Moosbeere, so die deutsche Bezeichnung der Cranberry, als sehr erfolgsversprechend im Kampf gegen die Zystitis. Während die Auswirkung der Beere bereits ausgiebig in Laboren untersucht wurde, folgten weiterführende Studien, die belegen sollten, dass die Cranberry tatsächlich in der Lage sei, Blasenentzündungen vorzubeugen. Im Sommer des letzten Jahres kamen die Wissenschaftler der National Taiwan University in Taipeh sowie Kollegen der Harvard School of Public Health in Boston jedoch zu einem recht ernüchternden Fazit: Die Beere „könne“ lediglich vor Harnwegsinfektionen schützen. Nachzulesen ist das im Schlussbericht der Metanalyse in den "Archives of Internal Medicine".

Wie hilft Cranberry?

Warum in der Auswertung sehr vorsichtig formuliert wurde, ist jetzt klar: Forscher haben zum einen zeigen können, dass Cranberrysaft einige Bakterienarten daran hindert, sich an die Zellwände der Harnwege zu heften. Verantwortlich für diese Wirkung ist eine Substanz, die sich Proanthocyanidin nennt. Diese gehört zu einer großen Gruppe von pflanzlichen Wirkstoffen, den Flavonoiden. Zum anderen ist die Annahme, dass  Vitamin C, Zitronensäure und eine Reihe anderer Säureverbindungen aus der Cranberry den Urin ansäuern und so vor Bakterienwachstum schützen, inzwischen überholt. Heute weiß man, dass selbst große Mengen Cranberrysaft nicht ausreichen, um den pH-Wert im Urin  so zu verändern, dass dieser in der Lage ist, Bakterien zu eliminieren. Dennoch war die Euphorie groß, als erste Studien zeigten, dass Kapseln mit Cranberry-Extrakten bei Frauen, die unter wiederkehrenden Blasenentzündungen litten, scheinbar einen antibiotischen Effekt erzeugten.

Neuere Studien, die die Wirkung auch mithilfe von Placebo-Präparaten untersuchten, kamen allerdings zu dem Ergebnis, dass das Risiko für ein erneutes Auftreten einer Entzündung insgesamt bei allen Probandinnen zu sinken schien. Der Grund: Das Placebo enthielt irrtümlicherweise die aktiven Substanzen aus dem Cranberrysaft. Dieser sei zwar frei von der vermeintlichen Schlüsselkomponente Proanthocyanidin gewesen, aber nicht von Vitamin C. Das Fazit aus Taiwan fiel demzufolge so aus: Die Einnahme von Cranberry-Präparaten scheint durchaus einen positiven Effekt bei Frauen mit wiederkehrender Blasenentzündung zu bewirken. Als Prophylaxe bietet sich der beliebte Saft der Beere also durchaus an. Auch deutsche Ärzte meinen, dass die bewusste Einnahme nicht schaden könne.

Was hilft außerdem?

Dennoch sollte man sich nicht darauf verlassen, mit Cranberrysaft einer Zystitis aus dem Weg gehen zu können. Aktuelle Erkenntnisse aus den USA betonen weiterhin, dass der Wirkung der Cranberry auf den Menschen zu hoch beigemessen wird. Wie sich die Cranberry langfristig auf den menschlichen Organismus auswirkt, ist auch mithilfe neuerer Studien nicht immer eindeutig. Wer bewusst einer Blaseninfektion vorbeugen möchte, sollte vor allem auch daran denken, ausreichend zu trinken, Hygienemaßnahmen gründlich einzuhalten und die Blase dann zu entleeren, sobald sie sich meldet.

Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team

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