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Wie schädlich ist Zigarettenrauch?

In München findet derzeit das erste Oktoberfest statt, an dem nicht in den Bierzelten geraucht werden darf. In einem Volksentscheid haben die Bürger und Bürgerinnen von Bayern für das strengste Rauchverbot der Republik abgestimmt, zum Schutze der Nichtraucher. Aus gutem Grund, denn das Rauchen hat auch Auswirkungen auf die Gesundheit anderer.

Frau Dr. Martina Pötschke-Langer, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention im Krebsforschungszentrum Heidelberg macht deutlich, welche gesundheitlichen Schäden eintreten können und gibt Tipps zum verantwortungsvollen Umgang mit dem Glimmstängel.

Am 31. Mai ist alljährlich der Weltnichtrauchertag. Ein Gedenktag, der immer wieder Anlass zu Initiativen und Aktionen gibt, die meist den Schutz der Nichtraucher zum Schwerpunkt haben. Natürlich ist mit einem einzigen Tag der Bevölkerung auf dem Weg zum gesünderen Leben nicht geholfen. Deshalb nutzen Gesundheitsministerien und Forschungsgruppen immer wieder Plattformen zur Aufklärung. So wie das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg in seiner Broschüre „Schutz der Familie vor Tabakrauch“. Hier gibt es viele Informationen zum Tabakrauch und Tipps, wie man seine Familie vor dem gesundheitsschädlichen Qualm der Zigaretten schützen kann.

Woraus besteht der Tabakrauch und wie reagiert er mit der Umwelt?

Der Rauch einer Zigarette ist ein äußerst komplexes Gemisch. In frischem Tabakrauch wurden bisher 4.800 verschiedene Substanzen gefunden. Darunter waren 250 Substanzen toxisch und damit gesundheitsschädlich. Tabakrauch enthält in seinen Hauptbestandteilen Nikotin, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid. Außerdem weist Tabakrauch eine Vielzahl von Kanzerogenen (krebserregende Stoffe) wie Benzol, 1,3-Butadien, Benzopyren sowie eine Menge anderer Gifte auf, die eingeatmet werden.

Wie schädlich diese Stoffe sind, kann man sich vor Augen führen, wenn man beispielsweise bedenkt, dass das 1,3-Butadien ein Stoff ist, der eigentlich einen Grundstoff für Autoreifen darstellt und in Autoabgasen zu finden ist

Weitere bekannte Giftstoffe sind z.B. Blausäure, Blei, Ammoniak, Arsen, Phenol, Cadium, Acrylnitril, Benzol und Formaldehyd, um nur wenige zu nennen! Blausäure und Phenol findet man in Unkraut- und Schädlingsvernichtungsmittel. Cadium und Blei sind in Batterien enthalten. Arsen müsste jedem Krimi-Fan als tödliches Gift bekannt sein. Benzol ist ein Antiklopfmittel in Benzin. Acrylnitril entsteht bei der Produktion von Plastik. Formaldehyd ist ein Konservierungs- und Desinfektionsmittel. Ammoniak ist in aggressiven Putzmitteln zu finden. Beinahe alle genannten Stoffe sind krebserregend und/oder erbgutschädigend. Viele von ihnen schädigen Augen und Atemwege und greifen wichtige Organe im menschlichen Körper an.

Je nach Temperatur, Luftfeuchtigkeit und anderen Umwelt-Einflüssen ändert der Rauch seine Konzentration und Zusammensetzung. Er kann sich mit anderen Partikeln verbinden, an verschiedenen Oberflächen in Räumen anhaften und so vom Menschen eingeatmet bzw. verschluckt werden. Eine herkömmliche Zigarette gibt beispielsweise etwa 600 Milligramm Kohlendioxid (CO2), 4,5 Milligramm Kohlenmonoxid (CO), 5 Milligramm Nikotin sowie 25 Milligramm Rauchpartikel an die Umgebung ab.

Belastung der Nichtraucher mit Tabakrauch

Die passive Tabakrauchbelastung im Jahre 2009 betrug nach einer Statistik des Krebsforschungszentrums am Arbeitsplatz für Männer 45,2 Prozent und für Frauen 30 Prozent. Diese Werte entsprechen der etwaigen Belastung in Kneipen und Kaffees. Hier liegen die Werte bei den Männern bei 37,6 Prozent und bei Frauen wieder bei 30 Prozent. Am stärksten betroffen ist die Altersgruppe der 18- bis 19-Jährigen: bei den Männern waren 72 Prozent und bei den Frauen 61,5 Prozent mindestens einmal wöchentlich dem Tabakrauch ausgesetzt. Die Hauptquelle der Tabakrauchbelastung von Kindern und Jugendlichen von 11 bis 17 Jahren liegt in der häuslichen Umgebung. Hier werden rund 25 Prozent aller nichtrauchenden Kinder täglich dem Tabakrauch der Zigarette rauchender Eltern ausgesetzt. Diese Kinder sind im Vergleich zu Kindern von nichtrauchenden Eltern viermal so stark durch Tabakrauch belastet.

Gesundheitsrisiken durch die Tabakrauchbelastung

Passivrauchen kann akute Gesundheitsbeschwerden sowie chronische Erkrankungen der Atemwege und des Herz-Kreislaufsystems hervorrufen, aber auch für Krebserkrankungen, wie Lungen-, Kehlkopf- und Rachenkrebs, auslösend sein. Am schwersten ist die Lunge vom Tabakrauch betroffen. Durch den Rauch werden ihre Abwehrfunktionen geschwächt und der Selbstreinigungsmechanismus negativ beeinträchtigt. So kann es zu Entzündungen in der Lunge kommen. Außerdem kann es zu Atemwege verengenden Erkrankungen kommen, die chronisch werden können. Schon kurzzeitige Tabakrauchbelastung kann zu Funktionsstörungen der innersten Zellschicht der Blutgefäße führen, die sich dann in der Erweiterung der Gefäße und der Verklumpung von Blutplättchen äußert. Dazu kann es zu einer Ablagerung von Blutfetten (Cholesterin) und verklumpten Bindegewebe kommen, die zur Entstehung von Arteriosklerose beiträgt. Bei weiteren passivrauchbedingten Herz-Kreislauferkrankungen können die Herzkranzgefäße (koronare Herzerkrankungen) oder arterielle Gehirngefäße betroffen sein, was im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt beziehungsweise einem Schlaganfall führen kann.

Die genannten Erkrankungen sind hierbei nur ein sehr kleiner Ausschnitt aus einer ganzen Reihe an gesundheitlichen Problemen, die durch das Einatmen, Schlucken oder das Aufnehmen des Rauchs über die Haut entstehen können. Auf alle Auswirkungen des Rauchs auf den menschlichen Körper einzugehen, würde hier den Rahmen sprengen.

Die gesundheitliche Belastung durch das Rauchen in geschlossenen Räumen

Dass Passivrauchen an sich bereits für den Mitmenschen gesundheitsgefährdend sein kann, hat man in vielen Untersuchungen immer wieder festgestellt und durch medizinische Gutachten bewiesen. Worüber sich jedoch die wenigsten Gedanken machen, ist die Tatsache, dass die im Tabakrauch enthaltenen Giftstoffe sich in Textilien und anderen Oberflächen festsetzen und die giftigen Mengen sich über die Zeit potenzieren. Die Berührung einer mit Tabakrauch kontaminierten Oberfläche kann dann die hundertfache Menge der Stoffe im Rauch einer einzelnen Zigarette in sich bergen. Diese Stoffe werden im Wege des so genannten „Thirdhand Smoke“ entweder verschluckt oder über die Haut absorbiert. Extrem gefährdet sind vor allem Kleinkinder, die häufiger mit Polstern, Teppichen und anderen Unterlagen in Kontakt kommen. Neben den Wohn- und Arbeitsräumen ist die Tabakrauchbelastung in Fahrzeugen eine besonders große Gefahrenquelle, weil der Rauch im engen Fahrerraum noch konzentrierter auftritt.

Einziger Schutz vor dem Tabakrauch – Nicht rauchen!

Für Nichtraucher ist das effektivste und gleichzeitig das schwierigste Rezept gegen den Einfluss von Tabakrauch das Meiden. Unter freiem Himmel sollte man sich wenn möglich nicht in den Dunstkreis der Raucher stellen. Beim Betreten öffentlich zugänglicher Räume kann man zudem darauf achten, dass man „Raucher-Lokalitäten“ umgeht.

Wichtigster Tipp für geschlossene Räume: niemals in den eigenen Wohnräumen rauchen. Dabei ist dringend angeraten, die Tür geschlossen zu halten. Ein striktes Rauchverbot zuhause hält nicht nur den toxischen Rauch draußen, es schützt auch Kinder im Haushalt davor, selbst mit dem Rauchen anzufangen. Letzteres wurde in mehreren Studien festgestellt. Kinder und Jugendliche, die in einem rauchfreien Haushalt aufwachsen, zeigen eine deutlich geringere Akzeptanz gegenüber dem Rauchen. Bei der Prävention vor Tabakrauch ist zu beachten, dass das alleinige Lüften der Räume oder das Rauchen bei geöffnetem Fenster keinen vollständigen Schutz bietet, da sich der Rauch dennoch in der Wohnung verteilt. So zeigten Messungen in Raucherwohnungen, dass in den Räumen, in denen geraucht wurde, die Konzentration an lungengängigen Partikeln aufgrund des Tabakrauchs 84 Mikrogramm pro Kubikzentimeter betrugen. In den anderen Räumen der Raucherwohnung, in denen nicht geraucht wurde, war die Partikelkonzentration mit 63 Mikrogramm pro Kubikzentimeter nur geringfügig niedriger.

Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team

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