Medizinische Warnhunde – Besser als jedes Blutzuckermessgerät? Deutsches Assistenzhunde-Zentrum

Medizinische Warnhunde – Besser als jedes Blutzuckermessgerät?

Hunde sind nicht nur die besten Freunde des Menschen, sondern dienen als große Entlastung für Menschen mit krankheitsbedingten Einschränkungen und körperlichen Behinderungen. Sie sind zuverlässige und treue Helfer. Mission des Deutschen Assistenzhundezentrums ist es, solche Assistenzhunde für Personen mit den unterschiedlichsten Behinderungen auszubilden und diesen somit ein besseres Leben zu ermöglichen. Darunter sind ganz besondere Hunde – Medizinische Warnhunde. Hundetrainerin Janine Lehmann erklärt, was es mit ihnen auf sich hat.
Hunde kommen in den verschiedensten Bereichen zum Einsatz, als Haustier, in der Drogenfahndung, oder als Therapiehunde in Krankenhäusern.

Im Deutschen Assistenzhundezentrum in Berlin werden Hunde professionell ausgebildet, um Menschen mit körperlicher oder psychischer Behinderung  im Alltag zu unterstützen. Je nach Beeinträchtigung ihres Besitzers, erfüllen die Assistenzhunde unterschiedliche Aufgaben. „Handelt es sich um einen Signalhund für Personen, die stark hörgeschädigt sind, bereitet man ihn auf bestimmte Geräusche vor. Einem LPF-Hund, das heißt einem Hund für lebenspraktische Fähigkeiten, bringt man bei zu apportieren. So hat jede Assistenzhundeart seine speziellen Aufgaben“, erklärt Janine Lehmann, Hundetrainerin im Assistenzhundezentrum in Berlin.  

Warnhunde – Die besonderen Assistenzhunde

Unter den Assistenzhunden gibt es eine ganz besondere Art – Die Medizinischen Warnhunde. Sie kommen vor allem bei Diabetes Typ 1 sowie bei Epilepsie zum Einsatz. Die sogenannten Diabeteswarnhunde warnen ihre Besitzer noch bevor dieser in eine Unter- bzw. Überzuckerung fällt. So kann der Erkrankte seinen Blutzucker messen und sich rechtzeitig mit Insulin versorgen. Bei Epileptikern erkennen Warnhunde bestimmte Anfälle, sogenannte fokale Anfälle, bereits zwei bis fünf Minuten vorher. Zeigt der Hund an, kann die betroffene Person schon im Voraus Hilfe organisieren und sich medikamentös auf den Anfall einstellen.

Wie die Hunde dies erkennen können, haben Janine Lehmann und ihre Kollegen untersucht: „In einer siebenjährigen wissenschaftlichen Studie, die wir letztes Jahr abgeschlossen haben, fanden wir heraus, dass sich vor einer Unter- oder Überzuckerung beziehungsweise vor einem fokalen epileptischen Anfall die Sauerstoffsättigung im Blut verändert. Dies wiederum führt zu einer minimal unterschiedlichen Atemfrequenz der betroffenen Person. Diesen Unterschied können die Hunde sehr wahrscheinlich hören. Denn alle Hunde bewegten vor dem Warnen ihre Ohren. Auch Schlaganfälle und Asthmaanfälle können die Hunde auf diese Weise frühzeitig erkennen.“

Wie warnt ein Warnhund seinen Besitzer?

Jeder Hund warnt seinen Besitzer auf seine eigene Art. Dennoch lassen sich bei den Hunden oft ähnliche Verhaltensmuster beobachten. „Merkt ein Hund, dass der Blutzucker seines Herrchens sinkt beziehungsweise steigt oder dieser kurz vor einem fokalen epileptischen Anfall steht, fängt er an die Person mit einem starrenden Blick anzuschauen. Der Hund fiept, legt eventuell die Pfote auf den Schoß der Person oder kratzt am Bein. Es kommt auch vor, dass die Hunde an Mund und Ohren schlecken und riechen möchten. Auch nachts sind die Hunde zuverlässige Warnsysteme und merken selbst in ihrem Schlaf, wenn sich die Sauerstoffsättigung im Blut ihres Besitzers verändert. Betroffene berichten, dass sich der Hund dann sogar auf ihren Brustkorb stellt, um sie aufzuwecken“, erzählt die 30-jährige Hundetrainerin. „Es ist immer wieder erstaunlich wie zuverlässig diese Hunde warnen.“

Warnhunde sind sehr selten. Nur ein Hund von Tausend besitzt diese besondere Fähigkeit. Sie ist angeboren und kann dem Hund nicht antrainiert werden. Um geeignete Hunde zu finden, besuchen erfahrene Hundetrainer deshalb regelmäßige neue Hundewürfe. Nur sogenannte Head Hundetrainer mit langjähriger Erfahrung können anhand 70 verschiedener Tests ermitteln, ob ein Welpe die notwendigen Fähigkeiten besitzt. „Oft müssen wir zwanzig Hundewürfe untersuchen, um überhaupt einen Warnhund zu finden. Interessierte müssen daher häufig  bis zu einem halben Jahr auf ihren Hund warten“, berichtet Janine Lehmann.

Wie werden die Warnhunde trainiert?

Ist ein passender Warnhund gefunden, wird sofort mit dem Training begonnen. Hund und Mensch bilden nun ein Team. „Die Hunde ziehen so früh wie möglich – ab der achten Woche – bei ihren neuen Besitzern ein. Einmal die Woche kommen sie dann zum Training in unsere Hundeschule. Dort wird das Team von erfahrenen Hundetrainern angeleitet und bekommt Hausaufgaben. Wir erklären den erkrankten Personen,  wie das Warnverhalten des Hundes aussehen könnte und wie sie reagieren müssen, wenn der Hund anzeigt. Mit unserer Anleitung  bilden die Erkrankten ihre Hunde selbst aus und lernen wie sie das Warnverhalten ihres Hundes fördern können.“, erklärt Janine Lehmann, die die Teams regelmäßig trainiert.

In der Assistenzhundearbeit wird ausschließlich mit Lob gearbeitet. „Jedes Mal, wenn der Hund seinen Besitzer warnt, wird sozusagen eine kleine Party für den Hund veranstaltet: Man lobt ihn und gibt ihm Leckerlis, um zu zeigen, dass er das ganz toll gemacht hat und das auch weiterhin tun soll“, erzählt die Hundetrainerin.

Wenn man einen Warnhund gefunden hat und dessen Fähigkeit von Anfang an fördert, warnt der Hund zuverlässig ein Leben lang. Zudem kann dem Hund beigebracht werden im Notfall Hilfe zu verständigen, zum Beispiel durch ein Notfalltelefon, das der Hund mit einem Knopf betätigen kann.“ Insgesamt dauert es zwei Jahre bis der Hund vollständig ausgebildet ist.

Rechte der Assistenzhunde

Damit gewährleistet werden kann, dass der Hund wirklich zuverlässig warnt, muss er 24 Stunden lang bei seinem Besitzer sein. Nur die erkrankte Person darf sich um den Hund kümmern.

Daher haben Warnhunde, ebenso wie alle Assistenzhunde, in der Öffentlichkeit bestimmte Privilegien. Ein Hund mit abgeschlossener Assistenzhundeprüfung hat überall Zugangsrechte.  Er darf mit  in Lebensmittelgeschäfte,  in die Arbeit, ins Schwimmbad und ins Kino. Sogar im Passagierbereich von Flugzeugen dürfen sie mitfliegen. „Jeder Besitzer bekommt einen Ausweis mit Lichtbild von sich und dem Hund. Damit kann er die Rechte seines Hundes nachweisen“, erklärt Janine Lehmann.

Dadurch dass sich die Hunde permanent auf ihren Besitzer konzentrieren und ihre Hunde-Bedürfnisse zurückschrauben, ist es ganz wichtig, den Hunden auch mal eine Auszeit zu gönnen. Sonst leiden auch Hunde auf lange Zeit an einem Burn-Out-Syndrom, wie Janine Lehmann erklärt:

„Alle Assistenzhundearten leisten zuverlässig ihre Arbeit, aber sie brauchen natürlich auch Pausen, Mindestens einmal am Tag dürfen sie einfach Hund sein. Sie dürfen rennen, spielen, Kontakt zu anderen Hunden aufnehmen und andere Menschen begrüßen. Im Alltag während des Dienstes geht das zwar auch, aber nur auf Kommando. Ansonsten müssen sie diese Triebe ignorieren.“

Weitere Forschung zu Assistenzhunden

Da Assistenzhunde noch nicht, wie zum Beispiel Blindenhunde, im Hilfsmittelkatalog der Krankenkassen aufgenommen worden sind, müssen Betroffene die Kosten für einen Assistenzhund alleine tragen. Diese liegen zwischen 25 000 und 30 000 Euro, variieren aber je nach Ausbildung. Allerdings gibt es die Möglichkeit, sich an Stiftungen zu wenden oder einen Spendenaufruf zu starten.

Mit dem Ziel den Krankenkassen weitere Beweise für die Effizienz der Assistenzhunde zu liefern, werden die Fähigkeiten der Hunde in der Forschungsabteilung des Deutschen Assistenzhundezentrums weitweiterhin erforscht. „Wir bleiben da auf jeden Fall dran. Zurzeit versuchen wir unter anderem herauszufinden, ob die Hunde auch bei primär generalisierten epileptischen Anfällen und bei Diabetes Typ 2 reagieren. Bis jetzt können wir mit Sicherheit nur sagen, dass die Hunde bei fokalen epileptischen Anfällen und bei Diabetes Typ 1 zuverlässig warnen“, berichtet Janine Lehmann.

Seit 2006 werden Assistenzhunde in Deutschland ausgebildet. Wann die Krankenkassen den großen Nutzen der Hunde für erkrankte Personen anerkennen, bleibt abzuwarten.

Dieser Beitrag stammt von Nils und dem GesünderNet-Team