Wenn Krebskranke an einer Mangelernährung sterben... Foto: ©istockphoto.com/jgroup

Wenn Krebskranke an einer Mangelernährung sterben...

Pressemittelung des Diätverbands e.V. | 29.07.2011 | Gesundheitstrends & Statistiken

Ein zentrales Problem bei Krebserkrankungen ist der ungewollte Gewichtsverlust. Krebspatienten sind von krankheitsbedingter Mangelernährung in Folge des Gewichtsverlustes besonders häufig betroffen. Mindestens ein Fünftel aller Krebspatienten verstirbt nicht an der Krebserkrankung selbst, sondern an ihrem häufigsten Begleitsymptom: der krankheitsbedingten Mangelernährung.

Dies wird auch ein Thema auf dem PATIENTEN KONGRESS des Patientenbeirats der Deutschen Krebshilfe sein, der am 17. September 2011 in Dresden stattfindet. Zu diesem Anlass werden Krebspatienten, Angehörige und Interessierte mit Experten, Vertretern der Selbsthilfe und Ansprechpartnern der regionalen Beratungsstellen zusammenkommen, um sich über die aktuelle Versorgungssituation von Krebspatienten auszutauschen.

Schlechter Ernährungszustand führt zum frühzeitigen Tod

Ein schlechter Ernährungszustand erhöht das Risiko für einen ungünstigen Krankheitsverlauf: Die Komplikationsraten steigen, die Lebensqualität sinkt, Therapien sprechen oftmals nur ungenügend an und die Lebenserwartung verkürzt sich. Obwohl diese Erkenntnisse der Ernährungsmedizin seit Jahren bekannt sind, werden die Folgen einer krankheitsbedingten Mangelernährung für den einzelnen Patienten sowie für unser Gesundheitssystem insgesamt in der Öffentlichkeit noch weitgehend unterschätzt.

Regelmäßiges Wiegen meist schon ausreichend

Dabei reicht es für eine Erstbeurteilung des Ernährungszustands in den meisten Fällen aus, die Patienten regelmäßig zu wiegen, um die Gewichtveränderung systematisch zu erfassen. In der Regel lässt sich der ungewollte Gewichtsverlust – wenn er rechtzeitig entdeckt wird – mit einfachen Mitteln verhindern oder rückgängig machen. So kann der frühzeitige Einsatz von bilanzierten Diäten in Form von Trink- oder Sondennahrung bei Krebspatienten einen relevanten Beitrag zur Stabilisierung oder Verbesserung ihres Ernährungszustandes leisten. Doch gerade dieser Aspekt des rechtzeitigen Einsatzes von bilanzierten Diäten findet in der aktuellen Diskussion noch keine ausreichende Beachtung.

Wichtig: Aufklärung

Um zur Aufklärung beizutragen und die adäquate Versorgung der betroffenen Patienten zu fördern, hat der Bundesverband der Hersteller von Lebensmitteln für eine besondere Ernährung e.V. (Diätverband) entsprechende Informationsbroschüren, Gewichtskarten und eine Erfassungssoftware entwickelt. Die Module wurden mit Unterstützung der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) erarbeitet. Für Patienten und Ärzte stehen diese kostenlosen Servicematerialien zum Download im Internet unter www.diaetverband.de zur Verfügung.

Auch Hilfreich - Das Factsheet zur krankheitsbedingten Mangelernährung und bilanzierten Diäten:

1) Wann ist ein Mensch krankheitsbedingt mangelernährt?
Von krankheitsbedingter Mangelernährung wird gesprochen, sobald im Zuge einer Erkrankung die ausreichende Nährstoffversorgung nicht mehr gewährleistet ist und es zu ungewolltem Gewichtsverlust kommt. Dieser Prozess lässt sich in der Regel nicht mehr über die normale Nahrungsaufnahme aufhalten.

2) Welche gesundheitlichen Risiken birgt die krankheitsbedingte Mangelernährung?
Die krankheitsbedingte Mangelernährung hat weitreichende Folgen. Für den Patienten bedeutet sie in erster Linie die Gefahr gesundheitlicher Folgeschäden. Krankheitsbedingte Mangelernährung kann nicht nur den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen, sondern bei besonders schwerer Ausprägung auch zum Tode führen. Für viele Betroffene sind bilanzierte Diäten im Rahmen der Ernährungstherapie daher die einzige Überlebenschance. In weniger schwerwiegenden Fällen kann mit Hilfe bilanzierter Diäten der Ernährungszustand des Patienten bereits kurzfristig und unkompliziert verbessert werden. Es gilt, krankheitsbedingte Mangelernährung möglichst früh zu erkennen und zu behandeln, um weitreichende gesundheitliche Folgen für den Einzelnen zu verringern.

3) Welche Kosten verursacht Mangelernährung im Gesundheitssystem?
Neben der individuellen Betroffenheit der Patienten verursacht krankheitsbedingte Mangelernährung auch erhebliche Kosten für die Solidargemeinschaft. Diese ergeben sich durch unvermeidbare Folgen einer nicht behandelten krankheitsbedingten Mangelernährung. Dazu zählen zusätzlich erforderliche Krankenhausaufenthalte, eine unnötige Verlängerung derselben und zusätzliche Therapien im Zuge der Verschlechterung des Ernährungszustandes. Zusammengefasst verursacht Mangelernährung eine jährliche Gesamtbelastung von ca. 9 Milliarden Euro für die Kranken- und Pflegeversicherung und stellt damit ein erhebliches und teilweise vermeidbares Risiko dar. Von den Gesamtkosten entfallen 5 Milliarden Euro auf den stationären sowie 2,6 Milliarden Euro auf den Pflegebereich. Weitere 1,3 Milliarden Euro entstehen im Bereich der ambulanten ärztlichen Versorgung. Getrieben von der demografischen Entwicklung werden diese Kosten bis 2020 voraussichtlich auf 11 Milliarden Euro pro Jahr ansteigen. Je früher Mangelernährung daher diagnostiziert und behandelt wird, desto eher und besser können auch die damit verbundenen ökonomischen Kosten für die Gemeinschaft reduziert werden.

4) Warum ist so wenig über die krankheitsbedingte Mangelernährung bekannt?
Eine besondere Herausforderung stellt das Wissensdefizit und die damit verbundene Unterschätzung der krankheitsbedingten Mangelernährung als Erkrankung mit weitreichenden Konsequenzen dar. Die öffentliche Wahrnehmung wird nach wie vor von der gegenteiligen Thematik des Übergewichts in Form der Adipositas dominiert.

5) Was sind bilanzierte Diäten zur enteralen Ernährung?
Bilanzierte Diäten zur enteralen Ernährung dienen der Ernährungstherapie bei einer drohenden oder bereits bestehenden Mangelernährung sowie bei angeborenen und krankheitsbedingten Stoffwechselerkrankungen. Sie umfassen Trink und Sondennahrung und spezielle Produkte zum Einsatz bei angeborenen Stoffwechselerkrankungen (z.B. Aminosäuremischungen). Bilanzierte Diäten zur enteralen Ernährung gewährleisten eine ausreichende Nährstoffversorgung und verhindern damit eine Verschlechterung des Ernährungszustandes und somit schlussendlich das Verhungern des Patienten. Bei enteralen Produkten wird der natürliche Weg der Nährstoffaufnahme über den Magen-Darm-Trakt genutzt. Korrekt klassifizieren lassen sich bilanzierte Diäten als diätetische Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke. Sie sind weder Arzneimittel (da sie keine pharmakologische, immunologische oder metabolische Wirkung entfalten), noch kann man sie der Gruppe der "normalen" Lebensmittel zuordnen.

Wenn eine ausreichende normale Ernährung krankheitsbedingt nicht möglich ist, können bilanzierte Diäten zur enteralen Ernährung der Situation entsprechend verordnet werden: Entweder als begleitende Ernährungstherapien oder auch als vollständiger Nahrungsersatz, falls die individuelle Patientensituation dies erforderlich macht. Bilanzierte Diäten können speziell an die jeweilige Ernährungssituation angepasst werden, und sind mit anderen ernährungstherapeutischen Maßnahmen kombinierbar. Sie können bei eintretender Besserung des Ernährungszustandes auch wieder abgesetzt werden.

6) Wer ist auf bilanzierte Diäten angewiesen?
Krankheitsbedingte Mangelernährung kann jeden treffen. Jeder kann im Laufe seines Lebens – vorübergehend oder längerfristig – auf bilanzierte Diäten zur enteralen Ernährung angewiesen sein. Enterale Ernährungstherapie kann – frühzeitig angewendet – bereits als unterstützende Therapie einen ernährungsphysiologischen und begleitenden positiven Beitrag zur Krankenbehandlung leisten. Längerfristig betroffen sind vorwiegend Patienten mit schwerwiegenden (Erb-) Erkrankungen. Dazu zählen u.a. Krebs, (angeborene) Stoffwechselkrankheiten sowie neurologische Schluckstörungen. Bis zu 75 Prozent der Patienten leiden bereits zum Zeitpunkt ihrer Erstdiagnose Krebs an krankheitsbedingter Mangelernährung und sind damit in besonderem Maße auf bilanzierte Diäten angewiesen.
In Deutschland sind jährlich etwa 100.000 Patienten auf Sondennahrung und ca. 400.000 Menschen auf Trinknahrung zur Stabilisierung oder Verbesserung des Ernährungszustandes angewiesen. Häufig wird krankheitsbedingte Mangelernährung im ambulanten Bereich nicht als solche erkannt und in der Konsequenz nicht adäquat behandelt. Allein schon im stationären Bereich zeigen Studien, dass jeder vierte aufgenommene Patient bei stationärer Aufnahme unter einer krankheitsbedingten Mangelernährung leidet und lediglich ein Drittel aller mangelernährten Patienten einer adäquaten Ernährungstherapie zugeführt wird.

7) Wer ist der Diätverband und was ist sein Anliegen?
Der Bundesverband der Hersteller von Lebensmitteln für besondere Ernährung e.V. (Diätverband) vertritt rund 60 Hersteller von diätetischen Lebensmitteln. Ein zentrales Anliegen des Verbands ist die Behebung der Informationsdefizite in der Ernährungstherapie im Allgemeinen und der Mangelernährung im Besonderen. Der Diätverband arbeitet eng mit der Wissenschaft zusammen und hat einen eigenen Arbeitskreis Bilanzierte Diäten eingerichtet, der speziell mit der Aufgabe der Optimierung des Einsatzes geeigneter Ernährungstherapien gegen krankheitsbedingte Mangelernährung betraut ist.

 

Quelle: Pressemittelung des Diätverbands e.V. - Bundesverband der Hersteller von Lebensmitteln für eine besondere Ernährung e.V.

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Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team