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Kaffee macht nicht wach

Für viele ist Kaffee nicht einfach nur Kaffee. Vielmehr gilt er als Wachmacher, der einen in Büro und Alltag unterstützt und auf Touren bringt. Aber ist das wirklich so? Die Wissenschaft zeigt, dass uns Kaffee über die Müdigkeit nur hinwegtäuscht, was dazu verleitet, mehr davon zu trinken Trotzdem gilt: Kaffee macht uns nicht abhängig. Zum Glück.

Die Tage werden kürzer, die Nächte länger. Klingelt der Wecker schon recht zeitig, hat man oft das Gefühl, es sei noch mitten in der Nacht. Die Folge: Wir fühlen uns oft noch müder, als im Sommer. Dazu kommt, dass es draußen ungemütlich kalt ist. Was hilft, ist ein heißer, koffeinhaltiger Muntermacher: Der gute alte Kaffee. Egal ob klassisch schwarz, als Espresso oder in den schaumig-cremigen Varianten von Cappuccino bis Macchiato: Bereits der Geruch frisch aufgebrühten Kaffees lässt viele Herzen höher schlagen.

Kaffee treibt an

Apropos erhöhte Herzfrequenz. Macht Kaffee wirklich munter? Nicht ganz: Der „schwarze Zaubertrank“ macht uns nicht wach aber treibt uns an. „Das enthaltene Koffein stimuliert das zentrale Nervensystem“, erklärt die Ernährungswissenschaftlerin Isabelle Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Herz, Kreislauf, innere Organe und die Verdauungstätigkeiten werden angeregt. „Die Müdigkeit wird beseitigt, die Stimmungslage verbessert und wir können uns besser konzentrieren", zählt Keller die Vorzüge auf. Doch während der Organismus in Fahrt kommt, zeichnet sich in unserer Zentrale, dem Gehirn, ein etwas anderer Effekt ab.

Wissenschaftler haben für die Wirkung von Kaffee, die Müdigkeit wegzuzaubern scheint, eine Erklärung: Ist das menschliche Gehirn aktiv, sammelt sich dort nach einiger Zeit ein bestimmter Botenstoff an. Dieses Molekül heißt Adenosin, oder in unserem Fall auch „Müde-Macher“. Es dockt sich an spezielle Rezeptoren im Gehirn an, die wiederum eine Schutzreaktion auslösen. Die Folge: Wir fühlen uns müde, werden zu einer Pause gezwungen und sorgen somit dafür, dass das Gehirn nicht überlastet wird. Dieselben Rezeptoren reagieren allerdings auch auf das im Kaffee enthaltene Koffein. Dieses belegt die Rezeptoren und blockiert so die Zufuhr des Botenstoffs Adenosin. Kurz gesagt: Der Mensch trickst mit einer Tasse Kaffee die Adenosin-Rezeptoren und somit seine Müdigkeit aus.

Kaffee – jeder reagiert individuell

Dennoch reagieren nicht alle Menschen gleich auf die gefühlten Vorteile des Kaffees. Das belegt eine Studie aus England: Acht Prozent aller Testpersonen zeigten nach dem Konsum von Koffein keinerlei aufmerksamkeitssteigernde Reaktion. Viele reagieren auf Kaffee sogar mit Herzrasen oder Magenbeschwerden. Bei sogenannten Dauertrinkern stellt sich zudem ein Gewohnheitseffekt ein und die stimulierende Wirkung lässt nach. Das Signal: Mehr Kaffee! Aber genau das verstärkt die Müdigkeit. Es bilden sich zusätzliche Adenosin-Rezeptoren, die die Koffein-Wirkung letztlich aufheben. Besonders vom Wach-Effekt profitieren daher vor allem Gelegenheitstrinker.

Kaffee als Genussmittel

Kaffee ist auch ein Genuss-Mittel. Wer ihn gerne trinkt, tut sich faktisch häufig schwer, seinen täglichen Bedarf zu reduzieren. Trotzdem gilt: Süchtig macht Kaffee nicht. Medizinische Studien haben nämlich gezeigt, dass es selbst bei jahrelangem Kaffeekonsum keine suchttypischen Entzugserscheinungen gibt, wenn das Koffein weggelassen wird. Das erklärt Dr. Malte Rubach vom Kompetenzzentrum für Ernährung in Freising: „Abhängigkeiten entstehen, wenn das körpereigene Belohnungssystem angesprochen wird. Nach dem derzeitigen Stand der Forschung ist das beim Kaffee nicht der Fall."

Dennoch sollte man es nicht übertreiben. Gesunde Menschen können über den Tag verteilt ohne Probleme zwei bis drei große beziehungsweise drei bis vier kleine Tassen Kaffee trinken, so die Richtlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. „Das entspricht etwa 300 bis 350 Milligramm Koffein und ist gesundheitlich unbedenklich", sagt Ernährungswissenschaftlerin Keller. Und wenn sich die Müdigkeit in der Arbeit wieder meldet, kann man dem auch alternativ entgegen wirken: Ausreichend Lüften und sich selbst zu etwas mehr Bewegung zwingen, vielleicht mit einem kleinen Spaziergang in der Pause?


Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team

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