Fleischlos glücklich? Warum es vielen so schwer fällt, auf Steak und Co. zu verzichten Matt Cardy/Getty Images

Fleischlos glücklich? Warum es vielen so schwer fällt, auf Steak und Co. zu verzichten

Nicht nur der Gesundheit – auch der Umwelt tut man Gutes, wenn man Fleisch und Wurst in Maßen konsumiert. Oder sollte man gar ganz auf vegetarisch umrüsten? Kommt nicht in Frage? Wir decken auf, warum es vielen so schwer fällt, auf Fleisch zu verzichten und wie man mit Gemüse und Co. richtig satt wird.

Jüngste Meldungen zeigen, dass der Fleischkonsum von Schwein, Rind und Co. ethisch als auch moralisch zu überdenken ist: Der Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) zeigte in einer neuen Studie, dass in Deutschland routinemäßig Hormone in der intensiven Ferkelzucht eingesetzt würden. Daher fordert dieser ein Hormonverbot für gesunde Schweine. Ohnehin sollten Hormone nicht zur Leistungssteigerung und damit nur zur Behandlung kranker Tiere eingesetzt werden. In der Mast ist die Gabe von Hormonen verboten, in der Schweinezucht kommen Hormonbehandlungen aufgrund eines minimierten Arbeitsaufwandes allerdings immer häufiger zum Einsatz.

Die hohe Nachfrage an günstigen Fleisch- und Wursterzeugnissen zwingt Landwirte und Produzenten zu drastischen Maßnahmen in Tierhaltung und -zucht. Grund genug, um Kaufverhalten und Ernährung umzustellen. Viele Deutsche achten daher zunehmend auf ihren Fleischkonsum, andere versuchen der Fleischeslust gleich ganz den Garaus zu machen. Dennoch bleiben Vegetarier in der Minderheit, wie Universitäten der Städte Göttingen und Hohenheim in einer Umfrage herausfanden.

Gelegenheitsvegetarier rüsten nach

Aus den Antworten der 1.174 online- Befragten (Personen über 18 Jahre) etablierten sich vier Gruppen, die das Essverhalten genauer bestimmen: „Vegetarier und Veganer“ (3,7 %), „Flexitarier“ (11,6%), „Fleischesser mit schlechtem Gewissen“ (9,5%) und „Unbekümmerte Fleischesser“ (75,1%). Drei Viertel der Deutschen vertilgen also weiterhin ganze zehn Fleisch- und Wurstmahlzeiten pro Woche.

Zugegeben: Die Umstellung auf weniger oder gar kein Fleisch fällt vielen schwer. Der Verzicht stellt dabei ein weitaus größeres Unterfangen dar, als Anfangs vielleicht angenommen. Alternativen gibt es viele, darüber hinaus locken Gemüse, Hülsenfruchte und Co. mit Vitaminen, Ballast- und Nährstoffen. Dennoch scheinen sie uns nicht immer vollends glücklich zu machen.

Fleisch macht satt

Was vielen Einstiegs-Vegetariern vor allem fehlt, ist das Gefühl, richtig satt zu werden. An einem saftigen Steak hat man nun mal ordentlich zu kauen und das macht glücklich. Das Mund- oder besser Mahlerlebnis ist mit knackigem Obst und Gemüse zwar substituierbar, macht allerdings noch lange nicht so satt wie eine Portion vom würzigen Braten. Und immer nur Karotten, Kohl oder Kerniges wird auf Dauer langweilig. Hülsenfrüchte sind zwar eine willkommene Abwechslung, dennoch wissen die wenigsten, wie man sie gesund und schmackhaft zubereitet. Milchproduckte befriedigen meist nur den Appetit, nicht aber den knurrenden Magen. Zum Glück entpuppt sich Tofu mithilfe des richtigen Rezepts zur wahren Gaumenfreude. Doch auch da fehlt vielen die Bissfestigkeit. Was also tun, um im Kauf- und Kochverhalten richtig und vor allem gewinnbringend umzustellen?

Auf die Kombination kommt es an

Es stellt sich verstärkt die Frage, wie man verhindert, zwei Stunden nach einer Gemüse-Mahlzeit wieder hungrig zu werden. Einen einfachen, wie auch genialen Tipp hat die Unternehmerin, Restaurantbetreiberin und Autodidaktin Gabi Völlings. Sie rät, kleinteilige Strukturen in größere zu verwandeln. Gemeint ist die Zubereitung von Tortilla, Lasagne, Quiche oder Getreidefrikadellen. Das geschieht mithilfe innerer Bindung, etwa durch Ei, beziehungsweise äußerer Umhüllung, durch Teigbahnen oder Gemüseblätter. Auch Pilze, wie Kräuterseitlinge, Champignons und Co. sowie festes Brot machen satt und haben ein angenehmes Kaugefühl.

Bissfester Fleischersatz

Um ein Gericht mit fleischähnlichem Biss zu erzeugen, eignet sich neben Grünkern auch Seitan. Seitan ist ein Produkt aus Weizeneiweiß (Gluten) mit fleischähnlicher Konsistenz und stammt aus der japanischen Traditions-Küche. Im Geschäft ist verzehrfertiger Seitan noch recht preisintensiv. Die Herstellung ist allerdings sehr einfach und braucht nur wenige Hilfsmittel: Glutenmehl (Reformhaus) wird mit Wasser oder Gemüsebrühe vermischt, zu einem Teig geknetet und portioniert. Anschließend wird die Rohmasse gekocht, beispielsweise in einer Marinade aus Sojasoße, Algen und Gewürzen. Danach kann man die gekochten Seitan-Stücke wie Fleisch durch Braten, Frittieren oder ähnliches zubereiten.

Die vegetarische Küche ist so vielfältig, dass die Fleischmahlzeiten gut reduziert werden können. So kann man Massentierhaltung indirekt bekämpfen, aber auch der Gesundheit etwas Gutes tun. Vitamin- und abwechslungsreiche Kost gibt es in Hülle und Fülle – man muss sie nur besser kennenlernen.

Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team

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